Die Äsche – ein bedrohter Fisch

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Äsche Natur
 
Äsche Fotobild
Hagen: Lenne | Pressemitteilung Frank Schlaak, 20.02.2015


Die Äsche ist inzwischen vom Aussterben bedroht. Hauptgrund für die europaweite Dezimierung: die rasante Ausbreitung des Kormorans, der – ehemals bedrohte Tierart – sich massiv vermehrt und seine Verbreitung als Küstenvogel extrem in die Binnenbereiche ausgedehnt hat. Er ist demnach kein einheimischer Vogel, er ist ein intelligenter Verfolger, er jagt allein und/oder geschickt im Verband, taucht bis weit über 12 Meter tief und verfolgt noch unter Wasser seine Beute. Anders als der Graureiher („Fischreiher“), der Frösche, Kaulquappen, Mäuse und Vögel sowie andere Reptilien und Weichtiere frisst, ernährt sich der Kormoran fast ausschließlich von Fischen. Dabei sind bis zu 50 cm lange Aale und bis zu 45 cm große Zander, Barsche und Forellen sowie Hechte für diesen großen Vogel überwindbar.

Eine besondere Vorliebe hat er offenbar für die Äsche entwickelt, die zu den lachsartigen Fischen gehört und ein sogenannter „Edelfisch“ ist.
Wieso trifft es ausgerechnet diesen, durch seine große Rückenflosse, eleganten und unverwechselbaren Fisch, wieso trifft es Forellen weniger?
Die Äsche wird im Schnitt zwischen 30 und 40 cm lang, größere Exemplare bis zu 60 cm sind selten und als kapitale Exemplare einzustufen.
Sie bevorzugt seichtere, schneller fließende Gewässer und hält sich überwiegend mittig im Strom auf – das macht sie außerordentlich angreifbar und eben zur leichten Beute. Sie laicht zudem in flachen Gründen, die mit Kies bedeckt sein müssen. Vor diesem Hintergrund sammeln sie sich, die Männchen konkurrieren um die besten Plätze. Das lenkt sie ab; die Bewegung ist für einen Jäger, der mit guten Augen ausgestattet ist und von oben kommt, bestens zu lokalisieren. Unterstände sind nicht in Sicht, Flucht in Verstecke somit völlig ausgeschlossen. Diese für die Äsche unglückliche Anhäufung eigentlich perfekter Bedingungen in ehemals besten Laichhabitaten wird so zur optimalen Ernährungsquelle für den Kormoran, der aus seiner Sicht einen gut gedeckten Tisch vor findet und den so gründlich abräumt, bis nichts mehr vorhanden ist. Versiegt die Futterquelle des gefiederten Jägers, bedeutet dieses das Ende für die Äsche in einem solchen Flussabschnitt, der Vogel zieht jedoch weiter und sucht den nächsten Platz zum Plündern.

Dabei kennt sein Appetit kaum Grenzen: bis zu 500 Gramm Fisch frisst ein erwachsener Vogel, das sind zwei etwa 25-30 cm lange Äschen – auf ein Jahr hochgerechnet: über 700 Fische pro Vogel. Was dann ein größerer Schwarm an einem Fluss wie der Lenne anrichten kann, liegt auf der Hand. Auch größere Exemplare attackiert der Kormoran und verletzt sie dabei oft so erheblich, dass die Fische zwar flüchten können, letztlich jedoch verenden.

Die Forelle hat im Vergleich zur Äsche andere Lebensgewohnheiten, hält sich in unterspülten Bereichen am Rand auf und gerät so weniger ins Visier des Fischjägers.

Hier ist also etwas aus dem Lot geraten, die Balance funktioniert nicht mehr, das ökologische Gleichgewicht wird durch die massive Verbreitung des Kormorans erheblich durch einander gebracht. An dieser Stelle zu behaupten, die „Natur regele es von allein“ ist 1. zynisch und 2. nicht von Sachverstand geprägt.

Der Bestand des Kormorans sollte dezimiert werden, so dass allen Lebensformen an unseren Gewässern das Überleben in möglichst ausgewogenem Gleichgewicht gesichert wird. Dezimieren in diesem Zusammenhang bedeutet, Populationen begrenzt zu halten, dazu sind verschiedene Maßnahmen denkbar, die der jeweiligen Situation vor Ort an zu passen sind. Es gilt, die Äsche – die in unseren Breitengraden ihre natürliche Verbreitung findet – zu erhalten und ihr Überleben als faszinierende Fischart zu sichern.

Der Sportfischereiverein Hagen, Herdecke und Umgegend e. V. besitzt die Fischereirechte für Teile der Volme, Lenne, Ruhr und Hengstey- so wie Harkortsee. Dieses Recht verpflichtet den Verein, die angeschlossenen Gewässer zu hegen und zu pflegen. Dabei sind stets naturschutzgerechte und an biologischen Erkenntnissen orientierte Aspekte zu berücksichtigen. Der Verein unterstützt z. B. durch ausgewogenen und maßvollen Besatz den Fischbestand in Fluss und See, reinigt in regelmäßigen Abständen Gewässer- und Uferbereiche und übernimmt in Sachen Umweltschutz Verantwortung.
Dazu stellt der SFV in erheblichem Umfang finanzielle und personelle Ressourcen über z. B. Einsatz der Mitglieder zur Verfügung.
So wurde im letzten Jahr ein Abschnitt der Volme im Bereich der Agentur für Arbeit vom Müll befreit – dort konnten u. a. Tresore, Fahrräder, Monitore und TV-Geräte sicher gestellt werden, die die Wasserqualität des Flusses negativ beeinträchtigten.

Letztlich sei zum Kormoran gesagt, dass der Tier- und Artenschutz nicht nur oberhalb der Wasseroberfläche stattfinden sollte. Ein reguliertes Gleichgewicht der Arten an und in den Gewässern sichert allen das Überleben und ermöglicht Vielfalt, an der sich alle Bürgerinnen und Bürger erfreuen können.
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1 Kommentar
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Angelika Hartmann aus Hagen | 25.02.2015 | 13:52  
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