30 Jahre "ein Teil der Dinge in Schonnebeck"

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Das vorerst letzte Marktfest fand 1993 statt. 2010 reaktivierte der Werbeblock um Rainer Schwendowius (Sparkasse, 2.v.l.) und Siegfried Brandenburg (Freizeitheim, beide eingerahmt von Paddy und Miss Money Penny von der Band Ring of Kerry) die Idee. 2013 geht das Fest in die vierte Auflage. Foto: Gohl
  Schacht Friedrich-Joachim geschlossen, Zollverein vor der Aufgabe. Der Marktplatz – ein von Lochfraß befallenes Ortszentrum. Kurzum: Vor dreißig Jahren waren die Aussichten für Schonnebeck wenig rosig. Anstatt Trübsal zu blasen, fassten ansässige Geschäftsleute den Entschluss, dem endgültigen Niedergang entgegenzuwirken – es war die Geburtsstunde des Schonnebecker Werbeblocks.

Maßgeblichen Anteil an der Gründung besaß Wilhelm Rohmann, der an den Zusammenhalt der örtlichen Kaufmannschaft appellierte. Doch der engagierte Schonnebecker durfte nicht mehr lange auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten. „Der Tod ereilte ihn plötzlich und unerwartet auf der Huestraße, als er in Angelegenheiten der gerade gegründeten Gemeinschaft unterwegs war“, erinnerte das Wochenblatt anlässlich seines zehnten Todestages.

39 Mitglieder führten Rohmanns Vermächtnis fort. „Wir als Geschäftsleute wollten etwas bewegen“, entsinnt sich Siegfried Brandenburg. Der heutige Vorsitzende und Gastronom gehört - neben Willy Brake, Willi Zimmermann und Christa Voss – zu den verbliebenen Mitgliedern, die der Gründungsversammlung beiwohnten.

Mit viel Elan bastelte der Werbeblock in den 80er Jahren an einem attraktiven Stadtteilleben. Zahlreiche Zeitungsschnipsel erinnern an die vielen Aktionen: Spendenübergaben, Kinderfeste und Gewinnspiele – die Geschäftsleute ließen sich immer wieder Neues einfallen. Besonders kreativ fiel die Puzzle-Rallye aus: Es galt, mehrere Teile zu einem Ganzen zusammenzufügen, das den Blick auf alte Landmarken im Stadtteil freigab. Wo die fehlenden Puzzlestücke aufzufinden waren? Natürlich in den Geschäften der Mitglieder. Nostalgischen Charme versprüht ein altes „Service-Scheckbuch“. Darin enthalten: Unter anderem ein Gutschein für „Dauerwurst, 3fach sortiert, 100g am Stück“ zum Preis von 99 Pfennig. Erhältlich im Rema Supermarkt an der Huestraße.

Einer der Höhepunkte war sicherlich das Marktfest im Jahre 1993. Es sollten siebzehn Jahre ins Land ziehen, bis die Idee einer zünftigen Feierei im Schonnebecker Ortszentrum wieder auflebte. Danach verlieren sich die Zeugnisse. Mitunter, weil der Sammler seine Chronistenpflicht vernachlässigte. Letztendlich verebbte aber auch der Schwung der Anfangsjahre. Sicher, der vom Werbeblock organisierte Martinszug zog durch die Straßen und gehört heute mit tausenden Laternengängern zu den größten der Stadt. Doch viele Läden von anno dazumal wurden aufgegeben, Mitglieder verstarben. Kurz vor der Jahrtausendwende zählte der Werbeblock gerade mal 13 Mitstreiter.

Es war an der Zeit, eine Offensive zu starten. Mit Erfolg: Der Vorsitzende begrüßte in nur fünf Jahren 30 neue Mitglieder. Viele neue Gesichter. Die Ziele sind die alten: Die Kaufleute wollen etwas bewegen. Und zwar nicht nur Weihnachtsbäume über die Huestraße. Bei vielen wichtigen Themen, die den Fortbestand des gesamten Stadtteils betreffen, positioniert sich der Werbeblock eindeutig. Und nimmt Einfluss. Nicht zuletzt, weil der Vorsitzende Brandenburg gleichzeitig als Ratsherr fungiert.

Der 59-Jährige blickt zufrieden auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurück: Schonnebeck genießt heute einen Ruf als ruhiges Wohnpflaster, mit dem Aldi-Verbleib und den Neubauten an der Hallostraße und Garnbleiche wurden drei wichtige Baustellen geschlossen. Freilich, all dies sei nicht der alleinige Verdienst der Geschäftsvereinigung. Doch Siegfried Brandenburg ist überzeugt: Der Werbeblock, er ist „ein Teil der Dinge in Schonnebeck“.
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