Auf Sparflamme

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  Groß ist das Gelände. Und eine gute Anbindung hat es auch, denn es liegt genau neben der S-Bahnstation Essen-Frohnhausen und kann zu Fuß in weniger als fünf Minuten erreicht werden. Was für die zukünftigen Anreisenden, sollten sie kein Auto haben, ein enormer Vorteil ist. Und es werden viele anreisen. Denn auf dem Gelände wird gerade die neue Moschee gebaut, die der muslimischen Bevölkerung der Stadt Essen als neues Gemeindehaus und Kulturzentrum dienen soll. Um allen Interessierten schon einmal einen Einblick in das Entstehende zu geben, lädt der DITIB (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion) zum ersten Gemeindefest des Jahres.
„Es ist wunderbar, wie groß der Andrang heute auf unserem Fest ist und dass auch alle Altersgruppen hier vertreten sind“, meint Murat Karaca, Vorsitzender des DITIB und verweist auf die zahlreich erschienenen Leute, die sich an den verschiedenen Infoständen tummeln oder gemütlich zusammensitzen und es sich bei türkischem Essen, Kaffee und Kuchen und Tee gut gehen lassen und dem musikalischen Bühnenprogramm lauschen. „Wenn alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, wird es in diesem Jahr noch vier weitere Gemeindefeste geben, wozu natürlich wieder jeder herzlich eingeladen sein wird“, erzählt Karaca weiter.
Im Mittelpunkt des Gemeindefestes steht, neben dem guten Miteinander, der Bau des neuen Gemeindehauses. Man mag es kaum glauben, aber der Bau der neuen Moschee und des ihr angegliederten Kulturzentrums wird alleine aus Spenden finanziert. Auch die Einnahmen des Gemeindefestes fließen in den Weiterbau.
„Wer uns kennt weiß, dass wir bisher an der Helenstrasse zu finden waren. Aber die Räumlichkeiten der bisherigen Moschee sind nicht mehr ausreichend, um allen Gläubigen Platz zu bieten. Also haben wir uns 2004 dazu entschieden, ein modernes islamisches Kulturzentrum zu bauen. Hierfür haben sich das Gelände und die ehemalige Lagerhalle des einstigen Schuhhauses Böhmer wunderbar geeignet“, erklärt Karaca.
Im Jahr 2008 erhielt der Verein die Baugenehmigung und zwei Jahre später wurde mit dem Bau begonnen. Da sich alles ausschließlich über Spenden finanziert, kann noch nicht abgesehen werden, wann der Umbau beendet sein wird. Momentan läuft hier alles etwas auf Sparflamme.
„Wir wollen auf einer Fläche von knapp 6400 Quadratmetern Gebetsräume, Schulungsräume für etwa Sprachkurse, einen Frauentreff, eine Sportfläche, eine Bibliothek, einen Jugend- und Seniorentreff und ein Café schaffen. Sehr bei der Realisierung helfen und wie gesagt Gemeindefeste und etwa 50 Geschäfte, die uns unterstützen. Sehr stolz sind wir dabei auf unsere Kuppel, bei der es sich um die größte selbsttragende Kuppel in ganz Europa handelt“, ergänzt Karaca.
Wie weit es mit den Bauarbeiten steht, davon kann man sich an dem Tag selbst überzeugen. Es werden stündlich Führungen auf türkisch und deutsch angeboten (auch unabhängig vom Gemeindefest werden auf Anfrage Führungen angeboten), geleitet von Gölkhan Fidan. Dieser führt durch den (noch) Rohbau und erklärt, wie alles später einmal aussehen soll.
„Das Gebäude ist in mehr oder weniger zwei Ebenen unterteilt. Oben, also direkt unter der Kuppel, ist der große Gebetsraum, der Platz für etwa 900 Personen bietet. Die Kuppel ist aus Aluminium und sehr lichtdurchlässig. Hinten im Raum wird es eine Sanitäranlage geben, in der die Gläubigen die rituelle Waschung vor dem Gebet durchführen können. In der unteren Etage finden sich die kulturellen Räume, also die Treffs, die Sporthalle, das Café und auch einen kleineren Raum mit einer Bühne für Veranstaltungen“, erklärt Fidan. „Wenn das alles fertig ist, wurde wirklich viel geschafft.“
Vermutlich wird das aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zeit genug also noch ein paar Gemeindefeste zu veranstalten und zu besuchen.
„Ich finde es durchaus verständlich, wenn man uns und unserer Religion ein gewisses Maß an Misstrauen entgegenbringt. Denn alles, was einem neu und nicht vertraut ist, flößt einem zuerst etwas Angst ein. Aber genau deshalb laden wir alle Menschen herzlich dazu ein, zu uns zu kommen und sich mit uns zu unterhalten. Ich finde es immer sehr verletzend, wenn mir eine Person gegenüber steht, für die das Wort Islam automatisch mit Terror und Terrorismus gleichgesetzt wird. Wir wollen damit nichts zu tun haben. Wir wollen die Leute informieren und bauen auf ein gemeinsames Miteinander und gute Nachbarschaft“, so Murat Karaca.
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