Was zapft Heinrich Heine?

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Auch im Weine ist nicht immer Wahrheit...
Heinrich Heine schrieb 1827:

"Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch." -

Der Jude Heine hatte sich kurz vorher taufen und in die protestantische Kirche aufnehmen lassen. Er hoffte dadurch seine Berufschancen zu verbessern. Für die Kreise worin er verkehrte, wäre die Aufnahme in die römisch katholische Kirche nicht zum Vorteil gewesen. Die Taufe als „Eintrittskarte“ für die Gesellschaft hat ihm aber nur bedingt Gewinn gebracht. Für seinen vielzitierten Sinnspruch verwendet er die Luther-Übersetzung van Matthäus 5:29-30. Dort wird das „sich Ärgern“ verstanden als „zum Bösen verführen“. In dieser tiefen Bedeutung wäre der Spruch: „Wenn die Vernunft zum Bösen verführt, dann werde katholisch“.

Solche Deutung hatte Heine wohl nicht im Sinn. Er stellt Katholiken und diejenigen die ihre Vernunft „entfernt“ haben gleich. Bloße Statisten in irgendeinem Spiel, den Regieanweisungen folgen, ohne den Sinn des Ganzen zu verstehen. Solche Menschen und Gruppen gab es und gibt es und Heine wird diese stellvertretend für die ganze römisch-katholische Kirche mit Abscheu betrachtet haben. Er teilte dieses herunterschauen auf Mitmenschen mit anderen. So war zum Beispiel die Mutter von Edith Stein, jüdischer Religion wie Heine, entsetzt als ihre Tochter ihr erklärte, sie habe sich taufen lassen und sei in die Katholische Kirche aufgenommen worden. Ihre Mutter kannte nur solche die sich auf den Knien hinterm Pfarrer her bewegten und Edith hatte große Schwierigkeiten ihr klar zu machen, dass es auch Kultivierte gibt.

Wir hören hier den Dünkel der Gebildeten heraus, eine Abscheu gegen diejenigen die einfältigen Herzens, ja sogar wirklich einfältig sind.
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1 Kommentar
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 05.06.2013 | 18:59  
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