Essen 2017 Grüne Hauptstadt Europas: Von der Nische zum „Mainstream“

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Rob Hopkins (li.) freut sich über die Lebensmittel-Tauschbörse in Essen. Foto: cd
 
Tauschten Kärtchen: Rob Hopkins und Simone Raskob. Foto: cd
Essen: Essen Süd | Der Gründer der weltweiten Bewegung „Stadt im Wandel“ (Transition Town) gab Tips für Essen:

Der berühmte Rob Hopkins hat einen leichten Sonnenbrand: Er war in Essen auch viel im Freien und freut sich jetzt auf das kühle Untergeschoss der VHS. Wo er ein paar Erfolgsgeschichten aus „Transition Towns“ von überall auf der Welt erzählt.

Dieser „Wandel“ ist jetzt auch ein großes Thema in dieser Stadt. Denn 2017 trägt Essen den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“. Und wir alle müssen noch ein bisschen was dafür tun. Deswegen ist auch die Beigeordnete Simone Raskob, die mit ihrer Bewerbungs-Präsentation in Bristol im zweiten Anlauf den Pitch für Essen entschieden hat, an diesem Abend hier bei Rob. Sie hat mit allen „grünen“ Pluspunkten der Stadt gewuchert. Und damit den Weg frei gemacht für Europäische Fördergelder und Landesmittel, die nun der Lebensqualität in Essen nachhaltig zu Gute kommen sollten.

Wir waren dabei, als sich das offizielle Essen, vertreten von Simone Raskob als Frau Dezernentin soviel wie eine Stadt-Ministerin und das eher unkonventionelle Transition-Town-Netzwerk von Rob Hopkins kennenlernten. Und Visitenkärtchen tauschten. Machten wir auch und hatten Gelegenheit, für unsere Leser mit Rob Hopkins, dem Gründer von „Transition Town“ vor der voll besetzten Veranstaltung zu sprechen.

Lieber Rob Hopkins, wie gefällt Ihnen Essen?


Rob Hopkins: Ich sehe viel Grün und komme gerade aus einem Gemeinschaftsgarten im Siepental, der hat mir gut gefallen. Auch das Team von Transition Town Essen ist gut drauf und leistet gute Arbeit dort. Der Titel Grüne Hauptstadt Europas ist immer eine große Chance für eine Stadt. Macht was draus!

Sie haben vor 10 Jahren in Totnes / England begonnen, Wege aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu suchen und haben mit vielen kleinen Maßnahmen auch ein ganz neues Gefühl für Lebensqualität schaffen können. Totnes verbraucht heute weniger natürliche Ressourcen und setzt auf erneuerbare Energien, Abfallvermeidung und Gemeinschaftsgärten zur Selbstversorgung. Und ist damit zum Vorbild für viele Städte in der ganzen Welt geworden. Haben Sie auch ein paar Tips für Essen?

Rob Hopkins: Es ist eigentlich ganz einfach, man muss es nur machen! Wir haben die Menschen zusammen gebracht: So haben Menschen mit Garten ihren für andere ohne Garten zur Verfügung gestellt. Sie wurden an der Ernte beteiligt. Alle waren zufrieden. Jeder nach seinen Möglichkeiten. So haben wir uns vorgenommen, zum Beispiel 10 % Prozent von unseren Einkäufen beim heimischen Bäcker, Metzger oder auf dem Wochenmarkt zu machen. Das stärkt die heimischen Geschäfte, das Geld bleibt in der Stadt. Wir werden unabhängiger von Importen. Auch in der Bauwirtschaft sind wir neue Wege gegangen und haben angefangen heimische Materialien zu verwenden. Das ist preiswerter, mit Stroh und Lehm werden natürliche Rohstoffe verwendet, ohne jede Gesundheitsgefahr. Wir fahren weniger mit dem Auto, mehr mit dem Fahrrad. Es gibt Rikschas und Lastenräder. All das hat zum Umdenken beigetragen und vor Ort die Lebensqualität erhöht.

Beim Interview sind wir ein bisschen rumgegangen und stehen vor dem Stand einer Tauschbörse für Lebensmittel, das gefällt Rob gut. Hier kann jeder etwas Essbares mitnehmen oder abgeben, das sonst im Abfall gelandet wäre, obwohl noch zu genießen. Und jeder Besucher kann auch ein Stück Brot mit Nusscreme oder Gemüsecreme probieren.

Rob Hopkins: Lebensmittel-Verschwendung ist nie gut. Es ist Verschwendung von natürlichen Ressourcen und Produktionszeiten. Wenn man das vermeiden kann, ist schon viel gewonnen. Aus organischem Abfall kann Biogas produziert werden. Kreisläufe entstehen und neue Arbeitsbereiche. Es gibt viele Möglichkeiten, auch in einer großen Stadt „grün“ zu leben und zu arbeiten. Denn wir müssen uns langsam aber sicher auf die Zeit nach Öl und Kohle vorbereiten. Kommunikation ist das Wichtigste und lässt Menschen zusammen kommen, die sich sonst nie treffen würden. Nach 10 Jahren Transition Town in Totnes machen wir dort jetzt immer öfter den Schritt aus der Nische hinaus in den Mainstream. Echtes lokales Business, von dem die Menschen auch leben können.

Zum Beispiel?

Ich habe übrigens eine Brauerei gegründet. Das passt gut, denn natürlich trinke ich auch privat gern ein gutes Bier. Wir sind viel geselliger geworden und es sind viele gute Nachbarschaften und Freundschaften entstanden. Das wünsche ich auch für Essen - The Next Green Capital of Europe! Gluck auf und Prost!
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