Gescheitertes Bienenprojekt – Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief

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Das Vorstandsteam des Kleingartenvereins „Grüner Grund“ auf seiner Bienenwiese. 50 Kilo Blumensamen werden hier in diesem Frühling in die bereits umgepflügte Erde eingebracht. Die Pacht für das 2000 Quadratmeter große Stück Natur zahlen Uwe Zimmermann, Walter Lang, Jörg Scholz, Detlef Budig, Erich Knüppelberg, Claus Schmidt und Ralf Kremer gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern. Foto: Thomas Spekowius
  Im März berichtete der Wochen-Anzeiger erstmals über das vom Monheimer Hobby-Imker Detlev Garn so ambitioniert angegangene Projekt eines Naturbienengartens innerhalb der südlich vom „mona mare“ gelegenen Kleingartenanlage „Grüner Grund.“ Nur wenige Wochen später mussten wir auch schon über das vorläufige Scheitern des Projekts berichten. Die Schuld sah Detlev Garn dabei bei den Kleingärtnern und ihrem Vorsitzenden Jörg Scholz. Doch der gesamte Vorstand stellte sich nun demonstrativ hinter seinen 1. Vorsitzenden. Im „Grünen Grund sieht man sich vollkommen zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und der Stachel sitzt tief!

Offen hatte Detlev Garn Vereinschef Jörg Scholz unter anderem den Bruch mündlicher Vereinbarungen, „Kontrollwahn“ und letztlich die Vorlage eines Vertrages vorgeworfen, der „nur noch Verbote und Pflichten“ enthalten habe. Das Wort Biene sei in dem Papier am Ende gar nicht mehr vorgekommen, so der Imker, der das kleine Naturparadies vor allem für Schulklassen und Kindergartengruppen zugänglich machen wollte.

Nun aber fahren die Kleingärtner gemeinsam die Stacheln aus. „Es kann nicht sein, dass wir Herrn Garn hier praktisch kostenlos ein Grundstück zur Verfügung stellen und das Projekt mit Mensch und Material unterstützen wollten und nun plötzlich als die großen Verhinderer dastehen“, so der allgemeine Tenor aus dem vielköpfigen Vorstand, der sich nach der Berichterstattung im Wochen-Anzeiger jede Menge Fragen seiner Mitglieder anhören musste. Fakt ist: Detlev Garn hätte für das 400 Quadratmeter große Grundstück keinen Pacht-, sondern lediglich einen Nutzer-Vertrag erhalten. Jörg Scholz: „Er hätte bei uns also nur den Mitgliedsbeitrag zahlen und Unkosten wie etwa für das Wasser mittragen müssen. Die Pacht für dieses Grundstück wird auf alle Mitglieder der Anlage verteilt. Wir hätten das also für ihn mitgetragen.“ Fakt ist auch: Das für den Naturbienengarten ins Auge gefasste Areal ist Teil einer sogenannten Sondernutzungsfläche. Eine insgesamt rund 2000 Quadratmeter große Ausgleichsfläche mit zahlreichen Obstbäumen, die 1993 bei der Errichtung der Anlage geschaffen wurde, und die naturnah belassen werden muss, quasi als Ausgleich für Verdichtungen auf dem Kleingarten-Gelände, wie etwa für das Vereinsheim. Eine besonders sensible Zone also, wie sich offenbar auch im Vertragspapier widerspiegelt. Jörg Scholz: „Wir hatten dort ohnehin eine große Bienenwiese geplant. Wir haben selbst schon einen Hobby-Imker in unseren Reihen. Und wir haben gerade von der Firma Bayer 50 Kilo Bienenwiesensamen als Spende überreicht bekommen. Als Herr Garn dann letzten Herbst zu uns mit seiner Idee kam, haben wir alle gedacht: Mensch, das ist doch eine tolle Ergänzung für das, was wir ohnehin schon vorhaben.“ – Danach muss dann jedoch so ziemlich alles schief gelaufen sein. Weil nun mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten an dem Projekt gearbeitet wurde. Und noch viel wichtiger: Weil offenkundig viel zu wenig miteinander geredet wurde. Detlev Garn machte als engagierter Solokämpfer mächtig Dampf, weil er die Pflanzzeit im Frühling noch ausnutzen wollte, die Kleingarten-Vorständler jedoch wollten auch ihre Mitglieder mitnehmen und einen sauberen Vertrag vorlegen. Jörg Scholz: „Herr Garn hat dann bei der Stadt schon 600 Pflanzen bestellt, noch bevor hier überhaupt der Vertrag unterschrieben war.“ Und auch dieser Vertrag war dann offenbar so gar nicht nach dem Geschmack des Hobby-Imkers. „Das ist aber ein Vertrag mit bestimmten Regeln, wie wir ihn hier praktisch alle so oder in ähnlicher Form unterschrieben haben“, betont der 2. Vorsitzende Uwe Zimmermann. „Die darin enthaltenen Verbote haben wir alle.“ Und offenbar lassen das Bundeskleingartengesetz und auch die Monheimer Spielregeln für alle Kleingärten hier nur bedingt Luft für Interpretationen. Walter Lang, ebenfalls ein Vorstandskollege von Scholz und Zimmermann: „Diese Vorgaben sind auch für uns nicht immer schön.“ Jörg Scholz: „An der einen oder anderen Regel kann man schon mal ein bisschen ziehen, wie an einem Gummi. Aber gerade auf dieser Sonderfläche können wir einfach nicht machen, was wir wollen. Da hängen auch Fördergelder des Landes mit dran.“

Letztlich ist das Projekt Naturbienengarten damit auch im Paragraphendschungel verendet. Mehr Kommunikation freilich wäre hier ganz sicher hilfreich gewesen. Vielleicht auch etwas weniger Tempo. Der aber wohl schwerste Vorwurf der Kleingärtner geht kollektiv in die Richtung, dass Detlev Garn sich nie als Teil der Gemeinschaft gefühlt habe. Jörg Scholz: „Der wollte da praktisch auf unserem Gelände sein eigenes Ding machen, seinen großen Traum erfüllen. Da hat er wirklich viel Engagement entwickelt. Das hat uns auch beeindruckt. Deshalb haben wir ihm, nachdem er in allen drei anderen Monheimer Kleingärten mit seiner Idee abgelehnt worden war, hier auch die Chance geben wollen.“ – Die Fesseln der Kleingärtnergesetzte haben dabei vielleicht alle unterschätzt. Und es hätte wohl mehr Zeit bedurft, hier noch hinter den Kulissen den einen oder anderen Knoten zu lösen. Nun scheint das Tischtuch zerschnitten, weil zu viel über und zu wenig miteinander geredet wurde.

Detlev Garn ist auf der Suche nach einer anderen Fläche für sein Projekt. Die Kleingärtner im „Grünen Grund“ treiben ihr Projekt „Bienenwiese“ voran. Umgepflügt ist schon. Das 400 Quadratmeter große Naturbienengarten-Areal freilich ruht. Jörg Scholz: „Gut möglich, dass wir da jetzt selber etwas machen. Denn die Idee an sich war ja eigentlich gut.“ Gut, dass man mit Victor Schreider da noch einen Imker in den eigenen Reihen weiß.

Im Sommer feiert der Kleingartenverein Grüner Grund übrigens seinen 20. Geburtstag. Und bis zum 31. August hoffen nun wohl alle, dass wieder etwas Gras über die ganze Sache gewachsen ist – mit einer blühenden Wiese müssten sogar alle Beteiligten ganz gut leben können.
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Detlev Garn aus Monheim am Rhein | 28.04.2013 | 18:03  
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