„Seid umschlungen“ - Triennale-Intendant Johan Simons knüpft an den Gründer Mortier an

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Zwischen Industriekulisse und historischen Jahrmarktsfahrgeschäften präsentierte das künstlerische Team um Triennale-Intendant Johan Simons sein Programm für die Spielzeit 2015. (Foto: Glaga)
 
„Nicht alle müssen einverstanden sein mit uns.“ Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale (Foto: Glaga)

„Seid umschlungen!“ Johan Simons Leitmotiv für seine Intendanz der Ruhrtriennale 2015 - 2017 ist eine Geste der Umarmung – sowohl künstlerisch, als auch gesellschaftlich und geographisch. Die Triennale will Verbindungen schaffen – von den Künstlern und ihren Arbeiten zur Region und ihren Menschen.

Daher hatte der Ort der Programm-Pressekonferenz durchaus Symbolcharakter: In der Jahrhunderthalle, inmitten der knallbunten Fahrgeschäfte des historischen Jahrmarkts, präsentierten Johan Simons und sein Dramaturgen-Team die Pläne für die erste Spielzeit unter der Leitung des Niederländers. „Die Triennale schottet sich nicht ab, sondern arbeitet mit dem, was sie vorfindet“, macht Lukas Crepaz, Geschäftsführer der veranstaltenden „Kultur Ruhr“ deutlich. So steht dann Hochkultur einträchtig neben Kulturhistorie.
Johan Simons warnt gleich zu Beginn: Das „Seid umschlungen“, jene Zeile aus Schillers „Ode an die Freude“, könne auch als Umklammerungsversuch verstanden werden: „Die Ruhrtriennale darf nicht nur freundlich, sondern auch mal beklemmend und unangenehm sein. Wir müssen die Komfortzone verlassen.“
Die Ruhrtriennale, die vom 14. August bis zum 26. September läuft, startet in diesem Jahr erstmals in der Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg in Dinslaken, gleichzeitig ein neuer Spielort auf der Triennale-Landkarte. Hier ist am 15. August die Oper „Accatone“ nach dem gleichnamigen Film von Pasolini und zu Musik von Bach zu sehen.
Die Inszenierung von Johan Simons ist ein programmatischer Auftakt, denn die Kreationen rücken wieder in den Mittelpunkt des Programms – gemeint sind spartenübergreifende Produktionen aus Musik, Theater, Tanz oder Installation, bei denen auch die Indus­triehallen selbst zu Akteuren werden. Mit diesem Konzept bezieht sich Simons ganz explizit auf Gerard Mortier, den Gründungsintendanten der Ruhrtriennale. Auch Wagners „Rheingold“, das Simons am 12. September in der Jahrhunderthalle inszeniert, sprengt die Grenzen einer klassischen Opernproduktion.
Unter der Federführung von Simons kehrt auch das Schauspiel zurück zur Ruhrtriennale: Gleich drei Produktionen bringen große europäische Romanstoffe auf die Bühne. Regisseur Luc Perceval widmet sich dabei Emile Zolas zwanzigbändigen Romanzyklus „Die Rougon-Macquart“ und extrahiert daraus eine Trilogie, deren erster Teil „Liebe“ in dieser Spielzeit gezeigt wird und deren weitere Teile in den nächsten beiden Jahren folgen. Eine Klammer, die alle drei Festival-Spielzeiten umschließt – so wie das Leitmotiv der Umarmung.

Der Kartenvorverkauf hat am Montag begonnen. Tickets gibt es unter Tel.: 0221/280210 oder online unter www.ruhrtriennale.de.

Triennale in Bochum

„Das Rheingold“, Regie: Johan Simons (12. - 26. September)
„Ich elender Mensch / Ich hatte viel Bekümmernis“, Konzert mit Werken von Bach (16. und 21 August)
„Ritournelle“ - ein Abend der elektronischen Musik von Stockhausen bis „The Notwist“ (15. August)
„The Good, the Bad and the Ugly“, Installation von Atelier Van Lieshout (15. August bis 26. September)
Werkstattgespräche (16., 23., 30. August, 13. u nd 20. September)
ZEIT-Forum Kultur (6. September)
80 Jahre Terry Riley, Konzert (23. August)
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