Faszination Theater // Nachwuchs-Schauspieler hat im Theater im Depot eine Heimat

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Einige Schauspieler arbeiten zusammen an einer Szenenidee: Von links Elisabeth Szwillus, Dilara Acikgöz, Maren Uhle, Nora Schmacke, Timo Bigge und Julia Hausberg.
 
Ganz in ihren Rollen vertieft, posen die Akteure. Von links: Maleen Rüthers, Dilara Acikgöz, Nora Schmacke, Maren Uhle, Timo Bigge, Julia Hausberg und Elisabeth Szwillus.

Das Publikum flüstert und hin und wieder hört man ein leises Hüsteln. Es ist sehr heiß und man riecht den Duft des verbrannten Staubes auf den Scheinwerfern. Man fühlt die Spannung, die im Raum liegt und möchte, dass es endlich los geht.

Ähnlich ergeht es den Schauspielern, die voller Spannung auf den Beginn der Vorstellung warten. Wie aber kommt so ein Theaterstück auf die Bühne?
Im Theater im Depot entstehen in der Theaterwerkstatt jährlich mehrere neue Stücke, die von Laiendarstellern selbst geschrieben werden. Dafür probt man mehrere Monate ein Mal in der Woche und trinkt gemeinsam Tee.
Beim neuen Stück des Jugendensembles, welches vorerst den Arbeitstitel „money, money, money“ trägt, werden momentan die Rollen erarbeitet. Es steht unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Müller.
Betrachtet wird das Thema Geld über verschiedene Charaktere, die sich in einem Sanatorium aufhalten. Das Ensemble setzt sich mit den Gefühlen und der Lebensgeschichte dieser Patienten auseinander. Wie findet eine Prostituierte das affektierte Gerede einer Millionärin, hat eine Obdachlose das nötige Feingefühl, um mit Geld umzugehen und welche Psychosen versucht die Ärztin zu verstecken?
Doch das Stück bietet mehr als eine bloße Szenenabfolge. Mithilfe von wortlosen Szenen wird der Zuschauer zum Nachdenken inspiriert.
Bei der Erarbeitung der Szenen sind alle Gruppenteilnehmer aktiv beteiligt und können ihre Ideen einbringen. Meist wird in einer Gruppe von drei Personen eine Szene entwickelt.

Männer sind Mangelware

Ein Problem hat das Jugendensemble jedoch immer wieder: Männer sind Mangelware. Seit mehreren Jahren haben sich nur zwei junge Männer getraut mit den über zehn Mädchen Theater zu spielen. Wo es doch so schön wäre, wenn man männliche Schauspieler hätte.
Da das Budget klein ist, werden alle Kostüme selbst zusammengestellt. Alle Verwandte und Freunde der Akteure werden um Kleidung oder Perücken gebeten. Auch Maske und Frisur liegt in den Händen der „Theatermädchen“.
Wie merkt man sich die Texte? Das weiß Maren Uhle: „Dadurch, dass die Texte meist von einem selbst geschrieben sind, ist das schon einfach. Man steht vorm Spiegel oder läuft durch die Wohnung und wiederholt und wiederholt. Die Proben helfen ebenfalls. Irgendwann kann man sogar den Text der anderen.“ Gelegentlich kommt es aber auch vor, dass man aus zeitlichen Gründen den Text erst auf dem Weg zum Theater lerne.
Aber zu richtigen Blackouts ist es bisher noch nie bei einer Aufführung des Jugendensembles gekommen. Natürlich ging in der Vergangenheit mal etwas schief, doch der Zuschauer bekommt diese Ausreißer selten mit.
Einmal hat eine Akteurin ihren Einsatz verpasst, weil sie hinter der Bühne das Kleid einer Schauspielkollegin schloss, und ihre Partnerin, die auf der Bühne auf sie wartete, bei ihrem echten Namen rief. Ein Malheur, von dem der Zuschauer dachte, es sei einstudiert. Bei einer Lichtprobe hatten gleich zwei Darstellerinnnen ihre Kleider auf links und verdreht an, sodass die Beleuchter die Unterwäsche sehen konnten.
Durch solche Missgeschicke wächst die Gruppe zusammen. Man entwickelt sich weiter und lernt stets dazu. „Ich liebe das Theater, weil es meiner Phantasie Räume öffnet. Auf der Bühne kann ich die Wirklichkeit von vielen Seiten neu erleben und gestalten.“, begründet Judith Grytzka ihre Mitarbeit in der Theaterwerkstatt - und spricht damit ihren Mitdarstellern aus der Seele.

Das Stück "money, money, money" hat am Freitag, 12. Juli 2013 um 20:00 Uhr Premiere im Theater im Depot. Am Samstag 13. und Sonntag 14. Juli sind die weiteren Vorstellungen. Samstag geht's um 20:00 Uhr los und Sonntag schon um 19:00 Uhr.

Drei Fragen an Barbara Müller

1. Wie lange leiten Sie schon Theatergruppen?
Ich leite seit circa 20 Jahren Theatergruppen und es sind unterschiedliche Gruppen was die Zusammenstellung angeht. Ich habe früher viel mit Kindern gearbeitet, aber heute liegt mein Schwerpunkt bei Jugendlichen und Erwachsenen.

2. Wie sind Sie zum Theater gekommen?
Ich habe mit Anfang 20 angefangen zu schauspielern und habe dann meine große Leidenschaft zur Bühne entdeckt und mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich hatte das Glück 25 Jahre im Rampenlicht zu stehen. Die Bühne ist ein magischer Ort, an dem eine Wirklichkeit neu erschaffen wird.

3. Wie sieht die Unterstützung der Stadt aus?
Die Theaterwerkstatt am Theater im Depot hat die Möglichkeit für jedes neue Bühnenprojekt Fördergelder bei der Stadt zu beantragen. Dankenswerterweise werden die Projekte in der Regel finanziell unterstützt, ohne die die Projekte gar nicht möglich wären.

Schaut doch mal auf www.depotdortmund.de vorbei oder informiert euch weiter über die Theaterwerkstatt unter www.barbaramueller.de.
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