Viel Neues über ein altes Haus

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Der Klartext-Verlag will mit der Herausgabe des Fachbuchs von Sonja Hnilica auch in die bestehende Diskussion um die Zukunft des Alten Museums am Ostwall eingreifen. (Foto: Einbandfoto: Axel M. Mosler)

Eine kleine Tafel im Museumspark am Ostwall weist auf die vermeintliche Geschichte eines Museumsbaus hin:

“Neubau eines Kunstmuseums im Jahr 1947“ steht dort - dabei ist das Haus am Ostwall mitnichten ein Neubau aus den 50er Jahren - auch wenn es nach außen hin so anmutet. Auch alteingessessene Dortmunder sind zu großen Teilen der Meinung, dass das Haus aus den 50ern stammt, denn vieles von seiner Geschichte war bis jetzt nicht bekannt - oder vergessen.

Dr. Sonja Hnilica von der TU hat nachgeforscht und einige erstaunliche Tatsachen zutage gefördert. „Als ich mit meiner Recherche angefangen habe, war ich überrascht, wie wenig über das Haus bekannt ist.“

Ein Jahr nach dem Beginn ihrer wissenschaftlichen Forschung hat sie jetzt ihre Ergebnisse in einem Buch vorgelegt: „Das Alte Museum am Ostwall; Das Haus und Seine Geschichte“ heißt der Band, der viele bisher unbekannte Fotos und Baupläne vorlegt und damit die Baugeschichte des Hauses illustriert: Denn anders als bislang angenommen wurde das Haus, das 1875 als Oberbergamt gebaut wurde, nicht von Kreisbaumeister Richard Genzmer, sondern von dem renommierten Berliner Architekten Gustav Knoblauch entworfen.

Bis 1911 erfüllte es seine Funktion, dann wurde es als Oberbergamt zu klein. 1911 wurde das Haus von Stadtbaurat Friedrich Kullrich unter weitgehender Beibehaltung des Grundrisses umgebaut - zu einem der ersten Museen im Ruhrgebiet und damit zu einem Symbol für einen frühen Strukturwandel, wie ihn die Region immer wieder erlebt.

Nach Kriegsende war das Gebäude nicht auf die Grundmauern zerstört, sondern im Gegenteil: „Ein großer Teil der Mauern, wie sie heute noch stehen, stammt aus dem Jahr 1875“, erklärt Sonja Hniclica. Schon im Herbst 1945 wurde der Lichthof, der mit seiner filigranen Dachkonstruktion den Bombenkrieg überlebt hatte, als einziger intakter Saal der Stadt wieder genutzt.

Ein ganzes Kapitel widmet Sonja Hnilica Leonie Reygers: „Kunsthistorikerin als Trümmerfrau“ beschreibt den Einsatz der Museumsleiterin für das Haus. Reygers gab dem Gebäude sein „kleines und unscheinbares“ Gesicht. Die Bescheidenheit und Schlichtheit, die sich in der Fassade ausdrückt, war ein Statement gegen den Nationalsozialismus, für die Demokratie. Reygers setzte sich vehement dafür ein, die Segmentbogenfenster im Erdgeschoss zu bewahren, als Zitat und Anklang an das alte Gebäude. Ebenso förderte sie den alten Waschbetonfußboden des Oberbergamts wieder ans Tageslicht.

„Das Besondere an dem Haus ist, dass es einer der extrem wenigen Museumsbauten aus den 50er Jahren ist“ erklärt Hnilica. „Für Museen war einfach kein Geld da.“ Sonja Hnilica forscht und lehrt zur Geschichte und Theorie der Architektur, studierte Architektur in Wien und promovierte auch dort. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Architektur der Nachkriegsmoderne, Herstellungsprozesse von Architektur sowie architektursoziologische Fragen.

Bleibt die Frage, was aus dem Haus wird: „ Ich wollte meine Erkenntnisse in diesem Buch dokumentieren“, sagt Sonja Hnilica. Prof. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der TU, sagt: „Als Uni kann man forschen und damit Aufklärung betreiben.“ Das Gebäude ist ein zentraler Kulturbau der Stadt, der letzte, der nach dem Hauptbahnhof, dem alten Theater, und der Stadtbücherei überlebt hat. Sonne: „Die Bedeutung des Hauses macht es unmöglich, es abzureißen.“

Bibliographische Daten:
Sonja Hnilica: Das Alte Museum am Ostwall; Das Haus und seine Geschichte
144 Seiten, Broschur, zahlr. farb. Abb., 19,95 € ISBN 978-3-8375-1307-3. Im Buchhandel erhältlich.
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