Flausch-Alarm: Das Wunder hinter der Glasscheibe

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Fotos: Hannes Kirchner
  21 auf einen Streich: Im Kindergarten St. Marien in Rumeln herrschte dieser Tage große Aufregung. Die Kiddies erlebten live und hautnah mit, wie vor ihren Augen knuddelige kleine Küken schlüpften.

Gruppenkuscheln und Dösen bei 38 Grad ist sooo schön. Gut ein Dutzend Flaum-Bäusche hat sich im Brutkasten eng einander geschmiegt. Andere tapsen leicht wackelig umher. Wiederum Andere erkunden keck die Location, unternehmen erste Kletterübungen und necken einander. Erst vor wenigen Tagen hat Wilma Oesterwind, Erste Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Duisburg-Rheinhausen, den Schaubrüter im Kindergarten St. Marien vorbei gebracht. Darin befanden sich 21 blütenweiße Eier einer Japanischer Zwerghuhnrasse. Kurz darauf ging es schon los, titschten die ersten Küken die Eierschalen auf. Nun haben sich fast alle befreit, bis auf ein Geschwisterchen, das auf sich warten lässt. Neugierig und keck picken einige der Küken gegen dessen Eierschale.

Wie nach dem Duschen nicht trockengerubbelt

Einige sehen aus, als hätten sie sich nach dem Duschen nicht richtig oder zu lange abgerubbelt. Bei Anderen glänzt der nougatfarbenen Flaum bereits seidig. Ein vielfaches Gepiepse ist zu hören. „Die sprechen miteinander“, erklärt Wilma Oesterwind den Kindergartenkindern, die völlig fasziniert das kleine Wunder hinter der Glasscheibe beobachten. Dann nimmt sie behutsam eines der Küken heraus und legt es Matilda (5) in deren Hände. Vorsichtig streicheln Emilia (5) und Kate (5) das Köpfchen des kleinen Kerlchens mit der dunklen Rücken-Zeichnung. Wilma Oesterwind spreizt vorsichtig einen Flügel des kleinen Kükens und erklärt den Kindern: „Da kommen schon Federn.“ Mit dem winzigkleinen Höcker auf dem Schnabel, dem sogenannten Ei-Zahn, hätten die Kleinen vor ihrem Schlüpfen die Eischale aufgepickt, erfahren die Kinder. Fasziniert erzählt Matilda: „Zuerst war das Loch in der Schale ganz klein, dann kam ein großer Riss und dann hat das Küken die Flügel ausgebreitet.“ Auch ein winzigkleines Kämmchen ist schon erkennbar. Männlein oder Weiblein – dies kann Osterwind erst in einigen Wochen klar sagen, wenn der Kamm stärker wird. Die Kleinen benötigen in den ersten Tagen kein Futter, da sie sich von ihrem eingezogenen Dottersack ernähren. Danach gibt es Kükenmehl. Die Japanischen Zwerghühner benötigen etwa ein Jahr, bis sie ausgestellt werden können. Erzieherin Angelika Haase freut sich: „Für die Kinder ist das ein wunderbares Erlebnis. Sie waren total fasziniert und haben wie vor dem Fernseher vor dem Brutkasten gesessen.“

Wenn Wilma Oesterwind die Küken abholt, werden auch deren Eltern dabei sein. Auf einer Zeichnung können die Kinder sehen, wie diese aussehen. „Der Hahn hat eine silberne und die Henne eine prächtige lachsfarbene Brust“, erklärt Oersterwind. Aber eigentlich haben die Kleinen ja zusammen vier Mamas und einen Papa. „Das nennt man ein Stämmchen,“ so Oesterwind. Bei der Familienplanung haben die Hennen das Sagen. „Es kann sein, dass sich eine Henne nicht ‚treten’ lässt, dann ist das Ei nicht befruchtet“, erläutert Wilma Oesterwind. 14 Tage wurden die Eier gesammelt und verbrachten anschließend 18 Tage in einer Brutmaschine. Während dieser Zeit mussten sie regelmäßig gewendet werden. Wie kann es sein, dass alle zum gleichen Zeitpunkt schlüpfen? „Der Embryo entwickelt sich erst, wenn die Bebrütung beginnt“, erklärt Wilma Oersterwind, die über eine umfassende Erfahrung in der Kunstbrut verfügt.

In wenigen Tagen werden die Küken geimpft, als Schutz vor Erkrankungen. Die nächsten Wochen verbringen sie in einem Wärmekasten und mit sechs Wochen dürfen sie schließlich nach draußen.

Info-Box:
Der Rassengeflügelzuchtverein (RGZV) Rheinhausen wurde 1904 gegründet und hat derzeit etwa 30 Mitglieder. Die Mitglieder treffen sich jeden zweiten Mittwoch im Monat. Am 8. Oktober findet um 11 Uhr auf dem Gelände StellwerkHof Dhisburg-Hohenbudberg eine Tier-Präsentation mit Hähnewettkrähen statt.
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2 Kommentare
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 29.03.2017 | 13:44  
Marjana Križnik aus Essen-Nord | 29.03.2017 | 13:57  
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