Voerde hat die größten Investions-Chancen

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Wasserschloss Haus Voerde. Foto: Heinz Kunkel.
Im westlichen Revier hat Dinslaken Nachbarstadt mit 60 Hektar die meisten Gewerbeflächen anzubieten: Sieht man vom Sonderfall Duisburg ab, hat ausgerechnet Voerde die meisten Hektar an „verfügbaren Gewerbeflächen“ anzubieten – im gesamten westlichen Ruhrgebiet!

Das macht die oft wegen ihrer Kraftwerkstürme geschmähte Stadt am Rhein zum hiesigen Test-Sieger der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR) und zur positiven Ausnahme.

Insgesamt reicht nämlich der Vorrat an schnell verfügbaren und den Investoren aus Nah und Fern anzubietenden, erschlossenen (und nicht gesperrten) Gewerbeflächen nach Berechnungen dieses Instituts nur noch knapp sechs Jahre, wie jetzt für das gesamte Ruhrgebiet (inkl. Ost-Revier und Hagen) berichtet wurde. Als Region wurde hier die knappe halbe Hundertschaft an Städten und Gemeinden (inkl. Kreis Wesel) zugrunde gelegt, die dem Regionalverband Ruhr angehören.

Hauptgrund für die Misere: Zu viele eigentlich freie Flächen (sog. Brachen) sind entweder nicht saniert, sind nicht genügend oder gar nicht von den Rückständen der einst unkontrollierten Industrialisierung befreit (was den Gemeinden nachträglich heute oft zu teuer käme in Zeiten knapper Kassen). Ein weiterer Hauptgrund: Private Eigentümer, oft Erben und diese oft zerstritten, wollen gar nicht verkaufen (oder gemessen am Grundstücksmarkt viel zu teuer) – u.a. diese beiden Gründe blockieren derzeit ganze 1.130 Hektar im Revier! Eine Fläche so groß wie insgesamt 500 mal drei Fußballfelder, 500 mal MSV, Schalke und BVB zusammen! Nach Angaben der WMR nahezu die Hälfte (47 Prozent) der im Ruhrgebiet brachliegenden, für Industrie-Ansiedlung möglichen Flächen steht nicht im Angebot, wird aber spätestens in sechs Jahren benötigt um Stagnation zu vermeiden!

„Das ist nur Wasserdampf!“

Nicht so in Voerde: Die besondere Lage, vor allem wohl aber weise parteiübergreifende Rathaus-Zusammenarbeit in Zeiten des verdienstvollen Bürgermeisters Leo Spitzer ließ die geklärten Flächen im Gemeindegebiet wachsen im Verhältnis zur Umgebung.

Das flächige Voerde zwischen Wesel, Hünxe und Dinslaken hat Investoren aus Nah und Fern über 5 Dutzend Hektar (genau: 60,65 ha) sofort vermarktbarer Fläche anzubieten. Wesel nur etwas mehr als zwei Drittel davon (44,52)!
Zu wahren Zwergen des Flächen-Angebots sind Hünxe und Dinslaken geschrumpft - die Gemeinde Hünxe trotz ihrer Flächen-Dörfer nur mit ganzen 6,81 Hektar im Angebot an vorletzter Stelle aller Gemeinden, knapp vor den Schlusslichtern („Innovation-City“) Bottrop mit 2,7 sowie dem linksrheinischen Kamp-Lintfort mit seiner durch die letzte Zeche „geschwärzten Null“). Die ehemalige Kreisstadt Dinslaken hat nur weit unterdurchschnittliche 16,45 Hektar anzubieten.

Nun kann all dies gerechterweise für eine Kommune die unterschiedlichsten Ursachen haben: Vor- und Nachteile der geographischen Lage, flächenzerschneidende Verkehrswege, Fluss-Läufe, Erbrecht-Zersplitterung, Firmen-Konzentrationen der Hinterlassenschafts-Eigentümer und vieles andere mehr.

Aber auch positive Gründe kann es geben für bereits fast restlos erfolgte Vermarktung wie: Die Belegung von Flächen durch eine neue Hochschule wie in Kamp-Lintfort oder negative wie phantasielos immer wieder auf nur vorgebliche „kulturelle Nutzung“ hoffende öffentliche Belegung alter Zechen-Areale. Weil dies bei (positiven) Kultur-Highlights wie beim Bochumer Verein (Jahrhunderthalle) oder im Landschaftspark Duisburg-Nord (Gebläsehalle etc.) mal so gut geklappt hat. Denn: An Spielstätten in ehemaligen Industrie-Standorten haben Festivals. Auch ist die Publikums-Reserve im bevölkerungs-schwindsüchtigen Revier irgendwann einmal auch begrenzt. Fachleuten zufolge gilt das auch für Einkaufszentren.
Der Fall des großen und so problematischen Nachbarn Duisburg mit 94,57 ha bislang vergeblich angebotenen freien Flächen, mit gescheiterten Einkaufszentren, nach dem Love-Parade-Desaster von dieser Riesenfläche ersatzlos abgesprungenen Interessenten, der defekten Autobahn-Rheinbrücke wird als Sonderfall gesehen.

Sonst ist von allen Städten westlich Gelsenkirchen (85,41 Hektar, zwischen City und dem ländlichen Buer war dort nicht nur Platz für die Arena) und Bochum (62,27 Hektar, ob mit oder ohne das Opel-Areal), ausgerechnet Voerde - sieht man von der nicht für jeden Betrieb attraktive Nachbarschaft von Kühlturm („...nur Wasserdampf!“) oder Aluminiumwerk ab - das größte sofort vermarktbare Flächenangebot im gesamten westlichen Revier:

Dinslaken hat nur ein Drittel

Neben oben Genannten hat das große Essen im Vergleich „nur“ 56,19 ha, Mülheim gar nur 9,53 ha und Oberhausen die Hälfte von Voerde, nämlich 30,91 Hektar. Jenseits des Rheins „locken“ Rheinberg mit nur 25 ha , Moers gleichauf mit 26 ha und Neukirchen-Vluyn mit knapp 12 Hektar nicht gerade Großflächen-Investoren an.

Vor fast einem Vierteljahrhundert gelang es der heute verarmten Stadt OB aus dem gemeinsamen Bundestags-Wahlkreis mit Dinslaken, die insgesamt 143 ha der einstigen Gutehoffnungshütte (Zitat des letzten Besitzers Thyssen: “Oberhausen schließen und plattmachen!“) an die Firma „Stadium“ des britischen Selfmademan und Bauunternehmers Edward D. Healey zu veräußern.
Der nach dem Vorbild seines riesigen Zentrums „Meadowhall“ im britischen Industriegebiet Sheffield das enorm erfolgreiche Centro als “Neue Mitte Oberhausen“ baute.

So umstritten das Vorbild damals war: Laut Healey selbst hatte er in der Thatcher-Ära den schwer belasteten Industrie-Boden dort so bebauen können, dass er nach geringer Ausschachtung mit einem Betondeckel die Bodenbelastung sozusagen versiegeln durfte. In Oberhausen war zuvor begutachtet worden, das vergiftete GHH-Gelände müsse für eine neue Nutzung eigentlich komplett mindestens 30 Meter tief „ausgekoffert“ werden.
Für die 134 Hektar große Fläche eine für alle Zeiten unbezahlbare „Restriktion“, zu der es damals deshalb vor Baubeginn auch nicht kam...
Um ein weiteres Einkaufszentrum aber kann es in Voerde mit seinem großen Angebot restriktionsfreier, sofort vermarktbarer 606.500 Quadratmetern kaum gehen: WMR-Chef Rasmus Beck erinnerte vielmehr in den Tageszeitungen unserer Verlagsgruppe daran, dass das Ruhrgebiet und seine angrenzenden Regionen „immer noch eine Industrieregion sind und bleiben“. Anfragen kommen nach wie vor aus den Sektoren der Industrie (schon vorhanden in Voerde) und der Logistik.

Auch das anderswo - in Einkaufs-Zentren wie im Internet - ausgegebene Geld der Konsumenten muss erst einmal im Produktions-Sektor verdient werden. Denn auch der Dienstleistungs-Sektor hat gemäß dem guten alten Volkswirtschaftler-Spruch seine Grenzen: “Wir können nicht davon leben, dass wir uns alle gegenseitig die Haare schneiden.“. Und auch um Ansiedlung von Friseuren aber geht es ja in Voerde ebenso wenig wie in seinen an Neuflächen so armen Nachbargemeinden daher eher weniger.

Die WMR drängt nun öffentlich auf Koordination der eiligst anzubietenden Freiflächen im Gebiet des Regionalverbandes RVR, auch für stadtgrenzüberschreitende Investoren-Wünsche. Peter Schnepper von der IHK-NRW sieht ohnehin generell „Alarmstufe Rot“ für die Wirtschaftsförderung im Ruhrgebiet und seine Randzonen. Wo Städte ohne wirklich qualifiziert funktionierende Wirtschaftsförderung - unabhängig von der Erschließung von Industrieflächen gehört dazu ja auch Stadt-Management und wirkliche Öffentlichkeitsarbeit durch ausgebildete Profis – solange weiterhin im Kirchturmschatten vor sich hinwursteln, riskieren sie in naher Zukunft zu den Verlierern zu gehören.

In weiser Vorraussicht

Voerde jedenfalls hat heute unter den Städten im westlichen Revier den Vorteil aus weitsichtigen politischen Handlungen seiner jüngeren Vergangenheit. Und: es hat natürlich eine barrierefreie Bahnstation. Für Investitions-Interessenten bspw. wie etwa für ein Hotel-Tagungszentrum auf seinem Stadtgebiet wie zu hören ein entscheidender Vorteil gegenüber Dinslaken als einziger Voll-Barriere-Bahnstation weit und breit, abgestuft auf Kategorie 5. (Text: Caro Dai).
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