Dinslaken Fliehburg: Was können wir tun?

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Der Förderverein organisiert ein paar Stunden Normalität im Flüchtlingsalltag: Zum Sommerfest kamen auch ehemalige Flüchtlingskinder, wie Elwedina (Mitte mit Lilo Wallerich, Vorsitzende Förderverein), die heute eine Ausbildung zur Krankenschwester macht. Über 500 Menschen aus 30 Nationen finden hier derzeit Zuflucht, Sicherheit und vielleicht auch eine neue Heimat. Fotos: cd
 
Zeichentalent Albina (l.) zeichnet Kinder, die wie sie aus ihrer Heimat fliehen mussten.
Der Förderverein Fliehburg bringt Helfer, Spender und Hilfebedürftige zusammen.

Die Niederrheiner, vor allem Niederrheinerinnen als solche sind von Hause aus eher praktisch veranlagt. Da wird nicht lang an Runden Tischen hin- und her überlegt, sondern gehandelt.


Als vor 25 Jahren Flüchtlinge aus dem Balkankrieg nach Dinslaken kamen, da fragte sich Lilo Wallerich mit den Frauen vom Flüchtlingsrat Hiesfeld: Was können WIR tun?
Dinslakens Erstaufnahmelager, die Fliehburg, war nicht auf so viele Menschen in Not eingerichtet. Eigentlich wurde ganz Europa kalt von der Brutalität und der Geschwindigkeit erwischt, mit der sich der Krieg im auseinanderfallenden Jugoslawien zuspitzte. Plötzlich waren sie dann auch hier: Mütter mit kleinen Kindern, verängstigt, verstummt und kein Wort Deutsch. Jeder Behördengang oder Arztbesuchen war angstbesetzt. „Mit Händen und Füßen haben wir uns verständigt.“, erzählt Lilo Wallerich von dieser durchaus chaotischen Zeit.

„Eigentlich war das genau so wie es heute wieder ist.“.

Kleiderspenden, Spielzeug, Hygieneartikel, Bettzeug, Kinderbetten und Kinderwagen, Materialien zum Deutsch lernen. Beim Frauentreff in der Fliehburg (damals organisiert von Edith Bruckwilder und Flüchtlingspfarrer Gerhard Greiner) bekamen sie und ihre Mitstreiterinnen schnell Kontakt zu den Flüchtlingsfamilien. Gemeinsam kochen, gemeinsam essen. Kleine Freuden im tristen Flüchtlingsalltag, Vertrauen aufbauen.

Als die Kinder in die Schule kamen: Schulsachen besorgen, ruhige Räume für die Hausaufgaben organisieren. Für Mathe-Nachhilfe wurde auch Lilos Sohn Tobias eingespannt. Der Lohn? Ein guter Schulabschluss, Abitur und Ausbildungsplätze für die fleißigen Schützlinge. Die ihre neue Heimat hier fanden.

Engagement von Menschen für Menschen

Ein Vierteljahrhundert Einsatz für menschenwürdige Unterbringung und Integration. Gemeinsame Ausflüge mit den Kindern ins Grüne. Mit Hilfe großzügiger Sponsoren war auch mal ein Kinobesuch drin - „mit Eis essen“.

Als Ratsfrau setzte sich Lilo immer wieder für nötige finanzielle Hilfen für die Fliehburg ein, wie: laufende Renovierungsarbeiten, Dach flicken, Heizung reparieren. Und das zahlt sich nun aus: Denn so gelang es bisher, dass die Fliehburg ihrer Aufgabe als Flüchtlingserstaufnahme-Lager gerecht werden konnte. Hier wurden keine „Kapazitäten abgebaut“. Unter der Trägerschaft der Caritas wurde Schritt für Schritt renoviert. Und den Menschen, die hier erst mal Zuflucht fanden und finden, die Integration im neuen Heimatland ermöglicht. Und auch professionell weitere Unterbringungs-Möglichkeiten hier aus dem Boden gestampft. Eine andere Geschichte, es bleibt aber nicht Geschichte: Denn es kommen wieder Flüchtlinge, so viele wie noch nie zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Und „Lilo und ihre Frauen“ stehen wieder ganz am Anfang. Und wieder vorn mit dabei. Und organisieren und sammeln Spenden. Es gibt jetzt einen Förderverein Fliehburg, auch mit Männern. Die Hilfsbereitschaft ist bereits groß in Dinslaken und Umgebung. Der neue Verein bringt jetzt Helfer und Hilfsbedürftige sinnvoll zusammen. Aus der „alten Truppe“ ist noch Rosie Hannemann dabei (sie schmeißt die Kleiderkammer) oder auch Rosie Preller und Elsbeth Florich.

Über das Warum denken sie nicht viel nach, weil dann die Wut hochkocht über die vertane Zeit auf europäischer und nationaler Ebene. „Riesen-Kosten für „Schutzwälle“ aus Draht oder aus Gesetzen, die doch keinen Flüchtling abhalten ! Sondern die armen Menschen auf der Flucht nur zusätzlich quälen und demütigen.

Geld hätte man sinnvoll einsetzen können

Wer so verzweifelt ist, sich Schleppern anzuvertrauen und in Schlauchbooten oder Kühlwagen sein Leben und das seiner Kinder auf der Flucht riskiert, der hat doch wirklich keine andere Wahl!“.

Lilo und Rosie und die anderen sagen, dass sie ihre ganze Kraft zum Helfen brauchen. Und Wut macht nur blind für die eigentlichen Probleme: „Ja, wir können das alle gemeinsam schaffen.“, sagen die Frauen und die sie unterstützenden Männer, jenseits von ähnlich klingenden „Fensterreden“ oder symbolischen Handlungen.

Kontakt:
Wer schlicht auch direkt helfen möchte: Förderverein Fliehburg, Vorsitzende Lilo Wallerich, An der Fliehburg 19, 46535 Dinslaken, Telefon: 02064-12797, E-Mail: foerderverein@fliehburg-dinslaken.de
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