Auf den Hund gekommen

Jede Woche präsentieren sich reizende Hunde, die ein neues Zuhause suchen auf unserer „letzten Seite“. Jetzt besuchte das Wochen-Magazin die Tierherberge in Kamp-Lintfort, in der die kuscheligen Vierbeiner ein behagliches Heim auf Zeit haben.

Letzten Monat feierte die Tierherberge Kamp-Lintfort ihr zehnjähriges Bestehen. Zehn Jahre mit konstanter Vermittlungsbilanz. Und die kommt nicht von ungefähr: Bei der Tierherberge handelt es sich um ein alternatives Tierheim. Die rund 45 Hunde haben auf 6000 Quadratmetern Fläche den ganzen Tag über Freilauf. Von Zwingerhaltung hält Tierheimleiterin Beate Mühlenberg nichts: „Im Käfig fühlen die Hunde sich nicht wohl und haben oft auch keine Chance vermittelt zu werden, da sie um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dann oft laut bellen. Dann denken manche Leute schnell, die Hunde seien aggressiv.“

Als Besucher direkt ins Rudel

Hier dürfen die Besucher sich direkt unter das Rudel mischen und erkennen so schnell, welcher Hund auf sie zukommt und womöglich der Richtige für sie ist. Bei Tierhaltung ist Umdenken die zukunftsorientierte Devise, und die Tierherberge Kamp-Lintfort setzt dies schon seit Jahren um. Im Sommer können die Hunde bis etwa 21 Uhr draußen bleiben, dann kommen sie in ein großes Haus mit Zimmern, mit Fußbodenheizung und Körbchen ausgestattet. „Hier gehen die Hunde auch gerne einmal zum Mittagsschläfchen rein“, sagt Mühlenberg. Auch Karin Kuhlmann, die sich ehrenamtlich für die Hunde engagiert betont: „Die seriöse Tierschutzarbeit steht hier an aller erster Stelle. Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und stellen persönliche Belange stets hinten an. Der liebevolle Umgang mit den Hunden und die kompetente Beratung bei der Vermittlung sind hier stets gegeben.“

Aber auch wenn es den Hunden hier sehr gut geht und die 14 Mitarbeiter sich fürsorglich um jeden einzelnen Hund sowie um die Tiere des Gnadenhofes in Weeze, der auch Teil der Tierherberge ist, kümmern, geht nichts über ein eigenes Zuhause. Viele von ihnen haben eine Menge durchgemacht und haben trotzdem ihre Treue und Gutmütigkeit nicht verloren. Besonders schwierig ist es bei den in die Jahre gekommenen Hunden, wie beispielsweise der liebe Brutus einer ist. Der kleine Kerl ist mittlerweile neun Jahre alt und sehnt sich schon lange nach einem sanften Begleiter, dem er auch im hohen Alter noch viel Liebe zu schenken hat. Der Rüde ist stubenrein und kinderlieb, nur eben nicht mehr der jüngste. Auch mit Champ hat es das Leben bisher nicht gut gemeint. Da er ein Jagdterrier ist, kommt er mit anderen Tieren nicht gut klar, mit Menschen versteht er sich dafür umso besser. Trotzdem ist der sechsjährige Rüde schon fast sein ganzes Leben zu Gast in der Tierherberge. Problematisch ist ebenfalls die Vermittlung von so genannten Listenhunden. Peter und Silie wurden von einem Schrottplatz beschlagnahmt und sind alles andere als furchteinflößende Kampfhunde. Die amerikanischen Bulldoggen lassen sich sogar von den Schülern, die einmal die Woche mit einer AG die Tierherberge besuchen kommen, problemlos an der Leine führen. „Silie fand es sogar ganz toll im Altenheim von allen Seiten gestreichelt zu werden. Die beiden sind alles andere als Problemhunde“, sagt Mühlenberg.

Nicht jeder "Kampfhund" ist ein Problemhund

Wer Interesse an einem Hund aus der Tierherberge hat, kann seinen neuen besten Freund nach einem Vorgespräch, ein paar Spaziergängen und Ausfüllen eines Fragebogens für einen Probetag mit nach Hause nehmen. Übernachten muss der Hund allerdings wieder im Tierheim, denn wenn die Hunde ständig woanders die Nacht verbringen würden, wäre die Enttäuschung für sie, falls es doch nicht klappt, jedes Mal viel zu groß. Alle Hunde sind bei der Vermittlung geimpft, gechipt, kastriert, entwurmt, entfloht und haben einen EU-Ausweis, die neuen Besitzer müssen lediglich eine Vermittlungsgebühr zahlen.
Wer sich einen Hund nach Hause holen möchte, sollte darüber nachdenken, ob der Gang ins Tierheim nicht sinnvoller ist, als der zum Züchter. Denn die Hunde hier warten sehnsüchtig auf ein liebevolles Heim und werden es ihren neuen Besitzern mit Treue und Zuneigung danken. In der Tierherberge Kamp-Lintfort können Interessenten sicher sein, dass sie gut beraten und unterstützt werden und ihr neuer Schützling dank artgerechter Unterbringung und aufopferungsvoller Betreuung in der Tierherberge gesund und sozial ist. Wer keine Möglichkeit hat, sich ein Tier zu halten, aber trotzdem etwas für den Tierschutz tun möchte, kann dies durch Sachspenden oder auch eine Spende der eigenen Zeit machen.

Jeder kann mit den Hunden spazieren

Jeder kann ohne jegliche Verpflichtung mit den Hunden spazieren gehen und ihnen damit Auslauf und Streicheleinheiten schenken. Da der Sommer naht, werden momentan außerdem Sonnenschirme und Sandwannen gebraucht, damit die Tiere sich abkühlen können.

Die Tierherberge stellt sich und einige Hunde beim Gewerbeparkfest am Sonntag, 15 Juni, in Neukirchen-Vluyn vor. Unter dem Motto Schwieriger Hund - na und!“ sollen gerade die schwer zu vermittelnden Hunde ihre Chance bekommen und von ihrer Schokoladenseite präsentiert werden.
Denn den meisten sieht man ihre wahre Schönheit erst an, wenn man ihnen eine Chance gibt, ihr Inneres zu zeigen.

Autor:

Laura da Silva aus Gelsenkirchen

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