„Krippe ist ansteckend!“ - Besuch bei der Hildener Krippenbaumeisterin

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Annette Hiemenz mit einigen der neuen Figuren für die große Krippe in der Erlöserkirche. (Foto: Michael de Clerque)
 
Aus einem Drahtgestell... (Foto: A. H.)
Hilden: Erlöserkirche |

Längst ist es kein Hobby mehr. Sondern Leidenschaft - oder in biblischer Sprache: Passion. Annette Hiemenz kümmert sich ehrenamtlich zusammen mit Pfarrer Joachim Rönsch um die große Krippe der Erlöserkirche, Ecke St. Konrad-Allee/Kölner Straße.

„Krippe ist wie Grippe - ansteckend“ - mit dieser simplen Formel bringt die Hildenerin Annette Hiemenz ihre Faszination auf den Punkt.

Angefangen hatte es 2003: Pfarrer Joachim Rönsch hatte sich für eine eigene Krippe in der Erlöserkirche eingesetzt. „In den ersten zwei Jahren haben wir mit den Müttern aus dem Kindergottesdiensthelferkreis ganz naiv gebastelt“, erinnert sich Hiemenz.

Technik verfeinert

Die ersten Figuren basierten noch auf Einwegflaschen aus Plastik. Nach und nach wurde die Technik verfeinert. Übrig geblieben von den Ursprüngen sind bis heute aber die Proportionen: Die menschlichen Figuren sind circa 35 Zentimeter groß. 126 Figuren, darunter auch Tiere, umfasst die Krippe - in diesem Jahr sollen elf hinzukommen.

Darunter eine rennende Figur mit mindestens drei Beinen - sie dürfte den Hildenern bekannt sein. Zunächst bildet ein Drahtgeflecht den Grundstock der Frau mit prallen Einkaufstaschen. Dann kommt Pappmaché hinzu - „für Arme, Beine, Hände und Füße gibt es eine besondere Mischung mit Eierkarton, damit nichts bricht“, erklärt Hiemenz. Ein paar Feinmodelage-Schritte später ist die Figur fertig für den Farbschliff - und die Eilige Einkäuferin ist gut zu erkennen. „Ich habe Karl-Henning Seemann, der die Figur an der Reformationskirche geschaffen hat, vorab um Erlaubnis gebeten“, erzählt Hiemenz.

Verschiedene Zeitebenen

Die Eilige ist übrigens nicht die einzige Figur, die in einer anderen Zeit als Jesu‘ Geburt beheimatet ist: Die „Neugier“ späht in Form einer Frau in schickem Kostüm über einen Busch in Richtung Stall und Königin Saba ist eine biblische Gestalt aus dem 10. Jahrhundert vor Christus. „Verschiedene Zeitebenen - das ist für eine Krippe nicht ungewöhlich“, sagt Hiemenz. „Betrachter finden sich in einer Figur auf die eine oder andere Weise wieder. Dann hat die Krippe berührt - und so soll es sein.“

25 bis 60 Stunden braucht sie für eine Figur, je nach Größe und Detailvielfalt. Und jedes Jahr wird es in der Vorweihnachtszeit knapp: „Ich hätte gerne einen Monat mehr. Schon ein einziges Gesicht zu malen dauert viele, viele Stunden.“

Das Gestalten der Figuren ist eine fast meditative Beschäftigung. Nicht selten vergisst Hiemenz alles um sich herum, auch die Zeit. „Mein Mann nimmt es mir zum Glück nicht übel. Zu essen gibt es dann auch mal etwas schnelles aus der Truhe.“ Ohne den Rückhalt in der Familie wäre ihr Engagement für die Krippe nicht möglich: „Bevor die Kinder ausgezogen sind und ich Platz für ein ‚Atelier‘ hatte, war regelmäßig der halbe Esstisch mit Dingen für die Krippe belegt.“

Prüfung zur Krippenbaumeisterin

Hiemenz hat sich schon immer für Kunst und Musik interessiert. Sie spielt Gambe; bevor sie Krippenfiguren formte, waren es Kasperlefiguren aus Pappmaché.
Ihr Wissen rund um den Krippenbau erweiterte sie mit Kursen im Allgäu, 2013 bestand sie ihre Prüfung zur Krippenbaumeisterin. 40 Stunden Zeit hatte sie für eine klassische orientalische Krippe - ohne Figuren, die Bäume durfte sie vorab fertigen.

Der Aufbau der großen Krippe in der Erlöserkirche nimmt drei Tage in Anspruch. Podeste werden aufgestellt, Kartons mit Steinen geschleppt und die Landschaft geformt. Mittelpunkt bildet eine Tanne, geschmückt mit Äpfeln. „Nichts ist Zufall oder bloße weihnachtliche Deko, alles hat einen Sinn“, sagt Hiemenz. Und so finden sich auch Adam und Eva unter den Figuren. „Ohne den Sündenfall bräuchten wir gar keine Krippe.“

Die drei Weisen - Vertreter dreier Altersgruppen und der damals bekannten Erdteile - werden von Martin Luther, Mahatma Ghandi und Nelson Mandela verkörpert.
Wie es weitergeht? Vielleicht sitzen Joachim Rönsch und Annette Hiemenz morgen wie in den vergangenen Jahren auf der Kirchenbank, sehen sich die große Krippenlandschaft an und entwickeln schon wieder die ersten Ideen für mögliche Erweiterungen...

Programm rund um die Krippe:

- Montag, 26. Dezember, 17 Uhr: Kantatengottesdienst zum 2. Weihnachtstag, mit Kantorei und Kammerorchester Hilden, Leitung: Dorothea Haverkamp.

- Sonntag, 1. Januar, 15-17 Uhr, Krippencafé

- Sonntag, 8. Januar, 17 Uhr: „HörBand“, Newcomer Jazzensemble aus Hannover, Thema der Krippenführung: „Vom Eilen und Ruhen“, Eintritt frei.

- Sonntag, 15. Januar, 17 Uhr: „Rheingold“, Blechbläserquintett zwischen Barock und Rock, Thema der Krippenführung: „Ausgeliefert und doch behütet sein“, Eintritt frei.

Mehr Informationen rund um die Krippe gibt es auf der krippeneigenen Homepage.
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