Ein Bild - Eine Geschichte

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Frühlingssehnsucht

Traurig blickte Frieda auf die mit Eis überzogenen Knospen hinab. Der Winter war noch einmal über Nacht zurückgekehrt und hatte das aufblühende Leben im Keim erstickt.
Es raschelt und knackte im Gebüsch hinter ihr. Frieda wirbelte herum und sah gerade noch ein Kaninchen im Dickicht verschwinden.
„Na, du hast wohl auch gedacht, dass der Winter endlich vorbei ist“, stellte Frieda fest und schüttelte dann niedergeschlagen den Kopf.
„Im Frühling bin ich wieder da!“, hatte ihre Mutter versprochen, als sie sich im Herbst auf den Weg nach Süden gemacht hatte. Seitdem hatte Frieda nichts mehr von ihr gehört. Sie wartete sehnsüchtig auf den Frühling. Die Vorräte waren fast aufgebraucht, die Felder mussten bestellt werden, wenn sie nächsten Winter nicht hungern wollte. Aber alleine würde sie es nicht schaffen. Sie wusste nicht, wohin ihre Mutter jeden Herbst verschwand. Sie hatte ihre Mutter oft gefragt, aber nie eine Antwort erhalten. Wohin sie auch immer ging, es tat ihr gut. Sie sah immer gesund und jung aus, wenn sie eines Tages im Frühling lachend in der Tür stand. So wie der Frühling selbst. Frieda seufzte erneut und warf einen letzten Blick auf den Weg, den ihre Mutter im Herbst genommen hatte. War da nicht ganz weit hinten eine schmale Gestalt?...
www.sabine-kalkowski-schriftsteller.de

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