Der Fantasie freien Lauf lassen

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Pia Helfferich (Dritte v.l.) freut sich über die große Motivation der Mädchen, die an der Schreibwerkstatt teilnehmen. Foto: Pielorz
 
Hoch konzentriert sind die Mädchen bei der Schreibwerkstatt. Foto: Pielorz
Hattingen: Stadtbibliothek |

Gleich nach den Weihnachtsferien ging es los. Vierzehn Mädchen zwischen neun und 14 Jahren treffen sich jeden Freitag in der Stadtbibliothek. Sie erfinden Geschichten, sie schreiben und lesen diese vor. Sie sind Mitglieder der Schreibwerkstatt.

Pia (9) ist die Jüngste. „Ich schreibe sehr gerne und bin in der Schule auch gut in Deutsch“, verkündet sie. Die 14jährige Jacqueline besucht die Realschule Grünstraße und ist ebenfalls ein Fan von allem, was sich schriftlich ausdrücken lässt. Ihre Schwester Lea (13) ergänzt: „Am liebsten schreibe ich über ungewöhnliche Sachen, von denen ich hoffe, darüber hat noch niemand geschrieben.“
Betreut wird die Schreibwerkstatt von Pia Helfferich. Sie ist Schreibpädagogin und arbeitet im Literaturbüro NRW in Düsseldorf. Sie hat Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert und schreibt selbst Kurzgeschichten. „Mit diesem Projekt bringen wir Kindern und Jugendlichen das Schreibe nahe. Wir zeigen ihnen, wie man Geschichten erzählt“, erklärt sie. Dabei kommen die Anregungen zum Schreiben über alle Sinne. „Heute zum Beispiel habe ich eine Riechbox mitgebracht. Wir werden versuchen, uns über Gerüche dem Schreiben zu nähern.“
Im Projekt, welches einmal wöchentlich bis Mitte März stattfindet, sollen die Kinder kleine Geschichten entwickeln. Dafür ist in der Regel eine Zeit von zwanzig Minuten angesetzt. Danach lesen die Kinder ihr Geschriebenes vor – freiwillig natürlich.

Projekt: Schreibwerkstatt in der Stadtbibliothek

Die Begeisterung bei den jungen Autoren ist groß. Schließlich ist das Projekt eine freiwillige Freizeitgestaltung und nicht an eine Vorgabe wie in der Schule gebunden. „Schwierigkeiten zur Motivation gibt es überhaupt nicht“, ergänzt Pia Helfferich stolz. Und: „Es klingt immer nach Phantasie, nicht nach Fernsehen oder biographischen Details.“
Einige der Mädchen schreiben auch Tagebuch. Oder wünschen sich eine berufliche Verbindung. „Als Nebenjob möchte ich poetry slammer werden, also Selbstgeschriebenes auf Veranstaltungen vortragen. Aber im richtigen Leben werde ich wohl Anwalt“, überlegt Lea.
Übrigens schreibt man hier mit Stift und Papier. Elektronische Medien spielen keine Rolle. „Eigentlich ist das der perfekte Ausgleich zum SMS-Schreiben“, lacht Pia Helfferich.
Dann kommen erste Beispiele. Die Mädchen lesen Geschichten über ihre erfundenen Figuren vor. Zum Beispiel über ein Mädchen im Internat. Ausgerechnet mit dem Internatsliebling teilt sie sich ein Zimmer, obwohl sie mit dem Mädchen gar nicht klar kommt. Oder über Lilly, die einen Brief an eine unbekannte Person schreibt, weil sie den Brief per Luftballon verschicken möchte und nicht weiß, ob und wo er ankommen wird.
Selbstverständlich sollen auch die Eltern und Freunde in den Genuss der erfundenen Geschichten der Schreibwerkstatt kommen. Am Freitag, 18. März, 18 Uhr, ist es in der Stadtbibliothek soweit. Ob die Geschichten auch in einem kleinen Heft zusammengestellt werden, ist noch offen.
„Für unsere Stadtbibliothek ist es das zweite Mal, dass wir dieses Projekt durchführen“, erzählt Heike Bein von der Stadtbibliothek. Man muss sich für dieses Projekt bewerben. Wer aktuell mitmacht, steht auf www.Schreibland-NRW.de; das Projekt wird vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW unterstützt. Im letzten Jahr hatten wir 14 Teilnehmer, darunter einen Jungen. In diesem Jahr sind es nur Mädchen. Für uns ist das eine tolle Ergänzung, denn es gibt viele Projekte für Sport, Musik und Kunst. Jetzt gibt es eben auch eines für das Schreiben.“
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