Wie aus Fremden Familien werden

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Gemeinsam in eine Richtung unterwegs –das gilt für das „Betreute Wohnen in Familien“ nicht nur für die Wohnform
 
Gelebte Inklusion - Die Gastfamilie Kalus mit ihrem „Familienmitglied“ und einem Mitglied des BWF-Teams blickt bereits auf eine mehrjährige positive Wohnerfahrung zurück

Das ambulante Wohn- und Betreuungsangebot (Betreutes Wohnen in Familien, BWF) für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen der LVR-Klinik Bedburg-Hau blickt in diesem Jahr auf seine erfolgreiche 20-jährige Arbeit zurück.

Während dieser Zeit hat die psychiatrische Familienpflege und das BWF rund 200 chronisch psychisch kranken Menschen eine alternative Wohnmöglichkeit zur klassischen Heimunterbringung geboten. Aktuell werden 70 Personen in Gastfamilien im gesamten Kreis Kleve betreut. Durch diese Lebensform sind vielfach Freundschaften und langjährige familienähnliche Beziehungen entstanden.

Betreutes Wohnen in Familien war und ist bis heute eine gelebte Form der Inklusion. Menschen mit seelischen Erkrankungen nehmen bei dieser Wohnform ganzheitlich und individuell am gesellschaftlichen Leben teil. Neben dem Wohnen in den Gastfamilien gehen die Klienten des BWF und der Familienpflege tagsüber den unterschiedlichsten Aufgaben und Beschäftigungen nach oder erhalten eine Tagesstruktur durch die Gastfamilie. Während einige einer regulären Arbeit nachgehen, eine Aus- oder Schulbildung machen, besuchen die meisten Klientinnen und Klienten eine Werkstatt für Behinderte. Einige besuchen auch eine Tagesstätte der LVR-Klinik oder nehmen an berufsvorbereiteten Maßnahmen teil. Die familienähnliche Wohnform ist für diese Klienten ideal, weil sie einerseits nicht den Betreuungsumfang des stationären Wohnens benötigen, andererseits aber überfordert wären alleine zu leben. „Wir haben vor nunmehr 20 Jahren gemerkt, dass es stationär untergebrachte Patientinnen und Patienten gab, die zwar mit einer eigenen Wohnung überfordert gewesen wären, aber durchaus –mit der entsprechenden Unterstützung– nicht in unserer Klinik dauerhaft wohnen mussten,“ erklärt Karl-Peter Röhl, Leiter der Sozialen Rehabilitation die Anfänge des inzwischen bewährten Betreuungsangebotes der LVR-Klinik Bedburg-Hau. „Dabei spielte weder das Alter noch die psychiatrische Diagnose eine Rolle“, so Röhl. Das Zusammenleben zwischen Gastfamilie und Klient und die fachliche Unterstützung durch die Mitglieder des BWF-Teams bieten den benötigten Schutz und Halt, den die Klienten zur Weiterentwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit benötigen. Außerdem fördert das Leben innerhalb einer Familie die Wahrnehmung eigener Interessen und das Erlernen sozialer Fähigkeiten und das Aufrechterhalten von Kontakten. Jedes Wohnmitglied bringt sich nach seinen Fähigkeiten dabei in das Familienleben mit ein. Die Gastfamilien sind ihrerseits bereit, die Klienten als neue Mitglieder ihrer Familiengemeinschaft aufzunehmen und zu akzeptieren. Sie stellen den Klienten ein eigenes Zimmer zur Verfügung und bieten ihm damit eine geeignete Rückzugsmöglichkeit. Die Mitglieder der Gastfamilie brauchen keine pädagogische Ausbildung oder besondere Vorkenntnisse. Von Anfang an notwendig ist aber die fachliche Unterstützung durch das professionelle Personal des BWF-Teams. Krankenpflegekräfte, Diplom-Psychologe und Diplom-Sozialarbeiter begleiten individuell, je nach Bedarf, die Gastfamilien und die Klienten. Die Gastfamilien, -deren Größe ebenfalls variiert-, erhält eine monatliche Aufwandsentschädigung. Allerdings steht bei den interessierten Gastfamilien eher das soziale Engagement im Vordergrund als der finanzielle Anreiz. Die Wohnform in Gastfamilien ist eine gelungene Ergänzung zu dem differenzierten ambulanten, teilstationären und stationären Behandlungs- und Betreuungsangebot der LVR-Klinik Bedburg-Hau, stellt eine enorme Verbesserung der psychiatrischen Betreuung da und ist als Angebot unverzichtbar. Es kann auch als eine gelungene Umsetzung der von der UN-Behindertenrechtskonvention geforderten Inklusion verstanden werden.
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