Für den Abrissbagger zu schade: Landespolizeischule an der Norbertstr. braucht eine neue Zukunft

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Die denkmalgeschütze Polizeischule an der Norbertstrasse ist keine Schönheit auf den ersten Blick - nach fachgerechter Sanierung dürfte sich das aber ändern. Wichtige Gebäude unserer städtischen Architekturgeschichte wurden bisher allzuoft leichtfertig abgerissen bzw. dem endgültigen Verfall überlassen.
Essen: Bredeney | Ohne Frage kann die Polizei in Essen keine über 80 Jahre alten Polizeikasernen gebrauchen, in die seit Jahrzehnten fast nichts zum Erhalt und erst recht nichts zur Modernisierung investiert wurde. Polizisten wie auch Bürger*innen können zu recht verlangen, dass endlich in funktionsfähige Gebäude für den Essener Standort der Landespolizeischule investiert wird. Wenn für die denkmalgerechte wie technisch-funktionale Generalsanierung der früheren „Polizeikasernen“ und der angeschlossenen Sportplatzanlagen an der Norbertstr. tatsächlich über 150 bis 200 Mio € veranschlagt werden müssen, ist eine Denkpause angemessen. Die erneute Suche nach einem anderen, finanziell günstigerem und schneller zu verwirklichendem Standort kann hier sinnvoll sein, selbst wenn bisher schon zwei Alternativstandorte gescheitert sind. Jetzt mögliche freie Kapazitäten auf dem riesigen Areal des benachbarten Karstadt-Hauptverwaltungskomplexes zu prüfen, ist sicherlich eine nachvollziehbare Option.

Land NRW darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen

Wenn jetzt allerdings wieder immer lauter die Forderung nach Abriss und Neubau der seit rund 30 Jahren denkmalgeschützten Gebäudeanlage in bestem Bauhausstil aufgeworfen wird, ist das der falsche Weg. Wir dürfen den Eigentümer Land NRW nicht so leicht aus seiner Verantwortung für architektur- und kulturgeschichtlich bedeutsame Gebäude entlassen. Wie will das Land NRW gegenüber anderen Immobilienbesitzern die Verpflichtungen des Landesdenkmalschutzgesetzes durchsetzen, wenn Gebäude wie an der Norbertstr. über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben werden. Es gibt Landesinstitute, Universitätseinrichtungen oder Privatnutzer, für deren Zwecke die denkmalgerechte Sanierung nicht derartige Summen verschlingen muss, wie es für einen modernen Polizei und Ausbildungsstandort notwendig wäre. Bei einer nicht-polizeilichen Nutzung wäre die Öffnung des Areals zum Stadtteil natürlich erheblich leichter.
Abriss und gesichtslose Neubauten sollen keine Stadtteilzukunft bestimmen. An der attraktiven Gewerbeachse entlang der A 52 darf grundsätzlich hohe Investitionsbereitschaft vorausgesetzt werden. Sanierungen unter dem Denkmalschutz ermöglichen hier Umbauprojekte, die der Essener Wirtschaftsentwicklung als Visitenkarte dienen können, das ist zumindest die Position der Grünen Fraktion im Stadtrat. Neben einem sanierten Grugabad und der wiederbelebten Karstadthauptverwaltung wären die früheren Polizeikasernen dann eine wichtige Abrundung bundesweit bekannter Architekturikonen.
Wenn schließlich doch noch die Verlängerung der U11oder der U17 in dieses Stadtquartier ernsthaft in Planung gesetzt wird, hätten wir gemeinsam mit dem Denkmalschutz positive Wirtschaftsentwicklung geleistet.
Walter Wandtke
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Andrè M. Pietroschek aus Essen-Ruhr | 15.07.2017 | 02:06  
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Joachim Drell aus Essen-Nord | 15.07.2017 | 10:51  
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