"Helden" des Alltags - Schwerverletzte aus Auto gerettet - Unfallverursacherin zu Geldstrafe verurteilt

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Die Lebensretter : Nadine Banaag und René Weller (v.li.)
Hattingen: Sprockhövel/ | Mucksmäuschenstill wurde es im Gerichtssaal, als eine 25 Jahre alte Autofahrerin erzählte, wie sie mit ihrem Ford KA am 1. Mai 2016 abends auf der Autobahn in Sprockhövel plötzlich gerammt wurde, wie sich ihr Wagen drehte, mehrfach überschlug und dann auf der Seite liegen blieb. „Ich dachte, ich wäre tot“, sagte die Zeugin vor Gericht und ergänzte, erst als ich wieder zu mir kam und sah, dass meine Mutter neben mir im Auto in einer Blutlache lag, wusste ich, dass ich noch lebe.

Angeklagt war eine 43 Jahre alte Autofahrerin aus Dortmund, die beschuldigt wurde, auf der Autobahn A1 in Höhe der Abfahrt Sprockhövel abrupt die Fahrbahn gewechselt zu haben. Dabei hat sie wohl den Wagen der Geschädigten übersehen. Dadurch kam es dann zu dem folgenschweren Unfall.

Erwerbsunfähigkeit nach Unfall

Die Anhörung der Mutter als Beifahrerin musste unterbrochen werden, weil sie mehrfach von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Sie erlitt so schwere Verletzungen, dass sie wochenlang im Krankenhaus lag, 6 Mal operiert wurde, inzwischen erwerbsunfähig ist, weil die Motorik ihrer rechten Hand durch den Unfall zerstört wurde.

Junge Leute als Lebensretter

Als der hinter dem verunfallten PKW herfahrende 22 Jahre alte Fahrer eines VW-Busses den Unfall vor ihm bemerkte, hielt er an und befreite mit einer anderen Autofahrerin die schwer verletzten Frauen aus dem Unfallfahrzeug. Dabei mussten die Sicherheitsgurte durchschnitten werden. Die Rettung der Verletzten gestaltete sich schwierig, zumal die Befürchtung bestand, dass der Wagen in Flammen aufgehen könnte.

„Die Hand der Beifahrerin war wie abgetrennt und ich legte einen ersten Druckverband an, um die enorme Blutung zu stillen“ sagte die 27 Jahre alte Zeugin vor Gericht. Ein weiterer Zeuge hatte inzwischen Polizei und Rettungsdienst verständigt, die kurze Zeit später eintrafen.

Die angeklagte Dortmunderin konnte sich den Unfall nicht erklären. Der Aussage des Ersthelfers, die Unfallverursacherin wäre mehr besorgt gewesen über die Beulen an ihrem Mercedes als nach seiner Aufforderung mitzuhelfen, die Verletzten zu retten, entgegnete diese, sie hätte unter Schock gestanden.

Geldstrafe und Fahrverbot

Am Ende der Beweisaufnahme und nach dem Plädoyer der Vertreterin der Staatsanwaltschaft sprach Richter Kimmeskamp das Urteil und ging damit noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus: 90 Tagessätze zu 15 Euro = 1.350 Euro Geldstrafe für diese fahrlässige Körperverletzung und 2 Monate Fahrverbot für die Unfallverursacherin, die verkehrsmäßig bereits „in Erscheinung“ getreten ist.

Gutachter noch tätig

Die Versicherung der Unfallverursacherin hat der verletzten Autofahrerin bereits Schadenersatz und Schmerzensgeld gezahlt. Bei der schwerverletzten Beifahrerin sind noch verschiedene Gutachter tätig, um die Höhe des Schmerzensgeldes festlegen zu können.

Unfallverursacherin brauchte keinen Einkommensnachweis zu erbringen

Erstaunlich ist, dass die Angeklagte keinen Nachweis über die Höhe ihres Einkommens oder über ihr Vermögen vor Gericht erbringen musste, damit die Höhe des Tagessatzes als Geldstrafe angemessen festgelegt werden konnte.
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1 Kommentar
Oliver Borgwardt aus Gladbeck | 08.04.2017 | 12:14  
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