Unterdrückung im Namen der Ehre

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Die Frauenrechtlerin Seyran Ates bei ihrem informativen Vortrag (Foto: privat)

Patriarchale Strukturen schränken das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein

Einen interessanten Vortrag und anschließende Diskussion im Rahmen des Internationalen Frauentages konnten die Besucherinnen und Besucher des Martin Luther Forums Ruhr letzten Freitag erleben. Die Initiatorinnen des „Interkulturellen Frauenfrühstücks“ Hülya Haack-Yol und Müzeyyen Dreessen hatten die vielfach ausgezeichnete Berliner Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin und Autorin Seyran Ateş eingeladen. Mit Unterstützung des Lions Clubs und in Kooperation mit der VHS konnten die Initiatorinnen einen voll besetzten Saal mit Gästen begrüßen, unter anderem den Lions Club Präsidenten Bernd Walter und Karin Hornig-Bilo von der VHS.
In ihrer Begrüßung machte Müzeyyen Dreessen auf die weltweite Situation von Frauen aufmerksam: "In vielen patriarchalisch geprägten Gesellschaften würden jährlich tausende Frauen und Mädchen für die „Ehre“ der Männer sterben. Fast täglich würden zum Beispiel in der Türkei Frauen umgebracht, meist von ihren Ehemännern, Vätern oder Brüdern. In den 12 Jahren der AKP Regierung sei die Gewalt gegen Frauen um das 1400-fache gestiegen. 5406 Frauen seien in dem Zeitraum von 2002 – 2015 ermordet worden. Nach einer Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte in den 28 Mitgliedsstaaten erfahre aber auch ein Drittel der Europäerinnen körperliche oder sexuelle Gewalt."

Begleitung von BKA Personenschützern

Seyran Ateş, die aufgrund ihrer kritischen Haltung zu der Situation von Frauen in muslimisch geprägten Gesellschaften einen Anschlag überlebt hat und seit Jahren immer wieder Morddrohungen erhält, kam in Begleitung von Personenschützern des BKA nach Gladbeck. Die Autorin führte in ihrem Vortrag aus, dass nicht der Islam aber die patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen in vielen Ländern das Selbstbestimmungsrecht der Frauen einschränkten. "Sie führte aus, dass zum Beispiel in der Türkei die Frauen in der Gewaltfrage viel Solidarität durch die Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen erhielten, aber noch immer nicht selbst entscheiden könnten, ob sie arbeiten wollen oder ob und wen sie heiraten wollen. Äußerungen von Spitzenpolitikern der Regierung zwängten die Frauen zumal in ein moralisch-sittliches Korsett. Wer nicht dementsprechend leben wolle, spüre die Konsequenzen seitens der männlichen Glieder der Familie. Die Autorin beleuchtete auch die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln und die Übergriffe auf Frauen. Es seien vielfach Männer, die aus ihren Herkunftsländern die demokratischen Grundwerte wie Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht kannten. Man dürfe bei der Integration nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Wer nach Europa und Deutschland flüchtet, müsse von Beginn an diese Grundwerte vermittelt bekommen. Wer sich nicht daran halte, müsse hier nicht leben.
In der Diskussion wurde auch die Verantwortung der Moscheegemeinden in der Vermittlung der demokratischen Grundwerte beleuchtet. Es sei Zeit, dass nicht Imame (Theologen) aus dem Ausland hier in den Moscheegemeinden eingesetzt werden, sondern Imame, die inzwischen an zahlreichen deutschen Hochschulen ausgebildet werden.". So fasst Initiatorin Dreesen den informativen und aufschlussreichen Abend zusammen.
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