Warten auf den edlen Ritter

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Einmal Mittelalter und zurück! (Foto: Heike Cervellera)
 
Wasser holen mittels einer Pumpe. (Foto: Heike Cervellera)
Xanten: Siegfried Spektakel |

Vom 5. bis 8. Mai fand in Xanten das alljährliche Siegfriedspektakel statt. Die Möglichkeit für den Xantener, um den Gegenwartstest zu machen: Mittelalter versus Neuzeit.

Dass das Leben im Mittelalter anders war, daran erinnere ich mich noch vage aus dem Themenunterricht in der Grundschulzeit. Aber wie genau lebten die Menschen damals? Welche Möglichkeit das herauszufinden ist besser, als ein Besuch des Siegfriedspektakels in Xanten?

Bereits auf dem Weg zum Eingang kommen uns viele verkleidete Menschen entgegen. Nur, das sie irgendwie nicht verkleidet wirken. Woran das liegt, werde ich später noch selbst erfahren. Beim ersten Gang über das Gelände fällt direkt eine große Wasseranlage auf, an der Kinder spielen und Wasser mittels einer Pumpe holen können. Bei gut 25 Grad einfach herrlich, aber wie das wohl damals bei 3 Grad war? Vor allem, wenn das Wasser dringend benötigt wurde und nicht mal einfach eben ein Wasserkrahn aufgemacht werden konnte, um Wasser zu bekommen. Eine ungewohnte Vorstellung.

Die Musikklänge locken uns zur Bühne am Klevertor. Dort spielt gerade eine Band und die Menschen heben ihre Gläser und prosten ihr zu. Moment mal, Gläser? Gläser gibt es hier nicht, getrunken wird noch aus Krügen. Und als die Band abschließend den Zuhörern einen Spruch zuruft, dämmert es mir, dass auch das Mikrofon eher eine Erfindung der Neuzeit ist.

Am Rande der Turnierarena und Wiesenbühne treffen wir auf die 14-jährige Ronja. Die Xantenerin ist ebenfalls verkleidet und bietet für die Kinder ihre Styropor-Schwerter zum Kämpfen an. Sie selbst ist begeistert vom Leben im Mittelalter und hat vor kurzem eine eigene Gruppe für Larp (Live Action Roll Play) gegründet: „Das ist ein Improvisationstheater nur ohne Zuschauer“. Und wie kommt sie überhaupt auf das Thema Mittelalter? „Ich wohne halt hier in Xanten, da ist es kein Wunder“, sagt sie lachend. Playstation und I-Pad? Hier in weiter Ferne.

Zwei Frauen sitzen am Rande des ganzen Spektakels und weben in Seelenruhe Kleidung. Überhaupt läuft hier jeder Zweite in mittelalterlichen Gewänden herum. Eindrucksvoll sehen die Kleider und Rüstungen schon aus. Kurzerhand stöbern wir etwas am Stand bei Talena Rheingold. Sie besitzt ihren Laden „Rheingold“ seit zehn Jahren: „Mit 12 war ich auf meinem ersten Mittelaltermarkt in Siegburg und von da an hat mich das Thema fasziniert.“ Erst ging es nur als Tagesgast auf Festivals, aber das war ihr schnell zu wenig: „Daraufhin habe ich eine eigene Gruppe gegründet, mit der wir zu Festivals gefahren sind und dort auch übernachtet haben. Wir hatten sogar eigene kämpfende Ritter.“ Mittelalter, das ist für die Siegburgerin nicht nur eine Zeitvertreib, sondern echte Leidenschaft: „Ich lebe und liebe es. Bei den Festivals werden aus Fremden Freunde.“

Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Herstellung von Kleidung. So kommt es auch, dass mich die quirlige Geschäftsinhaberin prompt in ein Kleid steckt. Schnell wird klar, alleine anziehen, ist fast eine Sache der Unmöglichkeit: „Nicht umsonst hatten die Frauen früher immer Zofen“, erklärt Rheingold. Als ich nach draußen laufe, schauen mich einige Leute neugierig an und ich merke, wie sich meine Haltung verändert: „So ein Kleid macht unheimlich viel dafür, sehr weiblich auszusehen“, so Rheingold. Verkleidet fühle ich mich nicht wirklich, eher zurückversetzt in eine andere Zeit. Jetzt fehlt nur noch der Ritter auf dem Pferd und los geht’s. Ich komme dann im nächsten Jahr zurück. Zum nächsten Siegfriedspektakel in Xanten.
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