Ein Bild - Eine Geschichte

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Eisprinzessin/

Sehnsüchtig schaute Roland durch die dicken Gitterstäbe aus Eis hinaus in die Freiheit. Die letzten Sonnenstrahlen brachen sich im Eis und ließen es zart und zerbrechlich erscheinen. Doch Roland wusste es besser. Sie waren so hart wie Eisen und ließen sich weder durch Wärme noch durch rohe Gewalt zerstören. Sein erster und einziger Ausbruchversuch lag nun drei Tage zurück und noch immer schmerzten seine Rippen und sein Gesicht, wo ihn die Schläge der Wächter getroffen hatten, als sie seine Bemühungen bemerkt hatten. Er machte sich nichts vor, er kannte das Schicksal, das ihn erwartete. Es stand die Todesstrafe auf Wilderei in den Fischteichen der Prinzessin, die Nordland nun schon seit einer Generation in ihrer eisigen Faust hielt. Es hieß, ihr Herz sei so kalt wie der tiefste Winter im Eisgebirge. Sie kannte weder Mitleid noch Liebe und auch wenn sie zurückgezogen in ihrem Eispalast am Fuße des Eisgebirges lebte, schien sie doch über jede Kleinigkeit bescheid zu wissen.
Roland seufzte. Er hatte nicht mal mehr Zeit gehabt, den Fisch zu verspeisen, den er aus dem Teich gezogen hatte, bevor die Wächter ihn geschnappt hatten. Und von der dünnen Suppe, die es einmal am Tag gab, wurde man nur noch hungriger. Wieder schaute er durch das vergitterte Fenster. Warum lebte er noch? Die Todesurteile wurden immer sofort vollstreckt. Was hatte die Eisprinzessin nur mit ihm vor?...
www.sabine-kalkowski-schriftsteller.de
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