Blick fürs Publikum schärfen - DIN-Event-Chef Jörg Springer im Interview

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Jörg Springer von DIN-Event und Kabarett-Legende Götz Alsmann. Foto: privat

Der Veranstaltungs-Sommer neigt sich dem Ende entgegen, die meisten der populären Events liegen hinter uns. Wie sieht die Bilanz von DIN-Event aus? Der Niederrhein Anzeiger sprach mit Geschäftsführer Jörg Springer.

Sind Sie als Veranstalter zufrieden?
Insgesamt sind wir bisher sehr zufrieden mit den Jahr 2016. Wir haben zu Anfang des Jahres schon besondere Momente beim Sparkassen Wintermärchen erlebt. 29 Mannschaften stritten um die erste Dinslakener Eisstock-Challenge.
Talentierten jungen Veranstaltern, die in diesem Jahr das Projekt: "Filme mit Freunden" umgesetzt haben, haben wir in den Sattel geholfen.
Außergewöhnliches konnte bei der „Extraschicht in der Zentralwerkstatt erlebt werden. Internationale Künstler wie "Sarrasani und Friends", unterstützt von der kreativen Lohberger Szene, boten eine sensationelle Show. Atemberaubende Artistik von Noah Chorny, aus den USA, konnte man auf dem Altmarkt im Rahmen des "Altstadtsommers" sehen. Magische Momente durfte ich selbst auch wieder während der DIN-Tage erleben. Am Neutor pushte die Band "Mottek" das Publikum zu einer sensationellen Stimmung und als ich zum Altmarkt rüberschaute, wurde dort die Band "La Vida" durch Begeisterungsstürme belohnt.
Das Public Viewing hat auch in Lohberg in der Zentralwerkstatt sehr gut funktioniert. Ich wurde nach dem Spiel gegen Italien angesprochen: “Ich hätte das Viertelfinale nirgendwo anders sehen wollen als in der DIN-ARENA - selbst im Stadion in Brasilien nicht". Wenn man das hört, kann man gar nicht so viel falsch gemacht haben.

Neben viel Lob, zum Beispiel dafür, dass die Künstler gut ausgewählt worden sind, gibt es auch kritische Stimmen. Ist es nicht unheimlich schwer zu versuchen, es allen recht zu machen?
Man kann es nicht allen recht machen, das muss man sich ständig vor Augen halten.
Bei jedem Event gilt es, den Blick auf das Zielpublikum zu schärfen, um es erfolgreich zu etablieren. Aber es gilt auch immer eine Offenheit zu bewahren. Denn oft steckt in der Kritik die Möglichkeit, einen Baustein zu optimieren oder sogar einen Neuen zu entwickeln.

Sie können auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Was haben Sie in Dinslaken bereits alles auf die Beine gestellt?
Ich mache seit fast 40 Jahren ununterbrochen Gastronomie und Veranstaltungen. Da ist schon viel passiert. Darum nur ein paar Schwerpunkte.
Gastronomische Meilensteine waren der "ULCUS", gewissermaßen die Mutter aller Jugendkneipen in Dinslaken. Danach noch , Rick’s Cafe, Route 66, Macaco und dann fast 20 Jahre Stadthalle und Burgtheater.
Eine der ersten wegweisenden Veranstaltung war das erste Public Viewing zur WM 1990 in der Altstadthalle, mit einem wunderbaren Abschluss - dem Titel. Den Begriff Public Viewing gab es noch gar nicht und was ein Großbildprojektor war, wussten die wenigsten. Aus meiner Freundschaft mit dem damaligen Intendanten des Landestheaters Burghofbühne ist dann unter starker mithilfe von Matthias Höyng und Artur Benninghoff 1996 die Freilicht AG entstanden. Nach dem ersten Jahr lief das erste reine Theaterfestival leider nicht so erfolgreich wie wir all hofften und die Hälfte des Stammkapitals war verbraucht. Zum Glück konnte ich dann als Vorstand den Aufsichtsrat von meinem Konzept des Mehrsparten-Festivals mit dem Namen Fantastival überzeugen. Nach meinem Ausscheiden wurde das Festival von den Verantwortlichen phantastisch weiterentwickelt. Ich freue mich sehr dazu auch ein Saatkorn gelegt zu haben. Ein absolutes Highlight waren sicherlich auch die „European Darts Championships“ 2010 in der Stadthalle. Über 20 Std. live, zur Prime Time, im deutschen und englischen Fernsehen, mit einer überragenden Stimmung in der Halle, sorgten für ein absolut positives Medienecho für Dinslaken. Dazu noch herausragende Konzerte mit: "Simple Minds", Edu Zanki mit Rolf Stahlhofen und Xavier Naidoo, "Manfred Mann's Earth Band", Maceo Parker, oder die "Leningrad Cowboys.

Was sind die größten Herausforderungen, wenn man solche Events austüftelt?
Die größte Herausforderung ist es immer eine passende Location zu finden.
Die nächste Frage lautet:"Bekomme ich dort die Idee ohne zu viele Kompromisse umgesetzt“. Kompromisse aufgrund verschiedener Interessenlagen wie Anwohner Besucher, anliegende Gewerbetreibende, Standbetreiber, örtliche Künstler, und Techniker. Die größten Kompromisse müssen aber immer wieder aus Anforderungen an Sicherheit, Wirtschaftlichkeitgemacht werden. Voraussetzung ist natürlich die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Man kann diesen Rahmen bejammern oder man kann ihn annehmen und das Beste daraus machen.
Vielleicht ein Beispiel zum Thema DIN-ARENA.
Ich habe, wenn ich die DIN-Arena für mich visualisiere, immer ein wunderbares Bild vom Burgtheater als tolle Veranstaltungsstätte vor Augen. Aber, wenn ich dann an eine seriöse Kalkulation gehe und mir Zahlen hole von einer Videowall in entspr. Größe, die auch Tageslicht tauglich ist, wenn ich dazu noch die erweiterten Sicherheitskosten einstelle und versuche einen akzeptablen Eintrittspreis als Gegenrechnung aufzustellen, scheitere ich immer wieder. Ganz abgesehen davon, dass bei ungünstiger Witterung die Besucherzahlen sich dann auch radikal reduzieren können. Also haben wir die DIN-ARENA indoor entwickelt und haben damit einen tragfähigen Kompromiss geschaffen. Der Erfolg gibt uns auch in diesem Jahr, mit einer neuen Spielstätte, recht.

Stichwort Sicherheitskonzept: War es in diesem Jahr schwieriger die DIN-Tage umzusetzen?

Zunächst können wir sagen, dass aus sicherheitstechnischer Sicht alle Veranstaltungen bedenkenlos liefen. Das verdanken wir nicht zuletzt der herausragenden Zusammenarbeit mit der Ordnungsbehörde, der Feuerwehr, der Polizei und einem befreundeten Sicherheitsexperten, der unter anderem das CHIO in Aachen betreut . Dankenswerter Weise wird in dieser Runde, bei neuen Ideen, zunächst immer darauf geschaut, was müssen wir tun um etwas zu ermöglichen und nicht reflexartig Verordnungen gezogen, um Neues zu verhindern.
In 2014 haben wir uns bereits mit der Überarbeitung des Sicherheitskonzeptes der DIN-Tage befasst. Es fand eine detaillierte Ausarbeitung von Szenarien und Maßnahmen zum Thema statt. Das heißt, dass wir schon vor den jüngsten Entwicklungen gut aufgestellt waren und in 2016 nur kleinere Anpassungen erforderlich waren. Aber die Kosten für Sicherheit bei den DIN-Tagen sind mittlerweile ein Riesenposten für die DINEVENT geworden. Die Kosten von Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Folgt ein heißer Herbst? Welche Highlights dürfen die Dinslakener Bürger noch erwarten in diesem Jahr?
Trotz der großen Einschränkung durch den plötzlichen Wegfall der Stadthalle freuen wir uns zum Beispiel auf Markus Krebs, Benjamin Tomkins, Hannes Wader und natürlich die Kochwoche, die in Zusammenarbeit mit Jürgen Weber von der Lebenshilfe entstanden ist. Die DIN-EVENT GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Dinslaken. Sie hat die Aufgabe, Veranstaltungen, Stadtfeste und Events zu organisieren und zu vermarkten. Zudem ist die DIN-EVENT GmbH auch der Ansprechpartner für Event-Agenturen und externe Veranstalter. Ziel der DIN-EVENT GmbH ist es, die Stadt Dinslaken als Veranstaltungsort weiter zu etablieren. Jörg Zimmer ist Geschäftsführer. DIN-Event

Das Interview führte: Harald Landgraf
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