150 Jahre VfL Eintracht Hagen – ein Rückblick: Nicht nur im Handball eine Klasse für sich

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Die Turner des TV Eintracht im Jahre 1907
 
Die Turner des TV Eintracht im Jahre 1912
 
Festumzug zum 90-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1953 durch Wehringhausen
Als einer der ältesten Hagener Vereine wurde im Jahre 1863 der Wehringhauser Turnverein unter dem Vorsitz von August Winkhaus ins Leben gerufen. Damals dachte wohl niemand daran, dass sich der Verein nicht nur zu einem der erfolgreichsten Vereine der Volmestadt entwickeln, sondern sich am 5. Juni 1920 mit der Wehringhauser Turnerschaft und der Hagener Sportunion 1910 zum VfL Hagen von 1863 zusammenschließen würde. Derweil hatte sich 1878 unter dem Vorsitz von Carl Söding mit dem TV Eintracht Hagen ein zweiter leistungs- und mitgliedsstarker Verein im Stadtteil etabliert. Ob im Turnen, in der Leichtathletik oder im Handball - überall sollten sich die beiden Traditionsvereine über Jahrzehnte packende Nachbarschaftsduelle liefern.
Ungeachtet der stolzen Erfolgsbilanz, insbesondere der Leichtathleten und Handballer beider Vereine, die bei nationalen und Internationalen Wettkämpfen sowie in der höchsten deutschen Spielklasse für Furore sorgten, reiften nach dem 2. Weltkrieg Pläne für die Schaffung eines Großvereines für den Stadtteil Wehringhausen. Ein Schritt, der 1962 durch den Zusammenschluss des VfL Hagen und des TV Eintracht feierlich vollzogen wurde.
Nach internen Abstimmungen, die allesamt ein klares Votum für die Fusion brachten, fand am 10. März 1962 im Hagener Parkhaus die Gründungsversammlung des VfL Eintracht Hagen von 1863 statt. Treibende Kräfte für die Fusion waren neben Hans-Günter Krämer und Hermann Stockey, der einstimmig zum Vorsitzenden des neuen Großvereins gekürt wurde, insbesondere Oskar Günther, Franz Heurich, Fritz Schulz und Heinz Grothe.
Eines der wichtigsten Wesensmerkmale des Wehringhauser Traditionsvereins ist die Tatsache, stets für neue Strömungen und Tendenzen offen gewesen zu. Ob im Fußball und Basketball, das unter Federführung von Lothar Jung Mitte der 1960er Jahre beim VfL Eintracht eingeführt wurde und in Aufstiegen bis in die Oberliga gipfelte, oder im Badminton, Volleyball und Federfußball - überall wurden mit großem Engagement neue Angebote geschaffen, die sich an den Wünschen und Vorstellungen der Mitglieder orientierten.
Aber nicht nur sportlich wusste der 1962 neu entstandene Großverein Akzente zu setzen. Seit 1955, als der VfL Hagen auf Initiative von Friedbert Pforr erstmals freundschaftliche Vergleichskämpfe mit finnischen Leichtathleten organisierte, reisten die Wehringhausener abwechselnd nach Nordeuropa beziehungsweise hatten die "Suomis" in Hagen zu Gast. Die freundschaftlichen Kontakte zu den Sportlern aus Finnland blieben dabei nicht allein auf die Wettkampfebene beschränkt. Im Laufe der Zeit entstanden enge freundschaftliche Bindungen, die 1963 darin gipfelten, dass die Stadt Hagen eine Städtepartnerschaft mit der südfinnischen Gemeinde Kouvola einging.
Ein anderes gesellschaftliches Großereignisse stellten unumstrittenen die Sport- und Musikshows des VfL Eintracht Hagen in der Ischelandhalle dar. Von 1967 bis 1985 drückte Hans Sichelschmidt als Organisator und Moderator der Veranstaltung, in deren Rahmen er dem begeisterten Publikum nicht weniger als 25 Welt- und Europameister sowie über 200 Deutsche Meister präsentierte, in unvergleichlicher Art und Weise seinen Stempel auf. In 18 Jahren, inklusive einer krankheitsbedingten fünfjährigen Pause, zog der langjährige Motor der Leichtathletikabteilung mit der stimmigen Mischung aus Sport und Unterhaltung sage und schreibe 12.000 Besucher in seinen Bann.
Ganz nebenbei engagierte und engagiert sich der VfL Eintracht immer auch im sozialen Bereich. Sei es wie bei der großen Sportgala zu Gunsten der Smolensk-Hilfe im November 1991 in der Stadthalle, sei es wie seit vielen Jahren mit groß angelegten Blutspendeaktionen für das Deutsche Rote Kreuz oder sei es für die von im Januar 2002 verstorbenen Ehrenmitglied Hans Sichelschmidt initiierte Aktion "Hilfe für junge Krebskranke" - um nur einige Beispiele zu nennen.
Waren es zur Zeit der Gründungsväter vor allem Turner und später Leichtathleten, die das Leben in den Vorläufervereinen des heutigen VfL Eintracht prägten, so dürfen sich die erfolgsgewöhnten Handballer rühmen, in den 1920er Jahren zu den Pionieren und Geburtshelfern des Handballs in Südwestfalen gehört zu haben. Und wie selbstverständlich stellte der VfL Hagen in der Premierensaison des organisierten Handballsports in Westfalen am Ende Spieljahres 1922/23 den Meister im Märkischen Gau. Ein Triumph, dem eine beispielslose Erfolgsserie folgen sollte. Denn der Verein blieb mehr als fünf Jahrzehnte fast ausnahmslos in der jeweils höchsten deutschen Spielklasse am Ball.
Vor allem in den 1950er bis Mitte der 1970er Jahre sollten die Handballer zum Aushängeschild einer ganzen Stadt avancieren. Nicht selten strömten mehr als 10.000 Zuschauer zu den Heimspielen an die legendäre Rehstraße. Sechsmal konnte der Westfalenmeistertitel nach Hagen geholt werden. 1951 gewannen die Mannen um Dauerläufer Walter „Mocke“ Effey sogar das Double mit Meisterschaft und Westfälischem Pokal. 1961 wurde der Siegesszug der Grün-Gelben erst im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gestoppt.
Ein weiterer Höhepunkt war dann 1971 der Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft und der anschließende Aufstieg in die Bundesliga. Hier sorgten die Mannen um Bernd Lückel, Gustl Wilke und Jürgen Lobert weiter für Furore, stürmten auf dem Feld gleich zweimal hintereinander ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Parallel dazu entwickelte sich der VfL Eintracht auch zu einer Macht in der Halle. Nach dem 5. Platz bei den Deutschen Meisterschaften 1949 in Münster erfolgte 1971 der Aufstieg in die Regionalliga, ehe 1989 der Sprung in die 2. Bundesliga gelang. Und auch hier sorgten Roman Becvar, Volker Lippe, Michael Altenbeck und Co. für Furore, gewannen 1992 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und verpassten den Aufstieg ins nationale Oberhaus nur knapp.
Heute kann sich der Verein rühmen, die mit Abstand erfolgreichste Jugendarbeit in ganz Südwestfalen zu betreiben. Daneben stellen die Grüngelben neben einer Regionalligamannschaft ein Oberliga-, ein Landesliga- und ein Bezirksligateam, was fraglos einmalig ist.
Für zahlreiche Sternstunden sorgten auch die Leichtathleten um die EM-Teilnehmer Friedel Wiggershaus und Gudrun Hodey. Letztere wurde nicht nur 1974 Deutsche Meisterin, sondern stellte 25. Juni 1974 bei einem Länderkampf in Oslo in 9:17,6 Minuten einen neuen deutschen Rekord au. Noch erfolgreicher war Lothar Reinshagen. Der „Bäckermeister vom Rehsiepen“ wurde 1963 und 1965 Deutscher Meister im Marathon und holte 1963 zusammen mit Wilhelm Heuser und Helmut Knobloch sowie 1965 an der Seite von Friedel Wiggershaus und Wilhelm Heuser auch die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft über diese Distanz.
Nicht minder bemerkenswert war 1968 der Auftritt der 4 x 100 Meter-Staffel mit Ingrid Barth, Erika Lebuser, Gunhild Steinkühler und Monika Giesler bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Das von Charly Bretz trainierte Quartett sicherte sich in Herford in neuer deutschen Rekordzeit von 47,9 Sekunden den Titel.
Weitere glanzvolle Kapitel Wehringhauser Sportgeschichte schrieb in jenen Tagen auch Horst Wulf, der in der Seniorenklasse zwischen 1973 bis 1987 gleich fünfmal Deutscher Meister werden konnte.
Die Tischtennis-Asse des VfL Eintracht erlebten in den 1950er Jahren ihre Glanzzeit. Angeführt von Horst Ilberg, der 1947 an der Seite von Gerhard Egeler bei den Deutschen Jugendmeisterschaften die Silbermedaille im Doppel gewann, 1953 Platz 3 im Einzel bei den Deutschen Meisterschaften belegte und sogar die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften in Bukarest vertrat, stieg die Mannschaft mit Paul-Hermann Becker, Gerhard Topp, Gerhard Egeler, Karl-Heinz Stramann, Gerd Mitze, Reinhold Büttner, und Heinz Clever 1951 als ungeschlagener Meister in die Oberliga, die damals höchste deutsche Spielklasse, auf.
In der höchsten deutschen Spielklasse waren auch die Federfußballer des VfL Eintracht mehr als ein Jahrzehnt am Ball. Die Abteilung war die erste Federfußballabteilung in Europa und maßgeblich an der Entwicklung des Sports beteiligt. Gleich viermal stellte die Grüngelben unter anderem den Deutsche Mannschaftsmeister Zudem konnte Stefan Blank und Marius Stupp Deutsche Einzelmeister werden, während Pasquale Salimbeni und Stefan Blank bei den Weltmeisterschaften 2001 beziehungsweise 2002 jeweils Rang 4 im Einzel erkämpfen konnten.
Neben den genannten Sportarten werden im rund 630 Mitglieder starken Mehrspartenverein VfL Eintracht heute auch Gymnastik für Männer und Frauen, Mutter-Kind-Turnen, Volleyball und Badminton angeboten.
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