Das Ende einer Ära - Fachklinik Kamillushaus fusioniert mit den Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel

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Drei für eine gemeinsame Klinik-Zukunft: Pater Dietmar Weber (Seelsorger Fachklinik Kamillushaus), Dr. Bernd Wessel (Leitender Arzt Kamillushaus und Martin Blasig (Geschäftsführer Kliniken Ruhrhalbinsel/v.l.).
 
Dr. Bernd Wessel erläuterte das medizinische Konzept der Fachklinik Kamillushaus in Werden.
Pressetermin in der Fachklinik Kamillushaus. Es geht um die Zukunft des Traditionshauses und die Fusion mit den Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel. Eigentlich ein emotionsloser Termin, vollgepackt mit Zahlen und warmen Worten. Doch spätestens beim ersten Blick in die Augen von Pater Dietmar Weber, Seelsorger der Fachklinik, wird klar, dass die Emotionen bei den Kamilianern dicht unter der Oberfläche nur darauf warten, auszubrechen.

112 Jahren waren die Kamillianer, die in direkter Nachbarschaft der Fachklinik ihr Pronzialat haben, für suchtkranke und suchtgefährdete Menschen in Essen da und kümmerten sich erst persönlich um die Suchtkranken und später, als die Entwicklung der Therapieeinrichtungen immer mehr in die Hände von Medizinern und Sozialarbeiten und Sozialtherapeuten gelegt wurde, waren sie als Betreiber und Seelsorger der Klinik um das Wohlergehen der Kranken bemüht.
Verständlich angesichts dieser langen Geschichte, dass auch ein wenig Wehmut in der Stimme von Pater Dietmar Weber mitschwang als er die Fusion offiziell bestätigte. „Seit 112 Jahren gehören die Kamillianer und die Fachklinik Kamillushaus zusammen. Doch die Entwicklung im Gesundheitswesen in den letzten Jahren hat auch uns Grenzen aufgezeigt. Wir haben immer wieder die Bilanz des Hauses ausgeglichen, im vergangenen Jahr etwa mit rund 130.000 Euro, um notwendige Investitionen zu ermöglichen. Aber irgendwann ist bei uns das Ende der Möglichkeiten erreicht. Zudem müssen wir an die Zukunft denken.“
Wie für viele Krankenhäuser mit einer Belegstärke von rund 200 Betten und Reha-Einrichtungen wie das Kamillushaus birgt die Abrechnungspolitik die große Gefahr eines enormen Sanierungsstaus. Selbst der normale Betrieb kann nur bei einer Belegung von rund 98 Prozent kostendeckend arbeiten. „Wenn wir dann wegen der Sanierung einiger Räume oder auch wegen der normalen Schwankung in der Belegung nur auf 92 Prozent kamen, dann konnten wir dieses betriebliche Minus nicht mehr ausgleichen.“

„Seit 112 Jahren gehören die Fachklinik und die Kamillianer zusammen. Doch wir mussten auch an die Zukunft denken.“

Angesichts dieser Entwicklung kamen die Kamillianer trotz des ungebrochen guten medizinisch guten Rufes des Hauses an den Punkt über eine Kooperation oder sogar eine Fusion nachdenken zu müssen. Pater Weber erläutert die Entwicklung bis zu diesem Schritt: „Wir hätten fahrlässig gehandelt, wenn wir nicht über dieses Thema nachgedacht hätten. Als wir uns intensiv damit beschäftigt haben, waren die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel nicht nur wegen der konfessionellen Nähe einer unserer ersten Ansprechpartner.“ Nicht zuletzt dank des erstklassigen medizinischen Rufes des Kamillushauses, waren die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel mit Geschäftsführer Martin Blasig schnell angetan von dieser Idee. Blasig erklärt: „Wir haben viele Synergieffekte entdeckt und wollen diese in Zukunft auch nutzen. Außerdem können wir Alltagsprobleme wie einen zu hohen Krankenstand nun viel schneller ausgleichen ohne auf externe Ressourcen zurückgreifen zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass sich beide Einrichtungen zunächst dem Patienten und dann erst der finanziellen Absicherung der notwendigen Behandlung kümmern. Das ist wichtig.“
Wichtig ist Martin Blasig auch zu erwähnen, dass sich kein Angestellter des Kamillushauses Gedanken um seine Anstellung machen muss. „Auch wenn in Zukunft mal ein Ärztebrief vom St. Josef-Krankenhaus im Kamillushaus geschrieben werden muss oder umgekehrt.“ Für die Zukunft wollen die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel als neuer Betreiber auch noch eine weitere Station mit sechs bis acht Betten schaffen, um das Belegungspotenzial des Kamillushauses noch zu erhöhen. „Außerdem haben wir jetzt eine noch etwas bessere Position, wenn es um Verhandlungen mit den Krankenkassen geht. Das ist auch nicht zu verachten.“

Kein Angestellter des Kamillushauses muss sich Gedanken um seinen Arbeitsplatz machen.

Während Martin Blasig sich um den Alltag des Kamillushauses so seine Gedanken macht und viele Ideen für die zukünftige Ausrichtung des Hauses hat, lässt Pater Dietmar Weber seine in eine andere Richtung schweifen. „Wir bleiben als Seelsorger und geistiger Beistand im Hause tätig. Außerdem haben wir ja noch mal den ein oder anderen Euro als Fördermittel übrig. Da müssen wir schauen.“ 112 Jahre gemeinsame Geschichte lassen sich eben nicht über Nacht abschütteln. Erst recht nicht als Kamillianern.

Hintergrund:
Seit 1901 nahm sich die Fachklinik Kamillushaus unter der Regie der in Heidhausen ebenfalls ansässigen Kamillianer suchtkranken Mitbürgern an. Nur während der beiden Weltkriege und zwischen 1945 und 1952 als in Heidhausen die ausgelagerte Innere Medizin der noch vom Krieg zerstörten städtischen Kliniken residierte, nahmen sich die Kamilianer nicht der suchtgefährdeten Menschen an. Der Therapieschwerpunkt liegt auf Alkoholabhängigkeit. In allen Abteilungen werden Begleiterscheinungen wie Depression, ADHS, Burnout und viele andere Folgeerkrankungen mit behandelt. In der Institusambulanz werden auch langfristig Behandlungen nach einer stationären oder tagesklinischen Suchttherapie behandelt. Insgesamt stehen im Kamillushaus 115 Therapieplätze zur Verfügung.
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