"Wunder"-barer Runder Tisch

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Zwölf kleine Kinder empfängt Kurator Werner Sonnenberg, Kurator der Ausstellung am "Runden Tisch" im Kunstraum Notkirche. Eine spannende Sache... Fotos: Schattberg
 
Was verbirgt sich denn dahinter...?
KiTa-Kinder besuchen Kunst-Ausstellung - unglaublich Erstaunliches!

Zwölf Kinder trippeln in die Ausstellung „Runder Tisch“ des Künstlers Holger Hagedorn. Knirpse der KiTa-Postreitweg und Grevelstraße betreten den Kunstraum Notkirche. Mit Begleitpersonal. Die Lütten klettern auf die Stühle. „Was macht man an so einem so großen Tisch?“ fragt Pfarrer Werner Sonnenberg. „Essen. Trinken. Sprechen!“ Wer glaubt, die schlagen sich nun den Bauch voll, macht ‚ne Bruchlandung…

Kinder und Kunst? Sind die Kleinen nicht überfordert? Im Gegenteil! Die reißen sich danach. Seit mehr als zehn Jahre setzen sich unsere Minis mit heißem Herzen regelmäßig mit Ausstellungen auseinander. „Kinder-Kunst-Kirche“ inspiriert sie, selbst künstlerisch kreativ zu werden“, bestätigt Martina Sonnenberg, Chefin Postreitweg.

Blickfang auf dem Riesentisch ist eine noch unvollendete, bunte Decke. „Am Friedensteppich wird gemeinsam gestrickt.“ Beweis für guten Zusammenhalt der Kindergärten Postreitweg und Grevelstraße. Leiterinnen Martina Sonnenberg und Claudia Gerlach strahlen.

Moment. Wer ist wer? Die fünf-jährige Pauline stellt sich vor: „Ich komme aus Deutschland…“ Große Augen machen die anderen, als Werner Sonnenberg, offenbart: „Wenn man sich den Globus anguckt, wo leben wir ? In Europa. Es gibt noch andere Erdteile. Wie Amerika. Der kleinste spanisch-sprechenden Staat in Südamerika: Uruguay. Liegt 12000 km von Essen entfernt. Da fahren wir noch mal hin, weil ich mir meinen Geburtsort angucken will!“
Dafür zeigt der fünf-jährige Jonas Verständnis. „Ich habe auch noch einen Spitznamen: Joni! Komme aus Deutschland.“ Herkunftsländer sind ferner Türkei, Syrien, Japan.

Die zierliche Alma, 5, betont: „Ich komme aus Deutschland!“ Stimmt nicht. Ihre Familien-Flucht-Geschichte ist schlimm, weiß der Pfarrer. „Daran kann man sehen, wie schnell Kinder sich integrieren. Als Familie kamen sie auf drei Fluchtwegen nach Deutschland: von Damaskus über Dubai, Frankreich, Deutschland. Die Mutter mit drei Kindern; der Vater allein auf der Flucht; die beiden Söhne auch allein. Jetzt sind sie vereint bis auf den jüngsten Sohn Tawek. Der 19-Jährige ist noch in Süddeutschland. Aufgrund des neuen Gesetzes muss er drei Jahre dort bleiben. Er sucht Ausbildung im Bereich Informatik, damit er die Chance bekommt, nach Essen überzusiedeln zu seiner Familie. Infos: Kurator Werner Sonnenberg, Telefon 740788.

„Was bedeutet für Euch Frieden“, fragt Martina Sonnenberg. Paulines (5) Finger schnellt hoch: „Dass sich die Menschen wohlfühlen!“

Kerzen werden angezündet. „Ein Runder Tisch ist auch dafür da, dass man mal Streit hat. Tut auch mal gut. Dann das Sprechen. Schlichten. Versöhnen. Wie einfach wäre es, wenn wir immer hier am Runden Tisch wären und Streitigkeiten klären, Hass auslöschen könnten…“

Auf dem Klavier spielt der Geistliche das Lied: „Brot, Brot, Danke für das Brot…“ Die Kinder stimmen ein. Im Korb liegen Brot-Quadrate. Kleine Händchen greifen sich jeweils eine Minischeibe. Nachschub folgt. „Ihr habt doch schon gefrühstückt“, lacht Martina Sonnenberg. Weintrauben werden gereicht.

Ein Schwungtuch Himmelszelt wird ausgelegt. Jedes Kind legt Hand an, der Sternenstoff schwebt auf und nieder, begleitet vom Lied „Wünsche schicken wir wie Sterne…“

Herrliche Augenblicke. „Die Kinder lernen, miteinander zu sprechen, diskutieren, sich zusammen zu setzen. So löst man eher Probleme, Konflikte. Legt einen Grundstock für Friedenserziehung bei Kindern; obwohl die Welt manchmal um uns im Chaos zusammenbricht…“

Fazit? Totale Begeisterung bei Ulrich Leggereit, Bereichsleiter Diakoniewerk Essen. Der kleine Jonis zeigt sich hellauf glücklich „vom Sternenschwungtuch; auch vom Essen“. Pauline: „Wir haben uns schön unterhalten.“ Mia und Alma: „Das Brot schmeckte.“

AUSSTELLUNGS-VERLÄNGERUNG
Die Installation am „Runden Tisch“, Kunstraum Notkirche, Essen-Frohnhausen, Mülheimer Straße, zur Situation Flüchtlinge und Migration in unserem Land, wird verlängert bis Samstag, 19. November 2016. Gerne sind auch Schulen eingeladen. Eintritt frei.
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1 Kommentar
31.008
Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 19.10.2016 | 14:37  
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