Dreimal um die Welt - Andrea Leitner hat in 21 Monaten 37 Länder besucht

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„Wohin der Wind mich trägt“ - so könnte die Geschichte auch überschrieben werden. Denn Andrea Leitner hatte zwar eine Grob-Planung, was sie sehen und erleben wollte, ließ sich aber vor Ort auch gerne überraschen und auf neue Pfade führen. Eine ihrer Stationen war Peru, und da darf ein Besuch der alten Inkastadt Machu Picchu nicht fehlen. (Foto: Leitner)
 
Vom Schiff, das entlang der argentinischen Küste fuhr, konnte die Bottroperin eisblaue Gletscher erleben. (Foto: Leitner)

In 21 Monaten durch 37 Länder, alle Kilometer zusammengezählt mehr als dreimal um die Welt - die klassische Urlaubsreise war es wirklich nicht, von der Andrea Leitner zurück gekehrt ist.

Jakobsweg, Indien, Nepal, Malaysia, Thailand, Vietnam, China, Russland, Peru, Bolivien, Chile, ... So viele Bilder, Eindrücke, Erlebnisse und Gefühle, die es in so kurzer Zeit zu verarbeiten gab. Und irgendwann die Entscheidung: „So, das ist genug, ich brauche wieder einen Bezugsort, Bezugsmenschen.“ Und gleichzeitig: „Das ist mein Schatz.“ Als Andrea Leitner sich im März 2011 auf die Reise ihres Lebens machte, wusste sie schon vorher: „Ich werde nicht mehr so nach Hause kommen, wie ich weggegangen bin.“

Anfang 2008 hatte sie sich für fünf Jahre von ihrem Job als Pflegepädagogin beurlauben lassen. Nach Stationen in Mosambik und mehreren Monaten im südlichen Afrika stand nun Teil zwei der Reise um die Welt auf dem Plan. Der Traum innerhalb des Traums hieß dabei, sich drei Wünsche zu erfüllen: Den Jakobsweg zu gehen, eine Zeitlang in einem Schweigekloster zu leben und mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die endlosen russischen Weiten zu fahren.

Alle drei Wünsche hat sich die Bottroperin erfüllt. Der Pilgerweg war nicht beschwerlich oder besonders anstrengend, sagt Andrea Leitner: „Ich habe die Natur genossen, habe den Weg genutzt, um laufend zu mir selbst zu finden.“ Blasen an den Füßen? Keine Spur. „Von allen Sachen, die ich gemacht habe, war der Pilgerweg die beeindruckenste.“

Nicht ganz so reibungslos ging es in Indien weiter. Kein Platz in einem Schweigekloster zu finden, also erstmal rund 30 Stunden im Auto, teilweise über tief verschneite Straßen, nach Kashmir. Von wegen, in Indien ist es warm. „Dort habe ich zwei Wochen bei einer Familie gelebt. Von allen Ländern hat mich dies am meisten fasziniert.“ Dann ging es weiter nach Nepal, wo der ersehnte Platz in einem Schweigekloster frei war. Zehn Tage nicht sprechen, niemanden angucken, wenig essen, sich nur auf die Atmung konzentrieren, alles im Schneidersitz. „Zwei Männer sind schreiend rausgelaufen“, erzählt Andrea Leitner grinsend. Sie hat durchgehalten, aber: „Es war die fragwürdigste aller Aktionen.“

Der Bus gehört inzwischen zu den liebsten Fortbewegungsmitteln der Bottroperin. Andrea Leitner leidet nämlich unter Flugangst - für Weltreisende etwas unpraktisch. Ebenso scheut sie eigentlich Rolltreppen und Aufzüge. Aber auch das ist eine Erkenntnis der langen Reise: „Bestimmte Ängste sind Luxus.“ Südostasien, an einem Tag Spitzentemperaturen von 46 Grad. Ein Spinnenbiss ins Bein, die Stelle ist noch immer schwarz verfärbt. Vier Wochen Zwangsaufenthalt in Peking, da das Visum für die Weiterfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn auf sich warten ließ. „Ich habe mir alles angesehen, was es gibt.“

Und dann, endlich, die Erfüllung von Traum Nummer drei. Sechs Tage unterwegs, sechs Tage fließt jede Menge Landschaft am Zugfenster vorbei. „Nach dem ersten Tag hatte ich den ganzen Wagon für mich allein.“
Nach einem Zwischenstopp Zuhause brach schließlich der letzte Teil der großen Leitner-Reise an: Lateinamerika. „Die Zeit lief mir plötzlich quasi davon“, erinnert sie sich. Die touristischen Highlights hat sie abgeklappert und ganz am Ende erfüllte sich noch ein Wunsch, den Andrea Leitner eigentlich vorher gar nicht so auf dem Zettel hatte: Einen Gletscher ganz nah erleben, von einem Schiff vor der argentinischen Küste.

Inzwischen ist Andrea Leitner zurück in ihrer Heimatstadt, fährt morgens zur Arbeit. „Die Kollegen sind noch fast alle die selben. Schon nach einem Tag war es, als wäre ich nie weg gewesen. Gleichzeitig weiß ich, dass es kein Traum war und ich es wiederholen könnte.“ Sie freut sich über ihr schönes Auto, genießt den Garten. „Wenn ich reise, habe ich das alles nicht.“ Und doch: Die Sehnsucht nach der Ferne ist immer da. Unbekannte Orte gibt es noch genug. „Australien, Neuseeland, Grönland - das kenne ich alles noch nicht.“ Erfüllte Träume bekommen bei Andrea Leitner ziemlich schnell Nachwuchs.
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3 Kommentare
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Hans-Joerg Lack aus Bottrop | 17.05.2013 | 19:29  
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Uwe H. Sültz aus Lünen | 20.05.2013 | 14:48  
Judith Schmitz aus Bottrop | 21.05.2013 | 10:07  
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