Radsportwoche in den Dolomiten

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unsere Fahrer (v.l.n.r Carsten, Ingmar, Heinz-Dieter, Jens und Harry)
 
der höchste Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße
 
Blick auf die Großglockner-Hochalpenstraße
 
Teambesprechung
Eine abwechslungsreiche Woche in den Dolomiten liegt hinter vier Mitgliedern der Radsportabteilung. Zusammen mit ihren Familien und Freunden wurde die Gegend rund um Badia erkundet. Dass es dabei nicht immer nur das Rad sein muss, bewies vor allem die Gruppe der Wanderfreudigen. Aber immer der Reihe nach.

Am Samstag, dem 23. Juli, trudelten alle nacheinander am Hotel Melodia del Bosco ein. Während einige mit dem üblichen Ferienverkehr zu kämpfen hatten, nutzten andere die Gelegenheit und fügten mittels eines kleinen Schlenkers die Großglockner-Hochalpenstraße in ihre Reiseroute ein. So konnten schon am ersten Tag direkt Höhenmeter gesammelt werden, gehört doch diese Straße zu der höchsten (befestigten) Alpenquerung Österreichs. Es muss aber an dieser Stelle erwähnt werden, dass dies mit dem Auto geschah. Andernfalls hätte die Anreise wohl deutlich länger gedauert. Denn selbst im Auto ist dieser Pass Respekt einflößend. Carsten war mit seiner Frau derweil schon eine Woche länger vor Ort und hatte bereits etliche Rad- und Wanderkilometer genossen.

Nach dem Abendessen wurde wie gewohnt die Planung für den nächsten Tag und grob für die Woche vorgenommen. So wurde auch besprochen, wer in welche Gruppe ging. Wobei, anders als gewohnt, nicht nach Leistungsstärke, sondern nach Interessen getrennt wurde: Entweder Wandern oder Radfahren. Diese Zuordnung war keinesfalls rigide und wechselte täglich, führte aber auch schon mal zu hitzigen Diskussionen. Am Ende fand sich aber immer ein Kompromiss und jeder sollte auf seine Kosten kommen.

Nachfolgend soll der Blick dabei mehr auf die Radsportler gerichtet sein. So fuhren sie direkt am ersten Tag die bekannte Sella-Ronde ab. Zunächst ging es durch den italienischen Sonntagsverkehr nach Corvara. Nachdem man sich schnell an den Überholabstand der Italiener gewöhnt hatte, der erheblich geringer als in Deutschland ist, begann der Anstieg zum Passo Campolongo (1875m). Hier war deutlich weniger Verkehr, da die meisten den Weg über das Grödnerjoch nehmen. Der Campolongo ließ sich angenehm fahren und sollte auch in den nächsten Tagen immer mal wieder unser Einstieg in die Touren werden. Heinz-Dieter verließ hier die Gruppe, um sich noch etwas zu schonen. Anmerkung: Nach seinem Sturz im Frühjahr hätte niemand gedacht, dass er bereits jetzt wieder solche Touren fahren kann. Doch vorher half er noch, die Technik für die Abfahrt in den Griff zu bekommen, was in einem sehr unterhaltsamen Foto endete…

Weiter ging es für Ingmar, Carsten, Jens und Harry nach Arabba, wo der Passo Pordoi (2239m) begann. Oben angekommen gab es erst eine kleine Erfrischung für alle, bevor sie sich wieder in die Abfahrt stürzten. Nach etwa der Hälfte der Abfahrt ins Tal biegt recht unvermittelt der Anstieg zum Sellajoch (2244m) ab. Schaltfehler sollte man sich dort besser nicht erlauben. Nicht ganz so schwierig ist dann auf der Abfahrt der Einstieg zum Grödnerjoch (2121m), v. a. da er nicht gleich so steil ist. Interessant ist dieser Anstieg wegen seines 2km langen Flachstücks kurz vor der Passhöhe. Während Jens es eher ruhig angehen ließ, spurteten die anderen drei los. Es kam mehrmals zu Attacken in der Ausreißergruppe. Am Ende einigte man sich auf ein Unentschieden, der Spaß stand doch im Vordergrund. Nach der Abfahrt gab es zur Belohnung mal kein isotonisches Kaltgetränk, sondern leckeren Eiskaffee und Eisschokolade in Corvara. Da Ingmar immer noch nicht genug hatte, überzeugte er Harry, „mal eben“ zum Passo Valparola (2192m) zu fahren. Jens reichte dies als Einstieg und er fuhr direkt nach Hause. Carsten indes ging danach noch etwas Wandern.

Am nächsten Tag teilten sich die Radler auf. Ingmar und Harry wollten zum Passo di Giau (2236m), Heinz-Dieter und Jens eher etwas ruhiger Richtung Buchensteintal. Da die Wetteraussichten nur für den Vormittag gut waren, ging Carsten lieber gleich Wandern. So kam es dann auch. Die Wolken wurden mit jeder Stunde dunkler und bedrohlicher. Heinz-Dieter und Jens kamen bis zum Falzarego (2109m). Auf dem kurzen Stück zum Valparola reichte der Abstand, dass Jens noch fast trocken und nur auf gut 20m Regen abbekam, Heinz-Dieter dafür die Gratisdusche. Zu allem Überfluss hatte er am Falzarego die Brille vergessen und musste noch einmal zurück. Zum Glück fiel es ihm oben am Pass und nicht in der Abfahrt auf, so waren es „nur“ die 100 Höhenmeter zwischen Falzarego und Valparola. Den anderen beiden erging es nicht besser. Am Giau angekommen, planten sie ihre Route wegen der Wetterlage um und fuhren direkt die gleiche Strecke zurück. Diese führte sie auch über den Falzarego, jedoch von einer anderen Seite, zum Valparola. Da ihre Strecke länger war, kamen sie natürlich dort auch in den Regen. Schade für die drei, denn die Abfahrt ist eigentlich recht schön und man kann es bei trockenen Verhältnissen gut laufen lassen. Die heiße Dusche hatten sie sich dann alle verdient.

Für den nächsten Tag wurde ein gemeinsames Ziel für die Radfahrer und Wanderer erkoren – der Kronplatz (2275m). Die Wanderer erklommen diesen von der Talstation der Seilbahn am Furkelpass (1489m). Bis dorthin sollten auch die Radler fahren und ab hier weiter mit der Seilbahn, da es keine Straße hinauf gibt. Gemeinsam wollten man dann eines der Museen von Reinhold Messner besichtigen, welches am Kronplatz gebaut ist. Die Tour bedeutete für die Radler, dass sie erst einmal 15km bis Zwischenwasser das Gadertal hinab mussten, bevor es dann über St. Vigil zum Einstieg in den Pass ging. Für Harry und Jens ein kleines Dejá Vu, denn in St. Vigil endete vor zwei Jahren eine ihrer Transalp-Etappen. Ab St. Vigil ging es dann mal mehr und mal weniger steil auf 11km hinauf zum Furkelpass mit längeren Abschnitten von 14-15%. Durchweg 10-12% machten gerade die letzten Kilometer bei insgesamt nur 700 Höhenmeter doch anstrengender als gedacht. Harry und Carsten hatten Dank einer optimistischen Routenführung eine Sackgasse gefunden und 200 Höhenmeter extra zu verbuchen. MTB-Touren sind eben nicht immer auch Rennrad-tauglich! Ingmar meinte ebenfalls, lieber kurz wieder etwas runter zu fahren als sich von einer Wespe stechen zu lassen. Als Resultat waren Jens und dann Heinz-Dieter als erste am Pass. Man könnte fast glauben, das war ein abgekartetes Spiel der „schnellen Jungs“ – nur leider viel zu offensichtlich. Trotzdem eine nette Idee. Nach der wirklich sehr interessanten Museumsbesichtigung und guter Aussicht gab es für alle ein leckeres Essen, das nach den Anstrengungen bis auf den letzten Krümel verzehrt wurde. Schließlich wollten wir gutes Wetter haben. Nur schien dies erst für den nächsten Tag zu gelten und es zogen wieder dunkle Wolken auf. Nasswerden wollte keiner. Also schnell wieder runter, umgezogen und auf die Räder. Dank des PSV-Sprintzuges mit Carsten als Lokomotive kamen auch alle trocken am Hotel an.

Leider hat das mit dem Aufessen nicht ganz gewirkt und die Wetteraussichten für Mittwoch waren sehr durchwachsen. Daher entschied sich der Großteil für eine Stadtbesichtigung von Bozen. Nur der geplante Besuch von Ötzi musste ausfallen. Er hatte einfach zu viele Gäste eingeladen.

Da für Freitag der beste Tag vorausgesagt, aber auch eine gemeinsame Wanderung angedacht war, wurde diese am Donnerstag vollzogen. Außerdem waren die Prognosen weiter nicht so toll. Nur Harry und Carsten trotzten diesen und wollten noch mal den Giau probieren. Die anderen erklommen den Col di Lana (2452m), einen der im ersten Weltkrieg schwer umkämpften Gipfel der Region. Da die Wolken sehr tief hingen, waren die letzten Höhenmeter ein Wandern in selbigen. Wenigsten blieben die Wanderer trocken. Das galt zwar ebenso für die Radler, die dafür umso mehr mit nassen Straßen zu kämpfen hatten. Daher beschränkten sie ihre Tour auf die Runde nach Buchenstein.

Freitag kam dann wie vorhergesagt das gute Wetter. Ingmar, Harry und Jens planten daher eine Tour zum Lago di Fedaia (2057m). Heinz-Dieter wollte sie dabei ein Teil des Weges begleiten. Diese Tour führte über Grödnerjoch und Sella nach Canazei. Dort beginnt der gemütliche Anstieg zum Passo Fedaia, der direkt das Nordufer des Sees bildet. Dort angekommen, wurden die drei mit einer Stärkung und einem schönen Blick auf den Marmolada-Gletscher belohnt. Mit 3343m ist dies zugleich der höchste Berg der Dolomiten. Bekannter ist dieser Pass aber vor allem wegen seiner Ostrampe. Diese ist recht steil und hat einige lange Geraden. Was bergauf eher unangenehm ist, lässt dafür umso mehr das Herz des Abfahrers schlagen. Sofern dieser die Geschwindigkeit einer kurvenreichen Abfahrt bevorzugt. Wer es drauf anlegt, kann hier Geschwindigkeiten im dreistelligen Bereich erreichen. Die Gefahren sollten aber nie aus den Augen verloren werden. Ein Fehler oder eine kleine Unaufmerksamkeit, egal ob die eigene oder die anderer, kann schnell schlimme Folgen haben. Unsere drei ließen es daher eher ruhig angehen. Es war im Allgemeinen recht wenig Verkehr, aber auch ab und an nicht immer guter Straßenbelag. Trotz dessen und auch mit etwas Gegenwind erreichten selbst unsere Leichtgewichte Harry und Jens 86 km/h. Das zeigt das Potential dieser Abfahrt. Am Ende der Abfahrt in Caprile trennte sich Harry, der noch die Rechnung mit dem Giau offen hatte. Ingmar und Jens begannen ihrerseits mit dem Aufstieg aus dem Tal. Nach einigen Diskussionen, was der elegantere Weg zurück wäre, trennten diese beiden sich in Andraz ebenfalls. Jens bevorzugte das weiter stetige Klettern zum Falzarego und Valparola, was am Ende 1100 Höhenmeter am Stück bedeutete. Diese waren aber bis auf wenige etwas steilere und flachere Stücke bei angenehmen 6% gut verteilt. Ingmar bog dagegen Richtung Campolongo ab. Auf dem Papier ist dieser zwar niedriger, aber vorher geht es noch mehrere Höhenmeter bergab, ehe es zunächst leicht ansteigend bis Arabba geht. Dort beginnt der Campolongo, der mehrmals zweistellige Prozentwerte bot. Am Hotel hatte Ingmar zwar etwas mehr Kilometer und auch weniger (aber mehr als gedacht) Höhenmeter zu verzeichnen als Jens, aber er war längst nicht mehr so von seiner Route begeistert als noch bei der Trennung. Jens konnte dafür endlich mal die Abfahrt vom Valparola bei trockener Straße genießen und auch der kleine Stau kurz vor der Ortschaft Stern/La Villa schmälerten den Eindruck nicht, die schönere Variante gewählt zu haben. Er ärgerte sich nur, dass er die 3000-er Marke bei den Höhenmetern nur knapp verpasst hatte. Aber dafür extra einen Schlenker machen? Nee, dann lieber einen Apfelstrudel im Hotel essen. Harry trudelte ebenfalls wenig später gut gelaunt wieder ein. So kam jeder noch einmal auf seine Kosten.

Mit einem gemeinsamen Abendessen endete diese schöne Woche in den Dolomiten – Viele schöne Erinnerungen und jede Menge Eindrücke mit im Gepäck sowie auch die ersten konkreten Pläne fürs kommende Jahr.
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