Hilfe für den Igel - Verein in Gründung

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Jennifer Krieck hilft jungen Igel beim Überwintern. (Foto: Foto: PR-Foto Köhring/SM)
 
Tagsüber werden sie gar nicht gern gestört - aber Kontrolle und Wiegen muss nun mal sein. (Foto: PR-Foto Köhring/SM)

Sie gehörten zu den ältesten Säugetieren dieser Erde: Igel. Ihre Vorfahren entwickelten sich vor rund 65 Millionen Jahren – seit rund 15 Millionen Jahren haben sie ihr heutiges Aussehen

. Seitdem änderten sie auch ihre Fressgewohnheiten nicht. Die kleinen stacheligen Tierchen lieben nämlich nur Insekten. Mit Obst und Gemüse können sie nichts anfangen, „es sei denn, das steckt noch ein Wurm drin“, erzählt Jennifer Krieck. „Das Aufziehen oder die Überwinterung von Igeln ist nicht so ganz einfach“, weiß die Mülheimer Igelfreundin.
„Da kann man schnell etwas falsch machen“, erzählt die gelernte Bürokauffrau. „Milch beispielsweise können Igel überhaupt nicht vertragen, sie sind alle Laktose intolerant. Wasser oder ungesüßter Kamillen- oder Fencheltee bekommt unseren stacheligen Freunden am besten.“

Und sie kennt sich gut aus, denn in ihrem Wohnzimmer reihen sich etliche Kartons auf, „alle mindestens 50 Zentimeter hoch, denn die Kleinen sind wahre Ausbruchskünstler. “ In den Kartons bringt sie derzeit mehrere kleine Igel auf Gewicht. Gut abgedeckt und bei einer Zimmertemperatur von 20 bis 22 Grad ist ihr Wohnzimmer gerade zur „Aufzuchtstation“ geworden.
„Ab und zu träumen sie“, erzählt die 25-jährige „Igelmama“ und lächelt. Denn die nachtaktiven Tiere mögen Tageslicht eigentlich nicht. „Aber nachts werden sie wach und gehen auf Futtersuche – zumindest in der warmen Jahreszeit. Dann laufen sie bis zu fünf Kilometer pro Nacht und futtern Insekten, die ihnen über den Weg laufen."
Bei Krieck entfällt dieses lästige Suchen. Dort erhalten sie ihr Futter direkt aus einer Schale. „Die ist standfest und kippsicher angebracht und gefüllt mit Katzenfutter ohne Gemüse.“ Je höher der Fleischanteil, desto besser, „auf Fleisch in Gelee oder Soße sollte man verzichten.“ Auch angebratenes oder gekochtes und ungewürztes Rinderhackfleisch sowie Rühreier ohne Salz mögen die Igel. Und ab und zu verfüttert sie auch mal einen Mehlwurm an die Kleinen.

Hygiene ist ganz wichtig

„Ganz wichtig ist die Hygiene. Die Kleinen futtern jeden Tag rund 200 Gramm. Das kommt natürlich irgendwann mal wieder raus.“ Neben dem Wiegen steht das Saubermachen jeden Tag auf dem Programm. Auf ihren Kartonböden liegen Inkontinenzunterlagen, über die sie Zeitungspapier legt. „Aber bitte keine Hochglanzzeitschriften verwenden, weil das Papier kaum saugfähig ist.“ Zusätzlich steht ein mit Stroh gefüllter Karton mit Eingang bereit, in den sich der Igel zurückziehen kann.
Bei einem Gewicht von mindestens 600 bis 700 Gramm wird Krieck die Igelkinder langsam herunterkühlen, um sie in den Winterschlaf zu versetzen. „Man darf die Tiere natürlich nicht von den warmen 22 Grad in ein kaltes Häuschen setzen. Der Temperaturübergang muss langsam erfolgen, damit sie in den Winterschlaf fallen. Außerdem sollte man die Tiere nicht ungeschützt in den Garten verfrachten.“

Ein geschützter kalter Platz im Gartenhäuschen, auf der Terrasse oder dem Balkon sei nötig. So könne man den Übergang in den Winterschlaf kontrollieren und gegebenenfalls noch mal etwas nachfüttern – dann aber mit ein wenig Katzentrockenfutter. Und wenn der Igel im März/April wieder aufwacht, sollte man ihn auch wieder auf Gewicht bringen, denn im Winterschlaf verliert er viel an Gewicht. Und im Frühjahr gibt es noch nicht ausreichend Nahrung für das Tier. Ganz wichtig sei, nur gesunde Tiere in den Winterschlaf zu schicken.

Igel immer auf Parasiten untersuchen lassen

„Wer einen Igel findet, sollte ihn auch auf Parasiten untersuchen lassen. Dazu benötige man Kotproben, die drei Tage hintereinander gesammelt werden sollten. Erst dann kann man sicher sein, jeden Parasit zu finden. Der Tierarzt kann nach der Analyse das richtige Gegenmittel verschreiben. Auf gar keinen Fall dürfen Arzneien für Hunde oder Katzen sowie entsprechende Mittel gegen Flöhe verwendet werden.“ Nur ein igel kundiger Tierarzt weiß, welches Mittel weiterhilft. Außerdem können Igel unter Hautkrankheiten leiden, die durch Pilze oder Milben ausgelöst wurden. Einige können auf den Menschen übertragen werden. Deswegen sollten die Igel mit Handschuhen angefasst werden und die Hände nach einem Kontakt immer gründlich gewaschen werden.

Tipps auf "www.pro-igel.de"

„Die Aufzucht eines kranken Igels ist nicht einfach“, betont Krieck. Hilfe gibt es bei den Igel-Aufzuchtstationen und den Igelfreunden. „Gute Tipps über Igel bietet die Internetseite 'http://www.pro-igel.de' oder bei der Facebook-Gruppe 'Igelfreunde Ruhrgebiet', sagt Krieck.

Verein in Gründung

„Im Januar werden die Mülheimer Igelfreunde einen Verein gründen. Am Sonntag, 8. Januar, findet dazu ein Treffen im Alten Schilderhaus, Südstraße 2 (Am Südbad) statt, um die Satzung zu besprechen. Das Treffen beginnt um 16 Uhr. Ich hoffe, dass viele Menschen uns aktiv oder auch gern passiv unterstützen und an dem Tag mal vorbeischauen“, hofft die engagierte Igelfreundin.
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