"Böötchen" geht in die Verlängerung

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Das „Piwipper Böötchen“ befördert am Wochenende noch einmal Ausflügler über den Rhein. Foto: de Clerque
 
Wolfgang Eicker (l.) ist einer von insgesamt 35 ehrenamtlichen Fährhelfern, die zwischen April und Oktober als Kassierer auf dem Piwipper Böötchen mitfahren. Foto: de Clerque
Noch einmal wird das „Piwipper Böötchen“ ein Wochenende lang Spaziergänger und Radfahrer zwischen Monheim und Dormagen über den Rhein befördern. Das gute Herbstwetter hat die Verantwortlichen kurzfristig diese Entscheidung treffen lassen. Zum Abschluss der Saison zieht Heiner Müller-Krumbhaar, Vorsitzender des Vereins „Piwipper Böötchen“, eine rundum positive Bilanz.

Seit zwei Jahren ist das „Piwipper Böötchen“ bei schönem Wetter an den Wochenenden und Feiertagen eine feste Anlaufstelle für Jung und Alt. Dort setzen viele Ausflügler auf die andere Rheinseite über. Radfahrer nutzen die kleine Personenfähre für eine Rundtour über Zons und Urdenbach zurück nach Monheim. Spaziergänger laufen gerne mal im Linksrheinischen und natürlich lockt auch der „Landgasthof Piwipp“ für ein Mittagessen oder zum Kaffee trinken.

25 Fahrgäste kann das „Böötchen“ pro Tour befördern. Für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle ist ebenfalls reichlich Platz an Bord. „Wir hatten schon bis zu 14 Rollstühle dabei. Auch Zwillingskinderwagen können wir befördern“, sagt Heiner Müller-Krumbhaar, Vorsitzender des Vereins „Piwipper Böötchen“.

25.000 Personen hat die kleine Fähre im vergangenen Jahr zwischen Monheim und Dormagen über Deutschlands längsten Strom gebracht. „In diesem Jahr sind es zehn Prozent weniger“, so Müller-Krumbhaar. Das liegt jedoch nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an der Niedrigwasserperiode im April und dem verregneten August. Dagegen animierte allein am 3. Oktober das sonnig-warme Herbstwetter 900 Personen zu einem Ausflug auf die jeweils andere Rheinseite. Auch bei der Dormagener Bevölkerung erfreut sich das „Böötchen“ immer größerer Beliebtheit. „Wir haben nun auch von dort deutlich stärkeren Zuspruch“, sagt der Vereinsvorsitzende. Ansonsten reicht der Einzugsbereich bis ins Bergische Land und deckt die Region zwischen Düsseldorf und Köln ab.

70 Tage ist das „Böötchen“ im vergangenen Jahr gefahren, in diesem Jahr waren es 63, da diesmal an den Brückentagen kein Fährverkehr mehr angeboten wurde. Zwei weitere Fahrtage kommen nun durch die Verlängerung hinzu. Im April bereitete der niedrige Wasserstand den Verantwortlichen einige Sorgen. „Bei Niedrigwasser müssen wir an der Kribbe anlegen“, sagt Heiner Müller-Krumbhaar. Diese ist nur grob gepflastert, so dass es gerade für Personen mit Rollstühlen oder Rollator beschwerlich ist, wieder ans Ufer zu kommen.

Hochwasser, wie im August, bereitet dagegen weniger Probleme. „Die Rampe kann bei jedem Wasserstand befahren werden“, so Müller-Krumbhaar. Ab Hochwassermarke 1 (6,20 Meter nach Kölner Pegel) fangen die Schwierigkeiten auf der Dormagener Seite an. Steigt der Pegel über 6,45 Meter gibt es nasse Füße. Im letzten Jahr musste daher einmal die Fahrt wegen Hochwasser eingestellt werden.

Von Unfällen ist das „Piwipper Böötchen“ bisher verschont geblieben und Müller-Krumbhaar hofft, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Sehr zufrieden ist der Vereinsvorsitzende auch mit der Qualität der Fähre, die im Juni für eine Routineuntersuchung auf einer Werft in Köln inspiziert wurde: „Das Unterwasserschiff ist in einem tadellosen Zustand.“

Zum ersten Mal hat der Verein im August anlässlich des Schürefestes und der Sommerparty der Dormagener Bürgerschützen eine Nachtfahrt angeboten. Bis 23 Uhr stand die Verbindung über den Rhein. „Das hat uns fast 200 Fahrgäste zusätzlich gebracht“, so der Vorsitzende.

Gerade von jungen Leuten gab es eine positive Rückmeldung zur Nachtfahrt, da diese gerne abends die Gastronomie auf dem Monberg besuchen. Für 2015 wird daher überlegt, eine Tour für Nachtschwärmer anzubieten. Schiffsführer Wolfgang Hoffmann ist die meiste Zeit im Einsatz. Er wird von drei weiteren Schiffsführern unterstützt, die ebenfalls das Rheinpatent haben. Sein Sohn Stefan hat am 1. Oktober sein Fährpatent gemacht. „Er würde auch Samstagnacht fahren“, freut sich Müller-Krumbhaar über die neuen Möglichkeiten.

Insgesamt ist der Vereinsvorsitzende mit der Entwicklung der Fährverbindung sehr zufrieden: „Der Betrieb ist so erfolgreich, das wir unsere Restschulden statt in vier Jahren in zwei Jahren abbezahlt haben werden.“ Nur die Anlegemöglichkeit auf der Monheimer Seite ist wegen der Probleme bei Niedrigwasser noch verbesserungswürdig. Hier setzt der Verein auf die Pläne der Stadt, die dort einen großen Anleger bauen will.

Bis Anfang November laufen noch die Beobachtungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Köln. Mit einer Kamera, die auf dem Dach des Hochhauses an der Marienkapelle installiert ist, wird seit August der Schiffsverkehr beobachtet. Neben der Anzahl der Schiffe, die dort verkehren, interessiert auch wie sie die Außenkurve passieren. Bis Ende des Jahres sollen nach Aussage von Florian Sandner, Mitarbeiter im Tiefbauamt und Projektleiter Schiffsanleger, genaue Zahlen vorliegen. Sie sollen darüber Auskunft geben, wie weit der zukünftige Anleger in den Rhein hineinragen darf. „Wegen des flachen Ufers muss der Anleger eine gewisse Länge haben, damit dort auch große Schiffe anlegen können“, sagt Sandner.

Das „Böötchen“ verabschiedet sich nach diesem Wochenende in die Winterpause. Zum Abschluss der Saison gab es bereits als Dankeschön ein gemeinsames Essen für die 35 ehrenamtlichen Fährhelfer und die Schiffsführer. „Der Einsatz hat immer sehr gut geklappt. Es hat keine Ausfälle gegeben und ein Ersatz wurde immer untereinander organisiert“, freut sich der Vereinsvorsitzende über den reibungslosen Ablauf.
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