Die Heimat ertanzen: Inklusives Tanztheater

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Eine Koreanerin in Bergmannskluft: Heimatspuren geht unterschiedlichen Biografien nach. (Foto: Verein Tanzräume)
 
Unte und Michael Middelbach im Evinger Schloss. (Foto: Schmitz)
Dortmund: Evinger Schloss |

Sie sind unterwegs auf den Spuren ihrer Heimat – die Mitglieder des inklusiven Tanz- und Bewegungstheaters der Kompanie Windspiel.

Menschen mit und ohne Behinderungen stehen hier gemeinsam auf der Bühne.

Am 30. April ist das Ergebnis ihrer Spurensuche zu sehen: Das Stück heißt Heimatspuren und wird um 18 Uhr im Theater im Depot aufgeführt.Anlass dafür ist der Internationale Protesttag für Menschen mit Behinderungen, der schon seit drei Jahren im Depot das Programm am 30. April bestimmt.

Kooperation mit TU

Über ihre berufliche Tätigkeit hat die Tanz- und Bewegungstherapeutin Ute Middelbach verschiedene Gruppen etabliert. Vor rund acht Jahren hatte die Tanztherapeutin eine Initiative mit einigen wenigen Mitstreitern gestartet. Entwickelt hatte sich die Arbeit aus einem Kontakt zu den Reha-Wissenschaftlern an der TU, und auch mit einigen Berufskollegs hat der Verein schon zusammengearbeitet.

„Über die Jahre sind das immer mehr Menschen geworden“, erklärt Ute Middelbach. Im aktuellen Stück stehen 22 Personen auf der Bühne, ein paar arbeiten hinter der Bühne am Drumherum mit. Das Altersspektrum liegt zwischen 19 und 64 Jahren.

Büro im Evinger Schloss

„Das hat immer mehr Kapazitäten gefordert“, ergänzt Ehemann Michael Middelbach. Schließlich wurde im Jahr 2014 der Verein Tanzräume gegründet. Seit dem letzten Jahr hat der Verein ein Büro im Evinger Schloss, Kooperationen mit dem dort ansässigen Archiv für poluläre Musik sind nicht ausgeschlossen.

Aktuell ist gerade wieder eine sogenannte öffentlich geförderte „Arbeitsgelegenheit“ frei geworden, ein Mitarbeiter kümmert sich für den Verein um Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation von Veranstaltungen. „Darüber hinaus sind wir als Verein in der FreiwilligenAgentur gelistet. Auch von dort kommen immer wieder Ehrenamtler, die uns unterstützen wollen“, erklärt Michael Middelbach. „Viele Menschen, auch jüngere, wollen sich in der inklusiven Kulturarbeit betätigen.“

Auf Spurensuche in Palermo

Die Vorbereitungen für das aktuelle Stück haben mehrere Jahre in Anspruch genommen, gemeinsamt mit den Darstellern ist das Ehepaar sogar nach Palermo auf Sizilien gereist, und dort die Heimat einer Tänzerin zu erforschen. „Da sind Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammen, eine unserer Darstellerinnen kommt beispielsweise aus Korea. Sie ist in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen, als hier verstärkt Krankenschwestern gebraucht wurden.“

Ganz neue Welten haben sich da bei den Recherchen im Ruhrgebiet und anderswo aufgetan, die Heimatsucher haben den traditionellen sizialianischen Contradanza genauso kennengelernt wie koreanische Musikinstrumente und die Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets.

Recherche im Ruhrgebiet

„Wir waren im Bergbaumuseum, auf der Halde Haniel, und wir haben bei RWE alte, echte Bergmannskleidung gesehen.“ All das hat sich in der Choreographie von Ute Middelbach niedergeschlagen: Aus der Gruppe wird im Stück eine Maschine unter Tage, die Musik dazu ist eine ungewöhnliche Mischung aus Minimal Music und Jazz. „In Verbindung mit der Live-Musik werden alle Sinne angesprochen.“ Ein sinnlicher Zugang, der durch Texte von Masx Frisch ergänzt wird, und auch die sogenannte Flüchtlingskrise des Jahres 2015 ist in das Stück mit eingeflossen.

„Wir möchten mit dem Stück schon gerne nochmal losziehen, zum Beispiel auf eine Gastspielreise ins Ausland gehen“, erklärt Michael Middelbach. Etwa alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe zu Proben, die Mitglieder der Gruppe kommen aus der gesamten Region, aus Münster, Osnabrück oder Köln. Weitere Infos zum Verein finden sich auf der Webseite tanzraeume-unterwegs.de.
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