Ein Prinz zum Fünfzigsten: Rot-Gold Wickede feiert Jubiläumssession und stellt Stadtprinzenpaar

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Eleonore I. und Peter III. umrahmen den zweiten Rot-Gold-Vorsitzenden Ralf Lawicki. (Foto: Schmitz)
 
Das Prinzenpaar genießt die Session. (Foto: Schmitz)
 
Der zweite Vorsitzende Ralf Lawicki (l.) und Pressewart Jörg Bojanowski.
Dortmund: Wickeder Hellweg | Die Narren in Dortmunder Osten rufen ihr Helau in diesen Tagen ganz besonders laut. Grund: Die Wickeder Karnevalsgesellschaft Rot-Gold Wickede feiert in dieser Session ihr 50-jähriges Bestehen – und stellt passend dazu das Prinzenpaar.

„Ich bin ein echter Dortmunder mit Londoner Wurzeln“, sagt Peter Brockwell über sich. Als Peter III. bildet er mit Eleonore I. (Brockwell) das Prinzenpaar der Stadt Dortmund.
Der gebürtige Londoner kam als 17-jähriger Soldat der britischen Armee vor 42 Jahren nach Dortmund an den Nußbaumweg. „Ich wusste: Wenn ich die richtige Partnerin finde – und das habe ich – bin ich da weg“, sagt er. Ebenso verliebte er sich aber auch in das Ruhrgebiet und das Dortmunder Bier. Passend dazu kennen ihn viele aus dem Dortmunder Rosenmontagszug als „Brinkhoff´s-Mann“. Als dieser trug er ein aus 4000 Kronkorken bestehendes, 22 kg schweres Kostüm. Das Kostüm brachte in einem Spendenmarathon 1.111 Euro und befindet sich jetzt im Brauereimuseum. „Wir stellen in dieser Session übrigens auch die Kinderprinzessin Sarah I.“, ergänzt der zweite Vorsitzende Ralf Lawicki.
Bevor ihn sein Weg zu Rot-Gold führte, feierte Peter Brockwell unter anderem in Düsseldorf und Eving. Als er aber vor circa zehn Jahren in Wickede Tischtennis spielte, wurde er gefragt, ob er nicht zum Männerballett von Rot-Gold stoßen wolle. „Da habe ich zum zweiten Mal in meinem Leben ‚ja‘ gesagt“, lacht er. Und schon hatten die „Mäuseriche“ ein neues Mitglied. Seine Frau Eleonore, die in einem großen Modehaus arbeitet, ist natürlich auch Mitglied. „Es ist ein toller Ausgleich zur Arbeit“, sagt sie. „Mir gefallen vor allem die Verkleidungen.“ Und ihr Mann stimmt zu: „Es macht Freude, selbst etwas zu kreieren.“
Bis auf eine kurze Unterbrechung von anderthalb Jahren wurde Rot-Gold Wickede von Präsident Werner Matheoschat angeführt, wie sein Schwiegersohn Ralf Lawicki beschreibt. Mit Fritz Wessels, Hans Schlüchter, Manfred Ossenschmidt und Wilhelm Schön gründete er 1967 den Verein. „Sie haben gesagt, dass es doch nicht sein könne, dass es in Dortmund keinen Karneval gebe. Daher haben sie den Verein gegründet, was ein Erfolgsmodell werden sollte“, erinnert sich Pressewart Jörg Bojanowski. „Es ging mühsam los, da der Verein anfangs wenig Mitglieder hatte. Im Laufe der Zeit ist der Verein dann gewachsen.“ 1969 wurde die erste Tanz-Garde gegründet. Im Laufe der Jahre nahm die Anzahl der Tanzgruppen stetig zu, sodass heutzutage im Gardetanz der komplette Altersbereich von sechs bis 20 Jahren abgedeckt wird. Zwei Frauentanzgruppen und ein Männerballett gehören ebenfalls zu Rot-Gold. Viele von ihnen haben bei diversen Turnieren schon gute Platzierungen geholt. 1971 wurde sogar eine Fanfarengruppe gegründet, die sich im 1974 als Fanfaren Corps Dortmund-Wickede 1974 selbstständig machte.
Präsident Werner Matheoschat erinnert sich an einige lustige Ereignisse während der fünf Jahrzehnte. „Das Männerballett tanzte einmal auf der Bühne im Bürgerhaus Massen. Plötzlich brach die Bühne ein und es entstand ein Loch. Alle Tänze mussten um das Loch herum weiter getanzt werden.“ Bei einem Auftritt der Mädchen-Garde im Stephanus-Gemeindehaus gingen auf der Bühne die Elemente auseinander und es entstanden große Schlitze. „Eilig sprangen einige männliche Mitglieder der KG unter die Bühne und schoben die Elemente wieder zusammen und hielten sie während der Veranstaltung mit den Händen fest.“ Auch Matheoschat selbst blieb nicht von Missgeschicken verschont. „Bei einer Modenschau im St.-Konrad-Saal tanzte das Männerballett auf dem Laufsteg. Ich war zu dieser Zeit noch aktiv dabei. Der ganze Saal tobte, bis ich selbst feststellte warum: Ich hatte meine Spitzenhose vergessen anzuziehen und tanzte im kleinen Slip.“
Brockwells Familie hat deutlich längere Wurzeln als Rot-Gold: Sein Stammbaum reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Einer seiner Vorfahren wurde damals in den niederen Adelsstand erhoben, daher der Namenszusatz Esquire. Das Familienwappen ist passenderweise in den in Dortmund besonders geschätzten Farben: drei gelbe Blumen auf schwarzem Grund.
Prinzenpaar und Verein befinden sich jetzt mitten in den tollen Tagen. Bis Weihnachten war es noch richtig ruhig, erklärt der selbstständige Montagedienstleister. „Bei der Proklamation am 11.11. habe ich das Volk mit einem Schottenrock begeistert. Bei meiner Proklamationsrede wurde ich gefragt, ob ich Dortmunder mit Londoner Wurzeln sei oder umgekehrt. Ich sagte, dass ich Dortmunder sei, denn ich hätte Koks gerochen, woraufhin der ganze Saal still war. Ich meinte aber den Koks der Zeche Gneisenau“, erzählt er schmunzelnd.
Den Mitgliedern von Rot-Gold Wickede geht es vor allem um den Spaß an der Freud. „Wir feiern, ohne jemandem einen Stein nachzuwerfen“, sagt Bojanowski. „Positiv verrückt sein ist bei uns Grundvoraussetzung“, ergänzt Lawicki. In der 50-jährigen Vereinsgeschichte gab es immer wieder Widrigkeiten, wie etwa mit der renovierbedürftigen Schulaula in Asseln. Es fand sich aber immer eine Lösung.
Der 59-jährige Prinz hat das Ziel, den Dortmunder Karneval nach vorne zu bringen. „Wir haben hier sehr viel Potential.“ Vor allem Geschäftsleute will er darauf ansprechen. Der Verein engagiert sich auch stark. Bei kaum einer Veranstaltung in Wickede fehlt er. Ob Maibaumaufbau, Dorffeste, Schlemmerparties oder der Weihnachtsmarkt – Rot-Gold ist stets dabei.
„Der Verein unterstützt uns immer bei Veranstaltungen“, erzählt Eleonore Brockwell. „Das motiviert uns ungemein.“ Das Prinzenpaar ist gut beschäftigt: An manchen Tagen sind es bis zu acht Termine. Bis Aschermittwoch wird sich das steigern. „Danach wird etwas fehlen“, bedauert Eleonore. Generell sei der Karneval teurer geworden und oft schwieriger durch neue Vorschriften und Genehmigungen, bedauern Lawicki und Bojanowski. Die Notwendigkeit, wie etwa den Zug besser zu schützen, sehen sie aber selbstverständlich ein.
Wie der Wagen der Jubiläumssession aussehen wird, verraten sie noch nicht. „Die Erbauer haben sich aber schwer ins Zeug gelegt. Er wird auch für die Mitglieder eine Überraschung werden“, verrät Lawicki.

Infos zum Verein gibt es unter www.rot-gold-wickede.de.
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