Rot-Weiss feuert Harttgen: Sportvorstand wegen Vertrags-Alleingang fristlos gekündigt

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Uwe Harttgen steht hinter Marc Fascher und verlängerte den Vertrag mit dem RWE-Trainer. Da das entgegen diverser Gremienentscheidungen geschah, gereichte es ihm jetzt zum Nachteil.

Man hat es kommen sehen: Heute gab Rot-Weiss Essen bekannt, dass der Verein sich von Sportvorstand Dr. Uwe Harttgen getrennt hat. Dies teilte Christian Hülsmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Traditionsvereins von der Hafenstraße, am Dienstag, 24. März, auf einer Pressekonferenz mit. Harttgen wurde Anfang vergangenen Jahres eingestellt, um einen Probelauf für einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga zu starten. Das Experiment ist offiziell gescheitert, Rot-Weiss spricht von einem Vertrauensbruch.

Der Aufsichtsrat hat sich einstimmig zu diesem Schritt entschlossen. Als Gründe wird neben diversen inhaltlichen Tatbeständen vor allem ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Dr. Harttgen und dem Aufsichtsrat sowie dem 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Michael Welling angegeben. Die Vertragsverlängerung mit Trainer Marc Fascher entgegen anderslautender AR- und Vorstandsbeschlüsse war schließlich ausschlaggebend. Der Boykott der Fans blieb dagegen ohne Einfluss auf die Gremienentscheidung, betont der Verein.
Nach etwas über einem Jahr ist die Amtszeit von Uwe Harttgen schon wieder beendet. Sein Dienstverhältnis wurde fristlos gekündigt. Rot-Weiss Essen bedauert, diesen unumgänglichen Schritt gehen zu müssen, "doch war das Vertrauensverhältnis zwischen Dr. Uwe Harttgen und dem Kontrollgremium sowie seinem Vorstandskollegen Prof. Dr. Michael Welling nachhaltig zerstört." Letztendlich ausschlaggebend war vor allem, dass Harttgen ohne Absprache Personalverträge geschlossen hat und dass er den Aufsichtsrat sowie den Vorstandskollegen nicht über die bereits realisierte Vertragsverlängerung mit Trainer Marc Fascher informiert hatte, berichten die Vereinsverantwortlichen.

"Hatten uns bemüht, Harttgen zu integrieren"

Christian Hülsmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins, führt aus: „In der gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand im Februar hat uns Dr. Harttgen unter dem Tagesordnungspunkt ‚Sonstiges‘ darüber informiert, dass er beabsichtigt, den Vertrag mit Trainer Marc Fascher vorzeitig zu verlängern. Wir haben uns in dieser Sitzung gemeinsam darauf verständigt, das Thema erst in der März-Sitzung zu besprechen und final zu entscheiden. In der turnusmäßigen gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat am 10. März habe ich daher das Thema wieder angesprochen und zur Diskussion gestellt. Nach einer intensiven Diskussion mit unterschiedlichen Meinungen und Argumenten, in der sich auch der 1. Vorsitzende gegen die Vertragsverlängerung ausgesprochen hat, haben wir dann gemeinsam entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern, weil eine inhaltliche Notwendigkeit zu dem Zeitpunkt nicht geboten erschien. Erst am Folgetag hat uns Herr Harttgen dann per E-Mail darüber informiert, dass er den Vertrag mit Marc Fascher schon längst verlängert hatte. Ohne auf die formellen Besonderheiten detailliert eingehen zu wollen, empfinden sowohl der Aufsichtsrat als auch der Vorstandsvorsitzende dieses Verhalten als einen Bruch des für die gemeinsame Arbeit bei Rot-Weiss Essen notwendigen Vertrauensverhältnisses.“
Christian Hülsmann führt weiter aus, dass gerade nach dem erfolgreichen Abschluss des Insolvenzverfahrens eine vertrauenswürdige, auf Transparenz und Budgettreue ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen den Gremien ein hohes Gut des Vereins darstellt und dass der Verein sich hier den Werten Solidität, Verlässlichkeit und wirtschaftlicher Vernunft verpflichtet fühlt. Diese Werte seien durch das Handeln von Dr. Uwe Harttgen verletzt, weshalb eine Fortführung der Zusammenarbeit nicht mehr in Frage kam.
Hülsmann weiter: „Wir haben uns im letzten Jahr sehr darum bemüht, Uwe Harttgen in den Verein zu integrieren und ihm die besonderen Werte von Rot-Weiss Essen nahezubringen. Doch leider gab es immer wieder Vorkommnisse, die das gemeinsame Arbeiten erschwert haben. Dessen ungeachtet danken wir Uwe Harttgen für seinen Einsatz für Rot-Weiss Essen; die Zusammenstellung des starken Kaders für die laufende Saison ist vor allem sein Werk.“

Trainer steht nicht zur Disposition

Prof. Dr. Michael Welling, 1. Vorsitzender des Vereins ergänzt: „Natürlich sind wir enttäuscht, diesen Schritt gehen zu müssen. Wenn eine auf mehrere Jahre angelegte Zusammenarbeit schon nach über einem Jahr beendet wird, dann fühlt sich das auch für uns ein wenig wie eine Niederlage an. Wir waren überzeugt, dass wir mit der Auswahl von Dr. Uwe Harttgen den für den Verein richtigen Entschluss gefasst haben. Eine Wiederbesetzung der Stelle steht bis auf Weiteres nicht zur Debatte. Ohnehin steht ein Großteil des Kaders auch noch in der nächsten Saison unter Vertrag; bezüglich möglicher Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen verfügen wir über ausreichend sportfachliche Kompetenz.“
Dem Verein ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass Marc Fascher als Trainer in keiner Weise zur Disposition steht oder stand. Vielmehr hat sich Marc Fascher im Kontext der unabgesprochenen Vertragsverlängerung einwandfrei verhalten und wird aus Vereinssicht in diesem Zusammenhang von vielen Fans zu Unrecht kritisiert. Prof. Dr. Michael Welling dazu: „Wir sind sicher, dass Marc Fascher diese unnötige Unruhe wegstecken kann und für die kommenden Aufgaben sogar Kraft daraus ziehen wird.“

Kritik am Boykott der Ultras

Mit Blick auf den Boykott mancher Fangruppen führt Welling aus: „Die Boykotterklärung der Fans war in dieser Situation alles andere als hilfreich. Zwar hat sie uns in der Entscheidungsfindung nicht beeinflusst, zeugt jedoch nicht von dem Vertrauen, welches wir uns in dieser Situation gewünscht hätten. Wir haben zwar auch den Zuspruch der 'Arbeitsgemeinschaft Westtribüne' vernommen, doch wäre es besser gewesen, dieses Vertrauen dadurch zu zeigen, dass man sich geduldet, wie wir entscheiden, statt diese Boykotterklärung auszusprechen. Kritik ist immer willkommen und gerade für einen Verein wie Rot-Weiss Essen unumgänglich, weil die besondere Nähe zu den Fans diesen Verein auszeichnet. Ein Ultimatum bzw. ein Boykott ohne zeitliche Beschränkung ist allerdings – unabhängig von der Sache – keine Grundlage für einen gemeinsamen Dialog oder eine gemeinsame Lösung, sondern verhindert dieses eher. Es ist mehr als bedauerlich, dass wir daher an dieser Stelle gezwungen sind, überhaupt dazu Stellung zu beziehen statt über die eigentliche Sache zu sprechen.“

Hintergrundinfos zu rechtlichen Konsequenzen, Finanzen und der Personalie Marc Fascher gibt's jetzt hier in einem eigenen Artikel zum Thema.
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1 Kommentar
Sabine Pfeffer aus Essen-Süd | 24.03.2015 | 11:25  
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