Imkern - Viel mehr als Honig

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Der Herr der Bienen - Markus Lambernd ist Imker aus Leidenschaft
 
Die nützlichen Insekten sind von Natur aus friedlich und stechen nur im Notfall.
 
Drei der insgesamt elf Stöcke von Markus Lambernd

Als vor fünf Monaten der bestehende Kreisimkerverein Recklinhausen sich dem Landesverband Rheinland anschloss stand für neun der rund 50 Imker der Region Haltern, Dorsten und Marl fest, dass sie lieber weiterhin der Region verbunden bleiben wollten. Nach dem Wechsel entschlossen sie sich daher, den Imkerverein Marl-Haltern-Dorsten zu bilden der nun organisiert ist im Kreisimkerverein Recklinghausen-Westfalen. Der neue Verein ist dem Landesverband Westfälisch-Lippischer Imker e.V. angeschlossen.

Markus Lambernd ist einer von ihnen. Mit seiner Familie und seinen Bienen lebt er in Lippramsdorf. Die Imkerei betreibt er als Hobby. Seine mittlerweile elf Völker bescheren ihm pro Jahr je 20 Kilo köstlichen Honig – weit mehr als er selbst und seine Familie verzehren kann!

Nun zu Beginn des Frühjahrs erwachen die Bienen langsam zu neuer Aktivität. Von den etwa 50.000 Individuen eines Volkes überleben im Schnitt nur etwa ein Fünftel den Winter. Unter ihnen ist die Königin, die als einziges fortpflanzungsfähiges Tier die streng organisierte Gemeinschaft der staatenbildenden Insekten zusammenhält. Ihre Arbeiterinnen sind verantwortlich für den Bau der Waben. Die Larven in jeder einzelnen Zelle wachsen unter ihrer Obhut zu neuen Mitgliedern des Staates heran. Ob aus ihnen einmal Arbeiterinnen, Drohnen oder eine neue Königin wird, hängt von der Fütterung ab. Nur eine zukünftige Königin erhält „Royal Gelee“, eine Substanz, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften auch in der Kosmetikindustrie sehr beliebt ist. Mit diesem Gemisch aus den Sekreten der Futtersaftdrüse und der Oberkieferdrüse der Arbeiterinnen werden die Bienenlarven während der ersten drei Larvenstadien gefüttert. Dadurch erhalten sie einen enormen Wachstums- und Entwicklungsschub. Die Arbeiterbiene erhält dagegen nur noch Pollen und Honig. Auf natürlichem Wege geschieht dies etwa alle vier bis fünf Jahre – nämlich dann, wenn die Bienen das körperliche Schwächeln ihrer Königin bemerken.

Emsig wie die Bienen

Anfang März bildet der Raps die erste Tracht für die Bienen. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen schwirren sie wieder über die Felder und sind dabei sprichwörtlich emsig wie die Bienen. Den aufgenommenen Nektar wandeln sie mittels einer besonderen Drüse in Honig um, der dann in den Waben gesammelt wird. In menschlicher Obhut erhalten die Tiere als Nahrung ein Ersatzgemisch aus Zucker und Wasser. Den ersten Honig erntet der Imker schon ab Mai.

Die Völker von Markus Lambernd stehen etwa 90 Prozent des Jahres an ihrem Standort in Lippramsdorf. Während der restlichen Zeit gehen sie mit den Stöcken auf Wanderschaft und schwärmen dann in Olfen und Umgebung.

Bedrohter Nützling

Zur Imkerei kam Markus Lambernd durch Udo Pfingst aus Sythen. Der erfahrene Imker bereut unter anderem die Bienenstöcke in der Westruper Heide. Er nahm den interessierten Halterner unter seine Fittiche und so sprang bei Lambernd die Begeisterung für die kleinen, nützlichen Stechinsekten schnell über. Sein Wissen gibt er gerne weiter. Trotz des Bewusstseins vieler Menschen über den Nutzen der Biene ist sie weltweit vom Aussterben bedroht. Besonders hart trifft es die Wildbiene, die ohne die Obhut des Imkers zurecht kommen muss. Industrielle Landwirtschaft und Monokulturen bieten keinen Lebensraum für sie und sorgen für ein Schwinden heimischer Wildkräuter und Pflanzen, die die Bienen zum Überleben dringend brauchen.

Die Anlage sogenannter Bienenwiesen dient daher nicht nur der Freude des Auges sondern ist eine notwendige Schutzmaßnahme zum Erhalt der Nützlinge, ohne die eine Befruchtung vieler Obstsorten, Gemüsesorten und Blumen nicht möglich wäre. Zwar übernehmen auch andere Tiere wie Schmetterlinge, Käfer und sogar Fledermäuse diese wichtige Arbeit. Im Vergleich zu den Bienen beträgt ihr Anteil an dieser Aufgabe aber nur etwa 20 Prozent. Grund genug, den kleinen Krabblern auch im heimischen Garten ein Fleckchen anzubieten, an dem sie sich laben können.

Gefüllte Blumensorten und Gräser liefern keine ertragreiche Grundlage für die Ernährung. Die Homepage des Imkervereins Dorsten führt für jede Jahreszeit Pflanzen auf, die die Insekten gerne besuchen. Im Frühjahr seien dies: "Ahorn, Akelei, Bergenie, Christrose, Kornelkirsche, Krokus, Kuhschelle, Kupferfelsenbirne, Lenzrose, Lungenkraut, Obstgehölze, Schneeball, Schneeglöckchen (bitte nur das heimische Galanthus nivalis, die anderen angebotenen sind oft aus Raubbau), Vergissmeinnicht, Vinca, Waldsteinia, Weide, Winterling, Zaubernuss und Zierlauch."
Im Sommer freuen sich die Bienen über: "Astern, Astilbe Blutweiderich, Borretsch, Büschelschön (Phacelia), Dahlien (ungefüllt), Frauenmantel, Fingerhut, Funkie, Glockenblume, Johanniskraut, Kamille, Kniphofia, Knöterich, Königskerze, Lerchensporn, Lichtnelke, Liguster, Lonicera, Lupine, Mädchenauge, Margarite, Mauerpfeffer, Oregano, Phlox, Polsternelken, Purpurglöckchen, Ringelblume, Rittersporn, Rosen (ungefüllt), Salbei Schafgarbe, Sonnenbraut, Sonnenhut, Steinbrechgewächse, Thymian, Wiesenraute Ysop, Zierlauch und Zitronenmelisse."
Wenn die Tage im Herbst schon kürzer werden bieten folgende Pflanzen Nahrung: "Astern, Anemone, Bergminze, Borretsch, Chrysanthemen (ungefüllt), Dahlien (ungefüllt), Goldrute, Fette Henne, Heide (keine Knospenheide), Königskerze, Nachtkerze, Silbertraubenkerze, Sonnenblume, Studentenblume und Topinambur."
Auch im Winter sind die Bienen noch vereinzelt unterwegs und suchen Christrosen, Duftschneeball, Mahonie und Winterjasmin auf.

„Imkern ist das neue Yoga“ Markus Lambernd

Obwohl Lambernd mit seinen fleißigen Bienen mittlerweile soviel Honig produziert, dass er ihn auch verkauft, betreibt er die Imkerei nach wie vor als Hobby, das ihn entspannt und ein wunderbarer Ausgleich zum Beruf ist. „Das Arbeiten mit den Tieren in der Natur ist bestens geeignet um nach einem langen Tag zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen“, erzählt er. Dass er selbst eine Allergie gegen das Gift seiner Schützlinge hat, kann ihn von seiner Leidenschaft nicht abhalten. „Die Bine ist kein aggressives Tier und sticht nur in Notfällen, wenn sie sich oder ihren Stock bedroht sieht. Außerdem verhindert der Schutzanzug und der Imkerhut mit dem Netz vor dem Gesicht vor Stichen.“ Die Bienen in heimischen Gärten sind ebenfalls selten am Kuchen auf der Kaffeetafel interessiert – das sind viel eher die Wespen. Nach ihnen schlagen sollte man nicht. Das irritiert die Tiere und könnte sie zur „Notwehr“ animieren.

Der Herr der Bienen

Für jeden Imker gehört es allerdings dazu, mit den Stichen umgehen zu können. Auch Markus Lambernd ist trotz aller Vorsicht nicht immer davor sicher. Den letzten Stich bekam er ausgerechnet unmittelbar vor einem Vortrag. Mit aufgrund seiner Allergie stark angeschwollenem Gesicht musste er vor seine Zuhörer treten. Im Nachhinein nimmt er es mit Humor. „Das gehört halt auch dazu!“

Der köstliche Honig entschädigt dafür umso mehr. Markus Lambernd erklärt, dass heimisch produzierter Honig mit den Preisen des in Übersee und im europäischen Ausland industriemäßig hergestellten Produkt nicht mithalten kann. Diesem fehlen allerdings die wertvollen Inhaltsstoffe, die seinen Honig so gesund und wertvoll machen. Hier werden die wichtigen Nährstoffe nicht durch Filtern und Erhitzen zerstört.

Während man noch vor ein paar Jahrzehnten die Imkerei mit dem Bild des urwüchsigen, naturverbundenen alten Mannes verband, so sind es in den letzten Jahren auch zunehmend jüngere Leute, die sich für das spannende Hobby interessieren. Im Imkerverband Haltern, Marl Dorsten sind die Mitglieder durchschnittlich zwischen 30 und vierzig Jahren alt und es werden stetig mehr. Die Organisatoren freut es. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die Mitglieder in der Gaststätte Jägerhof Einhaus in Dorsten auf der Dorfstraße 3. Vereinsanwärter und Interessierte sind jederzeit herzlich Willkommen! Die monatlichen Treffen dienen dem Austausch und der Fortbildung, aber auch dem geselligen Zusammensein und kennen lernen.

Mehr Infos über den Verein und die nützlichen Krabbler unter: http://imkerverein-dorsten.de/
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Holger Krause aus Datteln | 01.03.2017 | 17:39  
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