Mörderjagd in Hartz-Mountains

"Zechenbrand" ist der zweite Fall für Margarete Sommerfeld, Heldin der Romane von Margit Kruse. (Foto: Gmeiner)
Von wegen „Bergmannsglück“. Das Glück hat das einstige Bergbau-Eldorado Gelsenkirchen längst verlassen. Hier wird zwar ständig der Grill angeschmissen, aber darauf brutzeln Frikadellen statt Steaks. Willkommen in den Hartz-Mountains.

Auf dem alten Zechenlände „Bergmannsglück“ liegt ein schmucker junger Mann im Schalke-Trikot. Mausetot, weil ermordet. Die schillernde, dreiste, clevere und hübsche Nervensäge Margareta Sommerfeld mit der Lizenz zur Einmischung geht auf hohen Hacken erneut auf Mörderjagd, schließlich ist Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm ihr großes Vorbild. Ihre Brötchen verdient sich die sarkastische Blondine aber mit dem Verkauf von Damenoberbekleidung in einem Kaufhaus.

Frikadellen statt Steaks

„Zechenbrand“ nennt Margit Kruse nach dem Debüt „Eisaugen“ ihren zweiten Ruhrgebietskrimi. Guter Stil, weil lakonisch und erfreulich frei von kitschiger Revier-Nostalgie. Kruse trifft diesen leicht grantigen, kargen, aber nicht unfreundlichen Ton der Ruhrpöttler genau. Kein Wunder, die Autorin lebt in Gelsenkirchen uind schreibt über Gelsenkirchen. Die Figuren hat man förmlich vor Augen, ob Typen im feinen Zwirn oder verschwitztem Unterhemd, Frauen in geblümter Kittelschürze oder im schicken Sommerfähnchen. Klingt nach Klischees, aber die werden immer wieder ironisch gebrochen.

Neidisch auf Waltrop

Auch der Plot ist mitten aus dem Leben: In einem etwas heruntergekommenen, aber von seinen Bewohnern sehr geliebten Viertel erhitzen die Pläne um eine neue Nutzung des alten Zechengeländes und vor allem des prachtvollen Industriegebäudes die Gemüter. Eine Bürgerinitiative träumt von einem neuen Kulturzentrum auf „Bergmannsglück“ und schielt voller Neid nach Waltrop. (Sehr witzig ist die Bustour zur Zeche Waltrop und der Kaufrausch der Gelsenkirchener Ladies bei manufactum.)

Margit Kruse schreibt intelligent und humorvoll. Genau das richtige Lesefutter für alle, die den Frühling und Sommer mit spontanen Grillparties herbeisehnen.

Trotzdem: Frikadellen gehören nicht auf den Grill.

Margit Kruse: „Zechenbrand“, Kriminalroman, 307 Seiten, Taschenbuch, erschienen im Gmeiner-Verlag, ISBN 978-3-8392-1382-7, 9.99 Euro
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5 Kommentare
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Gabriele Reinders aus Essen-Süd | 07.03.2013 | 13:34  
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Margit Kruse aus Gelsenkirchen | 08.03.2013 | 08:03  
Kerstin Halstenbach aus Herten | 08.03.2013 | 10:39  
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Stanley Vitte aus Düsseldorf | 08.03.2013 | 12:58  
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Stanley Vitte aus Düsseldorf | 08.05.2013 | 08:59  
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