STADTSPIEGEL-Kommentar: "Angst vor allem Fremden?"

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Kaum waren die ersten Meldungen über die „überraschende“ Aufnahme von 150 Flüchtlingen in Iserlohn veröffentlicht, tauchten sie auf den Online-Seiten der örtlichen Presse und vor allem in den sozialen Netzwerken auf: fremdenfeindliche Kommentare weit unter der Gürtellinie und vor Primitivität meist nur so strotzend. Ich frage mich schon lange, was Menschen eigentlich zu so einem Verhalten bewegt. Ist es die scheinbar ständig größer werdende Verdummung eines Großteils der deutschen Bevölkerung, die sich immer mehr in ihr „Schneckenhaus“ von anonymem Internet und seichter und platter TV-Berieselung zurückzieht? Oder ist es die in den meisten von uns tief wurzelnde Angst vor allem Neuen, Unbekannten und vor allem Fremden? Wahrscheinlich von beidem etwas. Und wenn zu dieser Mischung dann noch wenige Spritzer Neid und Armut kommen, ist der hochexplosive und gefährliche Cocktail komplett.
Jetzt muss man nicht unbedingt alles zu 100 Prozent gutheißen, was gerade in Sachen Flüchtlingspolitik in Deutschland und ganz aktuell auch in Iserlohn passiert. So müssen im Verantwortungsbereich vor allem der Bezirksregierung, aber auch der Stadt meiner Meinung nach durchaus Fragen nach der Kurzfristigkeit der Einrichtung einer Notunterkunft innerhalb von nur wenigen Stunden, den vagen Aussagen zur Dauer (wer glaubt ernsthaft an eine „Rückverwandlung“ der Almelohalle zu Schuljahresbeginn?) oder der Standortwahl an sich erlaubt sein. Was allerdings außerhalb jeglicher Frage steht, ist, dass es unser aller Pflicht ist, diesen Flüchtlingen, die unerträglich viel Leid erfahren und ihre Heimat (für immer?) verloren haben, das Gefühl zu geben, dass sie hier in Deutschland willkommen sind. Dank vieler überaus engagierter Helfer scheint dies zumindest in Iserlohn derzeit zu gelingen.
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