Den Handwerksbetrieben geht es gut

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Bernd Redecker Dachdeckerverband NRW), NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert, Josef Zipfel (v.l.n.r.).

Dem Handwerk in Düsseldorf und NRW geht es so gut wie nie zuvor. Wer Handwerker beauftragt, muss derzeit wochenlang warten. Die Auslastung der Betriebe beträgt im Durchschnitt unverändert rund sechs Wochen, im Bauhauptgewerbe liegt sie aufgrund des verstärkten Baubooms sogar bei fast neun Wochen. Der Verband HANDWERK.NRW (ehemals NWHT) geht deshalb auch für 2017 von stabiler Beschäftigung und einem weiteren Wachstum der Wirtschaftsleistung im NRW-Handwerk aus.



Das nordrhein-westfälische Handwerk habe sich im vergangenen Jahr einmal mehr als ausgesprochener Stützpfeiler und Wachstumsmotor der Landeswirtschaft erwiesen, teilte Verbandspräsident Andreas Ehlert am 11. Januar in Düsseldorf auf der Pressekonferenz zur Wirtschaftslage der Branche mit. „Die Unternehmensentwicklung, Beschäftigung und auch die Beschäftigung unserer Betriebe liegen deutlich im Plus. Wir profitieren von einer lebhaften Binnen-Nachfrage, aber eben auch von einer stabilen Exportkonjunktur“, erklärte Ehlert. Nach Schätzungen des Verbands haben die Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr landesweit einen Gesamtumsatz in Höhe von 120 Mrd. Euro erzielt. Das entspricht einem Wachstum von nominal 3,5 Prozent (real 1,5 Prozent). Auch die Zahl der Beschäftigten stieg um 0,1 Prozent auf 1,1 Mio. Beschäftigte. Das Handwerk würde gerne mehr Beschäftigte einstellen, aber es gebe einfach zu wenig Fachkräfte. „Angesichts der Schwierigkeiten aller gewerblich-technischer Branchen – nicht nur des Handwerks –, Fachkräfte zu finden und junge Menschen für die Berufsausbildung zu begeistern, werten wir den Zuwachs als Erfolg“, betonte Ehlert. Für 2017 erwartet das Handwerk ein Umsatzplus von 2,5 Prozent.

Kritik gab es am Landesentwicklungsplan, der „Hygiene-Ampel“ und wegen der Styroporentsorgung. Die „Hygieneampel“ des Verbraucherministeriums hält Ehlert für schlichtweg überflüssig. Die bestehenden Sanktionsmaßnahmen im Lebensmittelhandwerk reichten schon jetzt vollkommen aus. Hauptgeschäftsführer Josef Zipfel be-fürchtete, dass der neue Landesentwicklungsplans (LEP) zu einer Verschiebung zugunsten des Wohnungsbaus führen könnte. Dies hätte dann negative Folgen für die Erweiterung von Handwerksbetrieben. Die Vorgaben für den Flächenverbrauch seien einfach zu unflexibel, sagte Zipfel.

Weitere Belastungen betreffen das Bauhandwerk. Seit Anfang Oktober 2016 haben Dachdecker in ganz Deutschland ein Problem bei der Entsorgung von Styropor-Dämmstoffen, die mit dem giftigen Brandschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) imprägniert wurden. Müllverbrennungsanlagen nahmen seitdem das Dämmmaterial, durch eine vom Bundesrat geänderte Abfallordnung als „gefährlicher Abfall“ eingestuft, nicht mehr an. HBCD lässt sich bei Temperaturen von ca. 1200 Grad Celsius restlos verbrennen, erläuterte Bernd Redecker vom Dachdecker-Verband Nordrhein. Obwohl die Verordnung des Bundesrates inzwischen bis Ende 2017 ausgesetzt wurde, lagern derzeit noch 1.600 Tonnen Sondermüll auf Baustellen oder Firmengeländen. Denn Entsorger und Betreiber von Müllverbrennungsanlagen weigern sich weiterhin, das Dämmmaterial zu den früheren Konditionen zu entsorgen. Es seien überhöhte Preis für die Verbrennung von bis zu 7000 Euro je Tonne verlangt worden. „Normal sind Preise zwischen 140 bis 200 Euro pro Tonne“, sagte Redecker. Es seien überhöhte Preis für die Verbrennung von bis zu 7000 Euro je Tonne verlangt worden. Die Folgen für die Betriebe seien dramatisch: Wenn ein Auftrag angenommen sei und die Preise für die Entsorgung dann plötzlich viel höher sind als gedacht, könne das einen Betrieb schon in finanzielle Not bringen.
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