Katharina Besler: ein Jahr raus aus dem Alltag und von Sprockhövel aus die USA entdecken

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In ihrer Freizeit ist Katharina Besler viel unterwegs. Dieses Foto von ihr spricht für sich - und die tolle Landschaft! Foto: privat
 
Da war es noch Sommer im ebenfalls schönen Hattingen, als dieses Foto wenige Tage vor dem Abflug von Katharina Besler in der Altstadt entstand. Foto: Römer
(von Katharina Besler)

Für ein Jahr in die USA, genauer in die Nähe von Boston, ist die junge Sprockhövelerin Katharina Besler (22) gereist. Sie wohnt und arbeitet dort in einer Art Wohngemeinschaft, in der sie behinderte Menschen betreut. Der STADTSPIEGEL berichtet ausführlich über ihren geplanten Freiwilligendienst für die "L'Arche Irenicon" in Haverhill. Hier meldet sich Katharina Besler erstmals mit einem kurzen Zwischenbericht von dort über ihre erste Zeit vor Ort.

„I'm doing well“ wie man hier in Amerika sagen würde. Nun bin ich seit rund drei Monaten hier und ich habe mich echt schnell eingelebt. Dazu haben viele verschiedene Faktoren beigetragen. Ich drehe die Zeit nochmal zurück, auf den 31. August, der Tag an dem ich von Düsseldorf nach Boston geflogen bin.
Komischerweise war ich bis kurz vor dem Abflug nicht wirklich aufgeregt. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht und dreimal gecheckt, ob ich an alles gedacht habe. Es ist ganz schön schwierig, für ein ganzes Jahr zu packen. Man braucht wirklich alles.
Wir sind erst von Düsseldorf nach München geflogen und dann ging es weiter in die USA. Ich war froh, dass wir keinen Direktflug hatten, so konnten wir in München ein letztes mal den deutschen Boden betreten und ein bisschen durch den Flughafen schlendern. Nun lagen acht Stunden Flug vor uns. Lufthansa hat uns auf dem Flug sehr gut unterhalten und mit reichlich Essen versorgt, ein bisschen geschlafen und schon war die Zeit um.
In Amerika angekommen mussten wir durch den Security Check, da hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Visum, was wir bis dahin hatten, war nur für die Einreise bestimmt. Am Flughafen wurden wir dann noch einmal befragt, warum wir einreisen, was wir in dem Jahr vorhaben, wann wir zurück fliegen werden usw.
Mein Gespräch verlief sehr gut, jedoch wurde mein Visum nur bis Februar ausgestellt. Das heißt im Februar muss mein Projekt vor Ort hier noch einmal bestätigen, dass ich als Freiwillige in den USA tätig bin.

"Super herzlicher Empfang in Haverhill"

Mein Empfang hier war super herzlich - vom Flughafen wurde ich von meiner „Chefin“, einer Freiwilligen und Katie (Core member) abgeholt. Core member nennt man hier liebevoll die Bewohner. Von Boston haben wir etwa eine Stunde nach Haverhill gebraucht. Das ist der Ort, den ich von nun an für ein Jahr mein „Zuhause“ nennen werde. Es ist ein kleines Städtchen mit vielen schönen Ecken, ein bisschen größer als Hattingen - so zum Vergleich. Haverhill liegt direkt am Merrimack River.
Wir sind relativ spät angekommen und mein Rhythmus war durch die Zeitverschiebung etwas durcheinander. Trotz einiger Stunden auf den Beinen war ich nicht wirklich müde. Ich denke, ich hatte den müden Punkt schon überwunden.
Jeden Donnerstag gibt es ein „Hangout“ mit allen Assistants in dem Haus, wo ich lebe. So haben wir am ersten Abend direkt alle anderen Assistants und viele Leute, die mit der Arche verlinkt sind, kennengelernt.
Der erste Tag war super. Wir hatten erst einmal Zeit, uns von dem Flug und generell der Reise zu erholen. Mittags sind wir dann in das Office der Arche. Jeder, der „neu“ in der Arche ist, wird zu einem Welcome Lunch eingeladen. Dort wurde uns ein bisschen über das Leben in der Arche erzählt. Hauptsächlich ging es aber darum, sich besser kennenzulernen. Amanda war auch noch dabei. Sie ist ein Assistant aus Amerika und hat rund zwei Wochen vor uns angefangen.
Die Organisation, bei der ich meinen Freiwilligendienst absolviere, heißt L'Arche Boston North. Es gibt viele Standpunkte in den USA. Ich lebe im Nazorean House mit zwei anderen "Live in Assistants" und vier Core membern. "Live in Assistant" bedeutet, dass man in dem Haus wohnt und dort arbeitet. In jedem Haus leben maximal fünf Core member verschiedenen Alters.

"In der Arche verwendet man nicht den Begriff ,Ich arbeite', sondern man sagt ,I'm on sharing time'."

Es gehört zum Konzept der Arche, dass man zusammen mit den Core membern in einem Haus lebt. Wir nennen das "Sharing Life together". In der Arche verwendet man nicht den Begriff „Ich arbeite“, sondern man sagt "I'm on sharing time".
In meinem Haus leben ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Judi, eine 60 Jahre alte Frau, die super aktiv ist. Sie spaziert liebend gerne durch die Nachbarschaft und besucht ihre Freunde.
Dann gibt es Katie - ziemlich witzig, dass wir beide Katie sind, ihr zweiter Name beginnt sogar auch noch mit B! Katie ist um die 45, eine total herzliche Person. Wir gehen zusammen zum Zumba und oft spazieren.
Des weiteren wohnt Devin hier, er ist stumm. Er ist ein super fröhlicher Mensch. Er hat für viele Personen oder andere Dinge seine bestimmten Zeichen, so sind wir in der Lage, mit ihm zu kommunizieren, und er kann an allem teilnehmen. Er ist Mitte 30.
Last but not least wohnt Meghan mit uns zusammen. Sie ist mit ihren 25 Jahren die jüngste und super selbstständig, was ihren Tagesablauf angeht. Sie macht alles, was Mädels in dem Alter gerne machen.
Die Core member verlassen jeden Morgen das Haus und gehen ihrer Arbeit nach oder absolvieren ein Day Care Programm von der Community.
Für die ersten Wochen haben wir einen Orientation Plan erhalten, in dem sind Tage vermerkt, an denen wir bestimmte Trainings im Office absolvieren - beispielsweise zur Geschichte der Community, dem Leben als Live in Assistent, aber auch viele offizielle Kurse wie für Erste Hilfe und das Verhalten im Falle eines Brandes.

Mehr aus dem Leben und den Abenteuern von Katharina Besler im fernen Haverhill demnächst!
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