Gefriertruhe on Tour, oder: "Hair" als Brüllwürfel

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"Hair" on Tour. Vor wenigen Tagen machte die bunte Truppe Station im Colosseum Theater. Foto: Veranstalter

Es ist eines der erfolgreichsten Musicals weltweit: "Hair". Es gilt als Meilenstein der Popkultur der späten 1960er Jahre. Nun konnten die Besucher des Colosseum-Theaters die Zeitreise in die Hippie-Bewegung wagen und sich auf zeitlose Hits wie "Aquarius" und "The Flesh Failures (Let the Sunshine in)" freuen.

Im Mittelpunkt des Musicals, das mit dem 68er-Motto "Make love, not war" heute so aktuell wie damals ist, steht der aus patriotisch-bürgerlichen Verhältnissen stammende Claude H. Bukowski und die Hippie-Truppe von George Berger und seinen Freunden. Der zu seiner Einberufung nach New York gereiste Claude wird immer mehr in einen inneren Konflikt getrieben. Wird er seine neu erworbenen, pazifistischen Ideen ignorieren und als Soldat in Vietnam seinem Land dienen und Menschen töten?
"Hair" ist üblicherweise eine farbenfrohe Inszenierung, die nicht nur Geschichtsstunde ist, sondern zugleich ein schräger Ausflug auf den Spuren von Freier Liebe, LSD und Aufbegehren gegen den Vietnamkrieg.
War es auch diesmal, doch leider gab's zugleich auch eine ganze Reihe von Fehltritten, die einen Teil des Publikums dazu veranlassten, schon in der Pause oder während der Zugabe von dannen zu ziehen.
Was, so fragt sich der geneigte Betrachter, will uns die Coke-Gefriertruhe sagen, die immer wieder auf ein Neues über die Bühne gezogen wird? Ach ja, sonst hätte es gar keine beweglichen Elemente beim Bühnenbild gegeben, das den Namen sowieso nicht verdient.
Und: Einige Mitglieder der Cast haben eigentlich ganz gute Stimmen, manche - wie auch Hauptdarsteller Brett Travis (Berger) - erreichen jedoch schnell ihre Grenzen. Was bei gemeinsam gesungenen Liedern dann leider zum Gesangsbrei in Brüllwürfel-Qualität verkommt. Kraftvolle, klare und mit Hingabe gesungene Welthits? Leider Fehlanzeige.
Zum "Creative Team" soll übrigens auch ein Choreograph namens Michael Burnie zählen. Ob er tatsächlich einmal mit der Truppe, die eher gelangweilt und wenig kreativ ihre Arbeit abliefert und entsprechend nur mäßigen Applaus erntet, geprobt haben sollte?
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1 Kommentar
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Jürgen Daum aus Duisburg | 12.04.2016 | 11:23  
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