Dornröschen wird wachgeküsst - Mitmachen erwünscht: „Verkehrte Wald“ im Rechener Park

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Alte Bäume und junge Kunstschaffende treffen sich im Rechener Park: Die Stadtverwalter (v.l.) Veronika Zoller, Miriam Peter, Peter Kaufung, Nicola Henning, Carsten Hensing, Giampiero Piria. Foto: Stadtverwalter (Foto: Stadtverwalter)
Ein „Dornröschen“ wird wachgeküsst: In einen Kunst-Wald soll sich der Rechener Park am 23. und 24. Juni verwandeln - jedenfalls dann, wenn es nach dem Willen der „Stadtverwalter“ geht. Jetzt ist der Verein auf der Suche nach Künstlern, Musikern, Schauspielern oder Literaten, die mitmachen wollen und ein Wochenende lang „Verkehrte Wald“ spielen wollen.

Denn tatsächlich sollen bei dieser Kunst- und Kulturaktion nicht nur Naturgesetze, sondern auch Vorstellungen von Konventionen, Normalität und sozialem Miteinander „verkehrt“ werden. Besucher, die am 23. und 24. Juni den Park betreten, sollen auf die unterschiedlichsten Abnormitäten und Überraschungen stoßen können - etwa auf optische Täuschungen, Klangirritationen, kuriose Gestalten oder absurde Situationen.

„Die Projekte sollen die Besucher verwundern und verwirren, den Park verfremden oder ad absurdum führen“, macht Nicola Henning von den „Stadtverwaltern“ deutlich. Das Projekt richtet sich ausdrücklich an alle Menschen mit kreativen Ideen - nicht nur an etablierte Künstler.

Projektideen können bis zum 29. Februar eingereicht werden. Eine Jury entscheidet dann im März darüber. Ganz wichtig dabei: Die Projekte sollen mit dem Park, seiner Funktion und seiner Ästhetik spielen. „Wir wissen ja selber noch nicht, was auf uns zukommt“, ist auch Nicola Henning gespannt: „Ein paar Leute, die bei der ‚Wohntunnelwelt‘ dabei waren, haben schon signalisiert, dass sie gerne mitmachen wollen und auch eine Frauentheatergruppe hat Interesse angemeldet.“ Auch eine Anfrage, ob man auch nachts was machen könnte, gab es schon. „Alles ist möglich, solange es diesen Verfremdungs-Gedanken aufgreift.“

Für die „Stadtverwalter“ ist der „Verkehrte Wald“ bereits der zweite Streich. Schon im letzten Jahr haben sie bei der „Wohntunnelwelt“ mit den kreativen Projekten zahlreicher Künstler aus Bochum und Umgebung den Fußgängertunnel zwischen Hermannshöhe und Kreuzstraße verwandelt. „Die Erfahrungen, die wir daraus mitgenommen haben, waren nur positiv, sowohl was die Reaktionen der Besucher als auch die der Beteiligten betrifft“, berichtet Nicola Henning. „Sonst hätten wir uns auch nicht direkt als zweites Projekt den Park vorgenommen.“

Der Verein hat sich anlässlich der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 gegründet und verfolgt die Idee der Zwischennutzungs-Projekte: Leerstehende Flächen und Gebäude im öffentlichen Raum sollen künstlerisch zwischen- oder umgenutzt werden. Die Gruppe trifft sich monatlich an wechselnden Orten im öffentlichen Raum - „und einmal war auch der Rechener Park an der Reihe“, erinnert sich Nicola Henning. „Schon damals kam die Idee auf, diesen Park zu bespielen.“ Eine Idee, die jedoch erst einmal wieder auf Eis gelegt wurde - zugunsten des „Wohntunnels“. Denn der ist nicht nur in seiner Größe überschaubarer als der Wald, hat mehr „Laufpublikum“ und den nicht zu unterschätzenden Vorteil eines Dachs. „Jeder, der sich Gedanken über ein Projekt für den Rechener Park macht, sollte sich dessen bewusst sein,dass es auch regnen könnte.“

Ebenso wie der Tunnel ein „Un-Ort“ inmitten des belebten Bermuda-Dreiecks ist, so ist auch der Rechener Park ein eher vergessenes Fleckchen Grün mitten im boomenden Ehrenfeld: Was früher ein beliebtes Ausflugsziel war, wird heute in erster Linie von Joggern und Hundebesitzern frequentiert - dabei liegt der Park unmittelbar an der Königsallee, nicht weit vom Schauspielhaus entfernt.

Weiterführende Informationen gibt es auf der Homepage unter www.stadtverwalter.org.
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