Wasser bei Kneipp: Der Kneippsche Espresso

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Wassergymnastik im Südstadt-Bad in der Goethestraße. Foto: Pielorz
Hattingen: Kneipp-Verein |

Kaum ein Verein ist wohl so mit dem Thema „Wasser“ verbunden wie der Kneipp-Verein. „Haben viele nicht Gelegenheit zur Erholung und Vermehrung ihrer Kräfte, so ist es notwendig, dass wenigstens zeitweise alle Teile des Körpers geübt und in Bewegung gesetzt werden.“ Das Zitat stammt aus einer Rede von Pfarrer Sebastian Kneipp.

Um das Ziel zu erreichen, gibt es fünf Gesundheitssäulen: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und ein Leben in größtmöglicher Ausgeglichenheit. Unter der sogenannten Hydrotherapie (Wasserheilkunde) versteht man Anwendungen mit warmem, vor allem aber mit kaltem Wasser. Es ist eine der ältesten Behandlungsformen überhaupt. Schon im antiken Rom hatte man sie mit Erfolg angewandt. Lange Zeit war die Therapie in Vergessenheit geraten. Ausgiebige Kaltbäder in der 5 Grad bis 10 Grad kalten Donau halfen Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) dabei, eine schwere Lungentuberkulose zu überwinden. Dadurch gewann er die Überzeugung: „Wenn es für mich ein Heilmittel gibt, so wird es das Wasser sein.“ Mit der Zeit verfeinerte der damals als „Wasserdoktor“ bekannte Kneipp seine Methoden und ganz so radikal sind sie auch nicht mehr. Geblieben ist aber die Überzeugung, Wasser übe eine ganz besondere positive Wirkung auf den Körper aus.
Heinz Brincker (76) ist Vorsitzender des Hattinger Kneipp-Vereines und kann das nur bestätigen. Er selbst treibt regelmäßig Sport, darunter auch Schwimmen. Er nimmt an der Wassergymnastik im Südstadt-Bad in der Goethestraße teil – acht Kurse plus drei Reha-Kurse gibt es, die im 30 Grad warmen Wasser ihre Übungen absolvieren. Und es gibt eine Warteliste. „Die Kurse mit den Trockenübungen sind bei weitem nichts so sehr gefragt wie die Wassergymnastik“, sagt Brincker. Von Kneipp wusste er übrigens früher auch nicht viel mehr, als das es ihn gab und sein Name mit Wasser in Verbindung gebracht wird. Er betrieb damals mit seiner Frau eine Jugendherberge und als seine Frau Patientin von Friedhelm Oppenländer wurde, kam sie einmal nach Hause mit dem Satz: Wir sind jetzt Mitglied im Kneipp-Verein. Aha. 1990 wurde der Hattinger Verein gegründet und hat heute rund 200 Mitglieder. „Das ist kein kleiner Verein, aber, wie bei vielen Vereinen, halten sich die aktiven Mitglieder in Grenzen.“

Traum Wassertretbecken

Hattingen hat keine Kneipp-Kita (in Sprockhövel gibt es eine solche im Ortsteil Schee) und auch keine Altenhilfeeinrichtung mit Kneipp-Schwerpunkt (in Sprockhövel gibt es Wasseranwendungen nach Kneipp im Altenheim Haus am Quell). Aber eben zahlreiche Kurse zum Thema Wasser. „Die Wirkung der Kneippschen Wasseranwendungen beruht auf der Stärkung der Selbstheilungskräfte des Körpers durch milde bis kräftige Reize. Die vom Wasser ausgehenden kalt-warmen Temperatureinflüsse regen den Blutkreislauf an und fördern dadurch den Stoffwechsel und die Entschlackung des Körpers“, so Brincker. Rund 120 verschiedene Wasseranwendungen gibt es, unter ihnen Waschungen, Güsse, Wickel, Bäder. Der kalte Guss nach der heißen Dusche ist der ideale Muntermacher. Und wer tagsüber gegen seine Müdigkeit kämpft, der kann auf den „Kneippschen Espresso“ zurückgreifen, das kalte Armbad.
Bekannt ist das Wassertreten. Dafür braucht man übrigens nur eine Badewanne, die bis eine Handbreit unter die Kniekehle mit kaltem Leitungswasser gefüllt wird. Dann reinsteigen und auf der Stelle gehen, wobei immer ein Bein komplett aus dem Wasser gezogen wird. Zum Schluss raus aus der Wanne und das Wasser abstreifen und etwas gehen. Regt Stoffwechsel und Kreislauf an, fördert die Durchblutung und kräftigt die Venen.
„Ein Wassertretbecken in der Hattinger Innenstadt wäre ein noch zu realisierender Traum“, so Brincker. Man habe mal einen Anlauf gemacht und wollte dieses an der Grabenstraße bauen. „Der Verein hat sogar bis heute noch etwas Eigenkapital, aber das Problem ist, wie haben keine Mitglieder, die das Projekt körperlich begleiten könnten. Da müsste man uns anderweitig unter die Arme greifen. Aber eine tolle Errungenschaft wäre das schon.“
Barfußgehen und Tautreten sind übrigens auch ganz einfach zu realisierende Anwendungen. Es stärkt das Immunsystem und kräftigt die Fußmuskulatur, hilft auch gegen Fußschweiß. Wichtig: Nicht abtrocknen! Socken anziehen und sich bewegen.
Warum sich im wesentlichen nur Kinder und dann erst wieder Senioren für Kneipp interessieren – diese Frage kann Heinz Brinker auch nicht beantworten. Es ist aber so. Und neben dem Element „Wasser“ gibt es im Hattinger Kneipp-Verein natürlich auch noch Themen wie Tanzen, Qigong, Yoga, Beckenboden-Training, Entspannung und Traumreisen (auch für Kinder) – und die Gemütlichkeit mit zahlreichen Ausflügen, Klöntreffs und Urlauben im Kneipp-Hotel.
Die Kneipp-Vereinsräume befinden sich in der ersten Etage im Steinhagen 13. Das neue Programm für das 2. Halbjahr 2016 ist erschienen. Infos auch unter www.kneipp-hattingen.de
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