Man muss nur trunken sein... Thomas Anzenhofer schlüpft bei seinen Weinlesungen in die Rolle des literarischen Erntehelfers

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Texte von Diogenes bis Droste, von Goethe bis Baudelaire trägt Thomas Anzenhofer bei seinen Weinlesungen vor.
 
Nicht wie Diogenes im, aber einer Weinlesung angemessen am Weinfass liest und trinkt Thomas Anzenhofer wie hier in der Bodegas Rioja bei seinem literarischen Exkurs in die Welt des Rebensaftes.

Ein großer Weinkenner ist er nach eigener Aussage zwar nicht, dafür ein großer Weintrinker und weil der Mensch ohne Wein für Thomas Anzenhofer nicht vorstellbar ist, hat er sich auch auf literarischem Weg dem Rebensaft genähert.

Herausgekommen ist eine Weinverkostung der ganz besonderen Art. Schauspieler Thomas Anzenhofer in der Rolle des „literarischen Erntehelfers“ hat eine Vielzahl „fassgelagerter Experten“ und deren Weisheiten zum Thema Wein zusammengetragen. Und wo sonst als inmitten erlesener Weine böte es sich besser an, die literarischen Ergüsse vorzutragen.
„Ich dachte mir, ich tingle durch die Weinläden der Republik, lerne tolle Menschen und tolle Weine kennen und werde vielleicht in Naturalien bezahlt – das Konzept ist voll aufgegangen“, verrät Thomas Anzenhofer seinen Zuhörern augenzwinkernd.
Die sitzen, dem Anlass angemessen, mit einem Glas der Edelreben in der Hand in einer Weinhandlung und amüsieren sich ob der genial vorgetragenen Reise durch die Welt des Genusses und Rausches.
Anzenhofer führt sein Publikum von der Antike bis in die Moderne, lässt die Weininteressierten an der wissenschaftlichen Behauptung teilhaben, der Mensch sei nur deshalb sesshaft geworden, um Wein anzubauen, dass Diogenes liebste Weine die waren, die andere bezahlen, und dass ein Mensch, der nur Wasser trinkt, ein Geheimnis in sich trägt.
Pech, Harz und Meerwasser zum Zwecke der besseren Haltbarkeit mögen dem Wein im Mittelalter geschmacklich eher abträglich gewesen sein, dem Ulmer Münster dagegen verhalf das edle Nass zu besserer Standfestigkeit. Denn beim Bau des Kirchenhauses soll Wein zum Anrühren des Mörtels verwendet worden sein. „Wer wie ich aus dieser Stadt kommt, kann nur sagen, dass das eine völlig angemessene Verwendung war.“
So geht es weiter durch Zeiten, Länder und Kulturen. Und Anzenhofer lässt nichts aus: Er rezitiert Sequenzen des „weingeborenen“ Dichterfürsten Goethe, unternimmt selbstverständlich einen größeren Abstecher nach Frankreich („was dort nicht von Gerard Depardieu weggeschluckt wird, bleibt im Lande“), erzählt launig über seine Erfahrungen beim Weinkauf sowie die Weine in den USA („das Kabinett des Grauens“) und lässt den Google-Übersetzer bei den recht eigentümlichen Beschreibungen von Weinen in einem Budapester Restaurant hochleben.
Er beschwert sich über das Chaos spätrömischer Dekadenz in Italien und den neuen Hang zum Bierkonsum, lässt auch am „Weinpapst“ Robert Parker kein gutes Haar und erfreut seine Zuhörer mit der durch Alfred Biolek nach Deutschland gebrachten Legitimation des Weintrinkens. Schließlich hat sich dieser in seinen Kochsendungen jeden Freitag „glamourös betrunken hat“. Dass Betrachtungen von Wein und Religion nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst und auch der „Öko-Veggie-Terror“ bekommt seinen Raum. Denn dass Weinetiketten theoretisch essbar sein können, missfällt dem Weinliebhaber so ganz und gar: „Weinetiketten essen möchte ich nicht – nicht einmal theoretisch.“
Fazit: Wer ihn noch nicht gesehen hat, den liebevoll-satirischen Streifzug durch die Historie des Weines, Augen und Ohren auf – die nächste Lesung kommt bestimmt, „man muss nur trunken sein“.
Die nächste Gelegenheit für die außergewöhnliche Weinreise bietet sich am Freitag, 21. August, in der Bodegas Rioja, Lennershofstraße 156. Beginn ist um 20 Uhr. Keine Frage, dass sich ein Kommen auch schon vorher lohnt, um sich mit einer Auswahl spanischer Rebensäfte auf den Abend einzustimmen. Inhaber Andreas Kraemer wird mit Sicherheit für gute Tropfen sorgen und seine Gäste an diesem Abend bei schönem Wetter im Innenhof der Bodegas zur Lesung empfangen.
Verbindliche Reservierung ist erforderlich unter Tel.: 97 895 67 oder per E-Mail an info@bodegas-rioja.de.
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