Ärger für die Deutsche Annington in Weitmar

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Rappelvoll war der Matthäussaal in BO-Weitmar bei der gemeinsamen Mieterversammlung der ortsansässigen Mieter-Ini mit dem Bochumer Mieterverein. Foto: Aichard Hoffmann
Bochum: Mieterverein Bochum e. V. |

Der Matthäussaal in Weitmar-Mitte ist zum Glück sehr groß. Er konnte die rund 120 Mieterinnen und Mieter der Deutschen Annington aus dem angrenzenden Bärendorf mühelos fassen, die vor den Pfingstfeiertagen dem Aufruf der Initiative „Mieter contra Annington - Bochum“ und des Mietervereins gefolgt waren. Es war die erste Mieterversammlung in diesem Ortsteil. Die Initiative arbeitet allerdings schon ein Jahr.


Und hat einiges geleistet in dieser Zeit. In einer flächendeckenden Fragebogenaktion unter 1500 Haushalten an der Langen Malterse, der Weitmarer-, Bärendorfer-, Knob- und Kaulbachstraße hatten sie im Herbst die zahlreichen Beschwerden ihrer Nachbarinnen und Nachbarn gesammelt, ausgewertet, akribisch aufgelistet und mit Hilfe der Mietervereinsjuristen rechtlich bewertet. Sven Feniger, einer der Aktiven in der Initiative, erstattete der Versammlung genauen Bericht (siehe Bild).

Viele der Beschwerden bezogen sich nicht auf Mängel im mietrechtlichen Sinne, sondern auf ein allgemeines Bild der Vernachlässigung: Mangelhafte Grünpflege, holprige Wege, undichte und verstopfte Dachrinnen, klemmende Briefkästen, ewig nicht gestrichene Fassaden und Treppenhäuser waren die häufigsten Beschwerden, aber auch bröckelnde Balkone und Schimmel in den Wohnungen, die weitaus schwerer wiegen.

Deshalb hatten Mieterinitiative und Mieterverein gemeinsam mit Vertretern der Deutschen Annington zwei Tage zuvor eine Rundgang durch die Siedlung gemacht, bei dem der Zustand in Augenschein genommen und die Mieterbeschwerden vorgestellt wurden. Michael Wenzel, Geschäftsführer des Mietervereins, berichtete allerdings sehr ernüchtert von diesem Termin: „Es war, als kämem da drei Stück Seife, die gut angefeuchtet waren - nicht zu packen. Natürlich niemand aus der Chefetage, sondern mittleres Vor-Ort-Management." Das ginge ausdrücklich nicht gegen die Mitarbeiter, die lediglich die Vorgaben der Chefetage umsetzen müssten und einem fast leid tun könnten. Handfestes kam daher nicht sehr viel bei dem Termin heraus:

• Tatsächliche Wohnungsmängel würden selbstverständlich beseitigt, sobald sie von den Mietern angezeigt würden.

• Für frische Farbe, die es einfach mal wieder ein bisschen netter macht, sei kein Geld da. Die Mittel seien begrenzt.

• An den Grünflächen könne man jetzt in der Brutzeit nichts tun.

• Und wenn die Mieter eine richtige Modernisierung wünschten (deren Kosten auf die Miete umgelegt werden kann), wolle man das gerne einmal durchkalkulieren.

Die Mieterinitiative hatte sich nach einer ebenfalls sehr gut besuchten Informationsveranstaltung des Mietervereins vor einem Jahr in der VHS gebildet (wir berichteten) und wird seither von ihm massiv unterstützt. Jetzt hatte sie das Bedürfnis, sich demokratisch legitimieren zu lassen. Bei dem großen Beifall, den Claudia Grünwald, Thorsten König, Stefan Krolikowski, Sven Feniger und Brigitte Kollberg für ihre bisherige Arbeit bekommen hatte, war es kein Wunder, dass sie ohne Gegenstimmen bei nur zwei Enthaltungen zum offiziellen Mieterrat der Siedlung gewählt wurden.

Anschließend hatten die versammelten Mieter noch Gelegenheit, ihre aktuellen Probleme mit Anna Decker, die für Weitmar zuständige Rechtsberaterin des Mietervereins zu klären. Und das waren natürlich die gleichen wie überall in Bochum: Die neuen Fernsehkabel, die Hausmeister und die aktuellen Mieterhöhungen.

Vom Annington-Mieterrat Weitmar wird man in Zukunft ganz sicher noch mehr hören.
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1 Kommentar
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Christoph Nitsch aus Bochum | 23.05.2013 | 13:43  
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