Karate: Kein Talent-Kader ohne deutsche Staatsbürgerschaft

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Wenn Integration mit Füßen getreten wird: Sofia Herari hofft auf eine Wiederaufnahme in den Talent-Kader.

Sie verzeichnet einen Erfolg nach dem anderen und trainiert in jeder freien Minute im Bochumer Sportzentrum in Linden: Die zwölfjährige Sofia Herari hat die Sportart Karate für sich entdeckt und wurde jüngst mit einer Aufnahme in den Talent-Kader des Deutschen Karate Verbandes belohnt.

Doch nach der frohen Botschaft kam direkt die Ernüchterung. Die Einwanderungsbehörde machte dem jungen Nachwuchstalent einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Unnötige Hürden für junges Talent


„Sofias Familie hat die deutsche Staatsbürgerschaft für alle Familienmitglieder beantragt. Doch nur ihr Vater und die jüngere Schwester haben nun einen deutschen Pass bekommen. Die Mutter, ihr älterer Bruder und sie selbst gingen leer aus. Obwohl Sofia in Deutschland geboren ist, erklärte der zuständige Sachbearbeiter, dass sie erst mit der Vollendung des 16. Lebensjahres die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten würde“, erklärt Horst Schwarz, Mitglied des Bochumer Sportzentrums. Gemeinsam mit Trainer Andreas Fichtel macht er sich für Sofia und ihr Wiederaufnahmeverfahren stark. Aktuell wurde Sofias Aufnahme in den Talent-Kader der besten 15 Karateka deutschlandweit durch den Deutschen Karate Verband abgelehnt. Ein schwacher Trost ist dabei die Aufnahme in den erweiterten Kader. „Der Nachteil gegenüber dem Talent-Kader ist, dass alle Kosten wie An- und Abfahrten sowie Unterkunft und Verpflegung – auch für die der Erziehungsberechtigten – von den Eltern getragen werden müssen. Beim Talent-Kader werden alle Kosten übernommen“, schildert Horst Schwarz die finanzielle Komponente.

Training und Finanzierung gefährdet


„Sofia wird mit Ausnahme von Fahrkosten Unterkunft und Verpflegung vom Bundestrainer unterstützt. Allerdings nur bis zu einem Alter von 14 Jahren. Ab dann kommen die Kinder in den C-Kader. Spätestens dann muss die deutsche Staatsbürgerschaft her, denn ab da geht es ohne sie nicht weiter. Das würde für Sofia klar bedeuten, dass, wenn sie die Staatsbürgerschaft erst mit dem 16. Lebensjahr bekommt, die zwei Jahre harten Trainings quasi ,umsonst´waren. Abgesehen von den Reisen und den dabei anfallenden Kosten“, so Horst Schwarz zu den Problemen, die sich durch die fehlende Staatsbürgerschaft für Sofia ergeben.
Horst Schwarz hofft gemeinsam mit Sofia und dem Bochumer Sportzentrum auf ein Einlenken seitens der Einwanderungsbehörde, um dem jungen Ausnahmetalent den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen, die maßgeblich für die Integration im gesamten Sportbereich stehen sollte.

Alles rund um das Bochumer Sportzentrum gibt es hier
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