Zauber der Erinnerung – Märchenschau hilft bei altersbedingten Handicaps

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Zauberkünstler Hartmut Höltgen-Calvero und Manuel Rittich (3.v.l.) „verzaubern“ die Bewohner des St. Marienstifts mit ihrer Show „Zauber in Venedig“. Auch Doris Stawinoga (2.v.l.), stellvertretende Pflegedienstleitung des St. Marienstifts, ist gespannt auf das Zaubermärchen.
 
Doris Stawinoga, stellvertretende Pflegedienstleiterin des St. Marienstifts in Bochum.
Gewöhnlich verblüffen der Zauberkünstler Hartmut Höltgen-Calvero und der Schauspieler Manuel Rittich die Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen mit Zaubertricks aus dem goldenen Zeitalter der 1920er Jahre. Unter dem Titel „Zauber in Venedig“ richten die beiden Bühnendarsteller ihre Kunstform nun im Salon-Zaubertheater, Maximilian-Kolbe-Straße / Ecke Humboldstraße an Senioren des benachbarten St. Marienstifts. Aber auch alle interessierten Bürger können am Freitag, 12. Februar, um 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen in die Zauberwelt abtauchen. Das selbstgeschriebene Märchen entführt die Zuschauer mit Masken und Kostümen in den venezianischen Karneval zur Zeit der Dogen und der Ära, in der Venedig ein prächtiger Stadtstaat war. Der Hofzauberer Calvero lässt auf dem Maskenball die hohe Kunst des Zauberns Wirklichkeit werden und verblüfft die Anwesenden.

Die Aufführung ist Teil des Projekts „Es war einmal … Märchen und Demenz“ des Vereins „Ein Herz für Senioren“, den Höltgen-Calvero vor sechs Jahren in Bochum ins Leben rief. Ziel des Vereins ist es, Spendeneinahmen und Fördergelder zu generieren. Damit soll Senioren mit Altershandicaps wie Demenz oder Parkinson sowohl eine Teilhabe am kulturellen Leben als auch der Besuch therapeutischer Kursen ermöglicht werden. Aus der Auseinandersetzung mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen hatte der Zauberer die Idee, den Verblüffungseffekt der Zauberei therapeutisch nutzbar zu machen und entwickelte eine Methode dafür. „Ohne zu verkindlichen und mit dem Anspruch, zwar erkrankte aber erwachsene Personen zu betreuen, wollen wir mit Märchen einen Zugang zum Langzeitgedächtnis der Menschen mit dem Handicap Demenz schaffen“, erklärt er.

Seit 2009 gibt es im St. Marienstift einen wöchentlichen Zauberkurs für die Bewohner, aber auch für interessierte Senioren aus dem Stadtteil. „Wir nutzen Alltagsgegenstände und lassen die Senioren am Trick mitwirken. Das sorgt für freudige Verblüffung. Diese positive Emotion verbinden wir mit Begriffen oder Erinnerungen“, schildert der Höltgen-Calvero. So gelinge es, das Gedächtnis anzuregen, den Ist-Zustand der Erkrankung aufzuhalten und positive Erlebnisse zu ermöglichen, die das Selbstbewusstsein der Erkrankten stärkten. Um solche Angebote zu ermöglichen und auszubauen, setze der Verein vierteljährlich auf Aufführungen wie den „Zauber in Venedig“. Auch die Märchenaufführungen rühren an die Emotionen der Senioren. Die literarischen Stoffe gehören zu den ältesten Kulturgütern unserer Zivilisation und wecken auch bei demenziell veränderten Menschen über Emotionen die Erinnerung an Kindertage.

Zur Vereinsgründung bewog den studierten Theologen der Gedanke daran, wie wenig in unserer Gesellschaft für die alten Menschen getan werde. Dabei müsse sich jeder fragen, wie er im Alter leben möchte, sagt er. Längst nicht jedes Seniorenheim sei in der Ansprache so wie das St. Marienstift. „Wir richten unsere Struktur nach den Bedürfnissen der Bewohner aus und nicht umgekehrt“, erklärt Doris Stawinoga, stellvertretende Pflegedienstleiterin der Senioreneinrichtung. Daher seien die Zauberkurse längst nicht das einzige Angebot, das den Senioren gemacht werde.

Wer die Aufführung „Zauber in Venedig“ am 12. Februar um 15 Uhr besuchen möchte, sollte sich entweder unter Tel.: 355025 oder salon-zaubertheater@gmx.de eine Karte reservieren. Karten sind nur im Vorverkauf erhältlich. Die Küche des St. Marienstifts serviert einen italienischen Kaffee- und Kuchen-Genuss, der im Eintritt enthalten ist. Weitere Informationen auf www.salon-zaubertheater.de.
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