Opel: Belegschaft ab Mittwoch freigestellt

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Der letzte Opel aus Laerer Produktion. Dieser Zafira Tourer war der finale Wagen auf dem Bochumer Band.
 
Eines der Gebäude am Tor 4: Hier werden die Abrissarbeiten beginnen.

„Ist der Ruf erst ruiniert...“ Der Opel-Konzern hätte das Bochumer Werk am liebsten stillschweigend abgewickelt. Diese „Mauertaktik“ verfolgte der Automobilbauer so stringent, dass es letztlich zu mehreren Affronts kam, am Ende von 52 Jahren an diesem Ort.

Los gings mit der Jubilarehrung für langgediente Mitarbeiter am vergangenen Samstag. Einen Tag nach Bandablauf des letzten Wagens aus hiesiger Produktion - das absolute Gegenteil einer feinfühligen Terminierung. Hervorgerufen auch durch die zuvor längere Weigerung des Hauses, die Mitarbeiter für ihre 25- und 40jährige Tätigkeit überhaupt zu ehren.
Es war eine gepflegte Tradition, dass Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz alljährlich zu dieser Veranstaltung kam, um auch im Namen der Stadt zu gratulieren und zu danken. „Ich bekam keine Einladung, Opel wollte es nicht. Ich betrachte dies schon als Affront gegenüber der ersten Bürgerin dieser Stadt und damit gegenüber allen Menschen in Bochum und der Region, die dieses Unternehmen und seine Belegschaft begleitet haben“, schrieb Scholz an den Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel.

Abbruch beginnt am Tor 4 von Werk I



Einenkel hatte die Presse am Montag letztmalig eingeladen, vorangegangen war die finale Betriebsversammlung. Ort der Veranstaltung: das Tor 4 von Werk I, unter dem Vordach. „Im Werk durften wir sie leider nicht empfangen, das Unternehmen hat für alle Pressevertreter ein striktes Zutrittsverbot verhängt“, beschreibt Einenkel die Auswirkungen der „Mauertaktik“. Auch ein zugesagtes Bild vom letzten Zafira Tourer blieb aus.
Der Ort des letzten öffentlichen Termins wird auch jene Stelle sein, wo ab 2. Januar die ersten Abrissbagger anrollen. „Im Bereich der Lackiererei werden die größten Belastungen des Bodens vermutet, daher wird dort mit dem Abbruch begonnen“, sagt Einenkel.
Zuvor waren rund 2500 der verbliebenen 3000 Opelaner (in Spitzenzeiten Mitte der 1980er Jahre arbeiteten mehr als 20.000 Menschen in den drei Werken) ins Presswerk zum letzten Treff gekommen. Schon ab heute sind die allermeisten von ihnen freigestellt, lediglich eine Rumpfmannschaft von 150 Mann erledigt Aufräum- und Abbauarbeiten. Von den 140 Auszubildenden lernen 40 im Januar 2015 aus, die anderen 100 jungen Frauen und Männer sollen in Kooperation mit dem TÜV Nord in der sogenannten „Lernfabrik“ ihre Ausbildung beenden können.
„Wir hätten nicht damit gerechnet, dass noch einmal so viele Kollegen kommen. Wer erwartungsgemäß nicht kam, war der Vorstand. Da fehlt es an Mut, auch einmal Pfiffe auszuhalten“, kritisiert Einenkel. Nachsatz: „Vermisst hat die Herren allerdings auch keiner...“
Einenkel thematisiert noch einmal die Belegschaftsversammlung vom März 2013. Damals sollte das Werk seinem eingenen Aus zustimmen. Der vorgelegte Tarifvertrag sah die Werksschließung für 2016 vor. „Es gab allerdings keine Zusicherung, dass die Produktion des Zafira über 2014 hinaus hier bleibt. Opel hatte sich eine einseitige Ausstiegsklausel ausbedungen. Der damals gerade neu installierte Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann beharrte darauf“, blickt Einenkel zurück. Gegen den Rat der IG Metall-NRW – deren Solidarität man ebenso vermisste wie die Rückenstärkung durch andere Opel-Standorte – lehnten 76 Prozent der Belegschaft den Vertrag und die Schließung ab.

Ohne Widerstand ein noch früheres Ende



Einenkel bekräftigt nochmals: „Wir haben Widerstand geleistet und wir waren stur! Und ich bin davon überzeugt: Ohne diese Haltung hätten wir es nicht mehrmals seit 2004 geschafft, das Ende herauszuzögern.“
Solidarität gab es von anderer Seite. Als die Unternehmensführung im März 2013 das geplante Fest zum 50jährigen Bestehen des Werks Bochum absagte, richtete die Stadt gemeinsam mit vielen Verbänden, Organisationen, Kirchen und Künstlern das Familienfest aus. Mehr als 20.000 Menschen kamen und demonstrierten ihre Verbundenheit.
„Am Montag letzter Woche klingelte mein Telefon. `Hallo, hier ist Grönemeyer. Was kann ich für euch tun?`, lautete die Frage. Wir freuen uns sehr, dass Herbert Grönemeyer sich mit einem Konzert für die Bochumer Opelaner einsetzt“, schildert Rainer Einenkel.
Am kommenden Freitag, 12. Dezember, wird schließlich vor dem Landgericht Darmstadt die Klage „Einenkel gegen die Adam Opel AG" verhandelt. Hier soll die Frage geklärt werden, ob der Schließungsbeschluss für Bochum juristisch einwandfrei ist. Auf die Frage, warum die IG Metall sich hier nicht an die Seite Einenkels stellt, sagt dieser nur: „Das müssten sie die Gewerkschaft fragen...“

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Volker Dau aus Bochum | 10.12.2014 | 20:20  
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