Schillers "Don Karlos" feiert am 7. November am Schauspielhaus Premiere

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Regisseur Jan Neumann ist in Bochum kein Unbekannter. In den Kammerspielen waren seine Inszenierungen „Bunbury“ und „Die Ehe der Maria Braun“ zu sehen. Nun bringt er erstmals ein Stück auf die Bühne des Großen Hauses. „Die Arbeit dort bewirkt ein ganz anderes Verhältnis von Nähe und Ferne“, erklärt der Theatermann.
Zur Aufführung kommt Schillers „Don Karlos. Infant von Spanien“ – keine leicht Aufgabe, allein weil das Drama ungewöhnlich umfangreich ist. „Wir erstellen eine Strichfassung, um am Ende auf eine Aufführungsdauer von etwa dreieinhalb Stunden zu kommen“, erläutert Dramaturgin Kekke Schmidt das Vorgehen.
Neumann sagt zu diesem Thema: „Die Aufführung eines so komplexen Schauspiels darf seine Zeit brauchen.“ Die Vielschichtigkeit gerade dieses Dramas lässt sich an verschiedenen Merkmalen festmachen. „Es gibt sehr viele Hauptfiguren“, gibt Neumann ein Beispiel.
Schmidt ergänzt: „Eine Liebestragödie und das, was wir heute als Politthriller bezeichnen, sind hier kunstvoll verwoben.“
Für die schwierige Aufgabe bringen Neumann und Schmidt den nötigen Enthusiasmus mit. „Mein Verhältnis zum Stück ist eine Liebesgeschichte“, verrät Neumann.
Das hat Auswirkungen auf die Arbeit mit dem Text. Schmidt betont: „Bei allen notwendigen Kürzungen waren wir nicht bereit, ganze Handlungsstränge herauszunehmen.“
Ein weiterer Punkt ist Neumann wichtig: „Schillers Sprache ist keine Alltagssprache. Das wollen wir so belassen.“
Inhaltlich geht es darum, was Machtmechanismen mit Menschen machen. „Da kann man sich durchaus an die Fernsehserie ´House of Cards´ erinnert fühlen“, sagt Neumann.
„Der Zwiespalt, ob man sich dem egoistischen Liebessehnen hingeben soll oder Zeit und Energie lieber auf politisches Engagement verwendet, ist auch heute aktuell, wahrscheinlich sogar zeitlos“, steckt Neumann ab, was für das heutige Publikum als Bezugspunkt dienen kann.
Die Kostüme seien allerdings – zumindest auf den ersten Blick – nicht modern, verrät Schmidt. „Die Silhouette ist historisch: Wir werden also durchaus Reifröcke sehen“, füllt Neumann diese Ankündigung mit Leben. Schließlich, so erinnern die beiden, sei die im Drama dargestellte Zeit der (späten) Reformation auch für Schiller schon Geschichte gewesen.
„Die Kostüme weisen jedoch bei genauem Hinsehen auch Merkmale der Haute Couture auf, die ja gern mit Elementen der Modegeschichte spielt“, relativiert Neumann. Auch das Bühnenbild balanciere historische und moderne Elemente aus. „Die Musik ist allerdings eher modern“, gibt Schmidt einen weiteren Vorgeschmack.
Was wünscht sich das Regieteam von seinem Publikum? „Natürlich schadet es nicht, das Drama gelesen zu haben. Es reicht aber auch völlig aus, sich sinnlich berühren zu lassen“, beruhigt Neumann.
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