"So wäre die Stadt schnell schuldenfrei"

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Eine übervollte Tonne am Wochenende an den Bürgersteigrand stellen - die dann bis Montag dort steht, umgeworfen wird - das geht gar nicht. Bei der Uneinsichtigkeit des Geschäfts sah Bezirksbürgermeister Klaus Persch ROT. Fotos: Debus-Gohl
 
Der Frohnhauser Werbering mit Vereinen, Privatleuten machen Dreck weg anderer Leute...
Bezirksbürgermeister platzt bei pico-bello der Kragen.

Samstag, 15 Uhr. Nach langem Regen – zack - Sonnenschein. Wenigstens Petrus hat ein Einsehen. Bestimmt, weil das Ansehen des Essener Stadtteils Frohnhausen – streckenweise - zum Himmel stinkt. Treffpunkt Gervinusplatz: Der Frohnhauser Werbering und unterschiedliche Vereinsmitglieder sind „bewaffnet“ mit Handschuhen, Müllsäcken, Zangen. Doch da platzt nach kurzer Zeit plötzlich Klaus Persch, Bezirksbürgermeister, der Kragen…

Pico-bello-SauberZauber ist angesagt. I wo, kein Zauber liegt in der Frohnhauser Luft sondern ekliger Gestank dampft aus nassen Beeten. Trotz allem, in Büschen, an Straßenrändern, krabbeln emsig Erwachsene, einige Kinder, die mit langen Holzzangen stinkende durchweichte Papierfetzen angeln, aus denen braune Brühe läuft. Igitt.

Unbeeindruckt, am Gervinuspark gegenüber, stehen am geöffneten Ladenlokal drei Männer. Rauchen, werfen danach die Kippen auf den Bürgersteig…Unbeirrt - auf der anderen Seite - stochern Frohnhauser pico bello-Mitmacher in Büsche, Beete. Ziehen tropfenden Unrat, dicken Dreck raus; rein in rote Müllsäcke; Unterstützter Entsorgungsbetriebe Essen (EBE).

Zwei Stunden Bücken, Aufheben. Die zweite pico-bello-Aktion vom Frohnhauser Werbering und Bürgerverein zieht Vereine, Verbände an. Martina Löbbert, Vorsitzende, führt auf: „Mit dabei sind Kolpinghaus, Frohnhauser Schützen, KG Hahnekopp, Bezirksvertreter, VfB-Frohnhausen, Privatleute. Wir wollen ein Zeichen setzen. Denn wenn viele Menschen zusammenarbeiten, kann was bewegt werden. Trotzdem wissen wir, dass wir Frohnhausen nicht sauber kriegen können an einem Tag. Hoffen, dass unser Beispiel fruchtet. Denn vor der eigenen Tür beginnt die Sauberkeit.“

„Eltern sollten ihren Kindern unbedingt beibringen, Papier nicht auf den Boden zu werden. Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, appelliert Udo Karnath, Ratsherr. „Dann würde man teilweise nicht über Abfall in Frohnhausen stolpern.“

Warum schleppen Sanda Becker und Kerstin Jambroszyk, Kolpinghaus Gemeinwohlarbeit, anderer Leute Mist weg? „Wir finden generell soziales Engagement sehr gut. Wichtig in der Stadt, wo wir wohnen, weil sich sonst keiner verantwortlich fühlt.“

Heidrun Weber, Patin Stadtteil Spaziergänger: „Wir möchten, dass unser Stadtteil sauber wird, also engagieren wir uns. Nicht nur Vorteile genießen, sondern Nachteile entsorgen.“

Klaus Persch, Bezirksbürgermeister blickt unverwandt vom Gervinusplatz auf die Gegenseite. Sein Gesicht zeigt Ärger! „Da am Samstagnachmittag soeben eine übervolle Mülltonne von einer Mitarbeiterin des Shops an den Bürgersteigrand gestellt wurde. Vor Montag findet keine Leerung statt, das wissen die Leute. Nach meinem Hinweis - keine Reaktion. Wäre Chef-Anweisung.“

Der Ärger von Persch stieg nach Blick auf die Bürgersteige, Straßenränder mit zig Zigarettenkippen, dicken Hundegeschäften: „Wenn ich zu sagen hätte: Für jede Kippe 5 Euro, für jeden Hundehaufen 10 Euro Bußgeld. Die Stadt wäre schuldenfrei!“

Beipflichtung von Ratsfrau Jutta Pentoch. „Immer wieder werde ich von Leuten angesprochen, wie verdreckt unser Stadtteil ist. Das stellen wir auch heute fest. Wenige machen vor der eigenen Tür sauber. Meine Bitte, dass auch andere diese Leute ansprechen. Zivilcourage zeigen! Um Frohnhausen nicht so verkommen zu lassen.“

Ekelgrimasse bei dem vier-jährigen Anton, Enkel von Hans Viebahn, VfB Frohnhausen: „Pfui. Was wir hier sammeln. Das stinkt. Bäh!“

Manfred Messing, KG Hahnekopp, müht sich vergebens mit verschiedenen Abfällen. „Bei dem Wetter keine Chance mit den Kippen; nassen, süffigen Sachen.“

Dominique Meissner, Thomas Mertinat, Winfried Meerstein, Frohnhauser Schützen, quälen sich ab an „massig Kronkorken, zig Kippen, Glasscherben in Büschen, auf Bürgersteigen. Auffallend die vielen Becher to go. Obwohl Papierkörbe gleich nebenan stehen.“
Tja, da fehlen einfach die Worte.
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3 Kommentare
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 23.03.2015 | 10:44  
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Dominique Meißner aus Essen-West | 23.03.2015 | 15:19  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 23.03.2015 | 17:02  
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