Lernwerkstatt HIV - diese Schule kennt keine Tabus

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Teilnehmer der ersten Lernwerkstatt vor 20 Jahren
 
2006 waren es noch 4500 Stunden, die sich Freiwillige für die AIDS-Hilfe geleistet haben. Nun sind es schon mehr als 6000. Auch mit etwas Süßem kann man sich dafür bedanken
Hagen: Hagen | Fähigkeit zur Selbsthilfe und eine gehörige Portion Phantasie und Humor, das wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sozialer Einrichtungen auch in dieser Stadt immer mehr verlangt.

Letztlich hat das Aufklärungsteam der Hagener AIDS-Hilfe keine andere Wahl: Es muss sich etwas einfallen lassen, will es nicht die ganze Arbeit gefährden.

Durch eine sogenannte "Lernwerkstatt HIV" sollen neue Ehrenamtliche hinzugewonnen werden und sich das Wissen um HIV und sexuelle Gesundheit immer mehr herumsprechen.

"Unsere Erwartungen sind schon jetzt weit übertroffen worden" freut sich der Leiter der AIDS-Hilfe Andreas Rau. Für die 18 Seminarplätze haben sich bereits neun Personen angemeldet und es sollten noch deutlich mehr werden. Vorangegangen sind zum Teil Einzelgespräche mit den künftigen "Neuen", damit sie sich vorab schon ein Urteil bilden können, ob die Schulung für sie überhaupt infrage kommt, die ab Februar 2015 bereits in die zwanzigste Runde geht.

Am 04. Februar startet das Seminar mit dem komischen Namen an einem Schnupperabend, der ein gegenseitiges Kennenlernen ermöglichen soll. Ferner werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AIDS-Hilfe einen Überblick über die Strukturen und die Arbeitsbereiche geben. Vierzehn weitere Abende stehen auf dem Programm der Schulung, die aller Voraussicht nach Ende April mit einer Prüfung und einem Zertifikat abgeschlossen werden soll.Von den "Neuen" erhofft sich die AIDS-Hilfe eine Entlastung.

Sei es im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, der Beratung von Betroffenen oder als Ansprechpartner beim HIV-Test.

Die Freude auf die bevorstehende Lernwerkstatt ist dem Team aus der Körnerstraße deutlich anzumerken.

"Es wird sicherlich interessant werden, denn die bisher angemeldeten Kursteilnehmer kommen aus allen nur denkbaren Gesellschaftsschichten“, erzählt Melanie Luczak. Die "grüne Dame" wird ebenso an den Abenden teilnehmen, wie Krankenschwestern und Bankkauffrauen. Erstmalig werden auch speziell Menschen mit Migrationshintergrund, die zweisprachig auch auf die Bedürfnisse von Zuwanderern eingehen können.

Von den unterschiedlichen Charakteren erhofft sich die AIDS-Hilfe eine vielfältige und spannende Gruppenarbeit. "Neben den Infos über HIV/AIDS werden die "Lernwerkstättler" auch eine für sie wichtige Selbsterfahrung in der Gruppe machen", wissen die Mitarbeiter aus eigener Erfahrung zu berichten.

Alle Tabuthemen werden ganz offen erörtert, und ein jeder wird an seine Grenzen gelangen, prophezeien die Leute von der AH. Es sei nicht jedermanns Sache sich zu öffnen, wenn Tabuthemen wie Drogen oder Sexualität besprochen werden. Doch sind diese Themen die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammen- und Mitarbeit.

Und nicht zuletzt auch viele Fakten, die sich in den letzten 30 Jahren verändert haben. "AIDS ist nicht mehr dass, was es mal war" - so lautet nicht umsonst ein Slogan der Deutschen AIDS-Hilfe anlässlich ihres dreißigjährigen Bestehens.Die Schulung umfasst medizinisches Hintergrundwissen, wie politische gesellschaftliche und psychosoziale Aspekte im Zusammenhang mit HIV. Die Gruppe wird sich zusammen Filme anschauen, Rollenspiele durchführen und lernen, eigene Projekte zu planen, bevor sich die Teilnehmer in die eigenverantwortliche Arbeit stürzen.

Im März wird zusätzlich ein Wochenendseminar stattfinden, bei dem die behandelten Themen nochmals vertieft werden sollen. Bis zum endgültigen Einsatz gibt es auch viel Praxis. Mittels eigener Präsentationen und auch direkt, wenn man den zukünftigen Kollegen über die Schultern schaut.

Gegen einen Vergleich mit einer normalen Schule wehren sich die Mitarbeiter der AH. "Wir wollen Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen und es liegt uns fern, durch trockenen Unterricht mit fest gelegten Pausen die Freiwilligen zu langweilen", erklärt Andreas Rau. Schließlich ist die Aids-Hilfe auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen, um eine optimale Arbeit zu gewährleisten.

Sie sehen also - trotz aller trüben Aussichten in Hinblick auf die finanzielle Situation in Hagen verspricht sich die AH von der Lernwerkstatt eine Menge Spaß und viele positive Impulse.Das Büro der AIDS-Hilfe ist täglich von 09 bis 15:30 Uhr unter der Telefonnummer HA 33 88 33 erreichbar. Hier erhalten Sie weitere Informationen und können sich anmelden. Es geht auch unter andreas.rau@aidshilfe-hagen.deMachen Sie mit – Ehrenamt macht sexy!
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2 Kommentare
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Anja Seeberg aus Hagen | 04.12.2014 | 01:21  
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Andreas Rau aus Hagen | 04.12.2014 | 15:12  
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