Der ungewöhnlichste DIEBSTAHL

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Deutschunterricht mal total anders, mit Nimmerland - Theaterproduktion, die in die Schule kommt. Ein Augenschmaus die sehr temperamentvolle Darstellerin Stefanie Adam. So macht Schule Spaß am Lernen, Mitmachen. Fotos: Gohl
  Altendorfer Grundschüler helfen „Händlerin der Worte“!

Das hätte Konrad Duden erleben müssen. Der hätte einen Luftsprung gemacht, gerufen: „Spitze!“. Kann das Wörterbuch-„Genie“ leider nicht, ist lange tot. Aber das Theaterstück „Händlerin der Worte“ ist so genial, dass es vom DUDEN unterstützt wird, 2010 von der bayerischen Schulkommission als empfehlenswert ausgezeichnet wurde. Der Rektor der Schule an der Heinrich-Strunk-Straße hatte den richtigen Riecher. Was da in der Schul-Sporthalle passierte, riss die Pennäler richtig vom Hocker.


Zunächst zur Theorie. Moment! Es wird keine trockene Kost sondern glitzernd bunt angerichtet, verlangt nach Mehr. Rektor Frank Tollmien verdeutlicht: „Wir haben in diesem Halbjahr und auch im nächsten ein Projekt gestartet „Theater ganz nah“, das zwei Ziele verfolgt: Kindern aus zum Teil bildungsfernen Elternhäusern eine kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Ferner: Die Sprache in den Mittelpunkt des Deutschunterrichts zu stellen, da ohne Sprachbeherrschung sich nur wenige Bildungschancen eröffnen.“

Wie bringt man die spielerisch an die Kinder? Mit einer ungewöhnlichen Deutsch-Stunde. Die Theater-Produktion Nimmerland kommt mit „Händlerin der Worte“ in die Schule. Temperamentvoll, mitreißend schafft das Darstellerin Stefanie Adam, als Marktfrau in einer Ausnahmesituation. Ihr wurden Wörter, die zum Zusammenleben unter den Menschen sehr, sehr wichtig sind, gestohlen. Sie umschreibt sie, da sie die ja nicht mehr nennen kann. Spielerisch geht sie mit Worten, deren Bedeutung, deren Zuordnung um. Die Wörter werden in einer Maschine gemixt. Kinder können mitarbeiten, die richtigen zu finden. Das macht Riesen-Spaß, so dass die Halle von Schülerschreien richtig bebt.

„Die Begeisterung der Kinder bringen wir dann in den Unterricht“, so der Schulleiter. Hintergrund: „Wir haben circa 80 % Migranten von 204 Schülern.“
Logisch, dass nur zwei Veranstaltungen an einem Tag nicht plötzliche Sprach-Wunder vollbringen. Mit „Nimmerland“ wurde ein drei-Jahre Kooperation-Projekt abgeschlossen. Mit insgesamt fünf Theaterstücken. „Ein Paradebeispiel, wie unterrichtliche Themen den Schülern in einer faszinierenden, begeisternden Form vermittelt werden können. Um diesen Mehrwert des Stückes zu festigen, finden Vor- und Nachbereitung im Unterricht statt, zu denen die Theaterproduktion Nimmerland begleitendes Material erarbeitet hat“, ergänzt Tollmien.

Wer soll das bezahlen? „Weil wir uns so ein tolles Theater nicht leisten können, das Jugendamt von der Idee so angetan war, hat es uns unterstützt.“Strahlen auch bei Anne Konincks, Schnittstelle zwischen Jugendamt und Schule. Durch ihre Überzeugungsarbeit machte sie 2400 Euro locker. In den Geldern ist Unterrichtsmaterial enthalten.

Eine weitere kulturelle Veranstaltung „Kunsthandwerk“ wurde ins Haus geholt, die den Kindern Handwerk erläuterte, mit Unterrichtsmaterial, zum Thema Sprache, Kultur.

Unverblümtes vom Schulleiter:
„Viele Eltern aus Altendorf können sich Theaterbesuche nicht leisten. Entscheidend ist immer, dass man die Kinder dort abholt, wo sie stehen. Altendorf hat einen anderen Stand als Kettwig oder Werden. Das ist einfach so. Wir wollen Freude und Spaß mit dem Theater erzeugen. Nur wer Spaß empfindet, lernt auch gut!“

Das Positive: „Wir würden gerne im zweiten Halbjahr versuchen, eine Theater AG zu gründen. Der Effekt: Kinder müssen Texte lernen, sich darstellen, präsentieren; das bringt Mut, Selbstvertrauen, die Persönlichkeit wird entwickelt, macht selbstsicher.“



Stimmen zur „Händlerin der Worte“
Sara Bäcker, Lehrerin: „Sehr schön. Die Kinder machten begeistert mit. Haben geklatscht, Fragen beantwortet. Viele Lieder zur Musik gesungen, das belebte das Stück.“
Asva, sieben Jahre: „Das Lied von der Höflichkeit gefiel mehr sehr, weil ich mitsingen konnten: Denkt daran, seid gescheit, weiter kommt man nur mit Höflichkeit!“
Olivia, sieben Jahre: „Das Traumlied war sehr schön. Und als ein verlorenes Wort gesucht wurde, nämlich Krankenhaus. Buchstaben wurden repariert mit einer Spritze, wir wurden mit Wasser bespritzt. Buchstaben wurden verbunden, um die Worte zu heilen.“
Sarvika, acht Jahre: „Das Lied: Das gelbe Ding dort am Himmel; die vielen Wörter für Sonne wie sun, soleil. Wir haben geklatscht, getrampelt.“
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1 Kommentar
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 04.02.2015 | 11:57  
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